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Tricks mit der Statistik? So viele Arbeitslose gibt es wirklich

Nicht jeder ohne Job wird erfasst - Mehr als fünf Millionen in Hartz IV - 30.01.2020 12:00 Uhr

Die deutsche Arbeitsmarktstatistik wird in der Bundesagentur für Arbeit erstellt - die Behörde hat ihren Sitz in Nürnberg. © Roland Weihrauch (dpa)


Wie hoch ist die Arbeitslosigkeit denn wirklich?

Offiziell gelten in Deutschland zum Jahresanfang 2020 knapp zweieinhalb Millionen Menschen als arbeitslos. Nicht mitgezählt werden allerdings diejenigen Erwerbslosen, die Qualifizierungsmaßnahmen der Arbeitsagenturen und Jobcenter absolvieren - das sind knapp 900.000 Menschen, die man zu den offiziellen Arbeitslosenzahlen hinzurechnen muss.

Verschweigt die Bundesagentur diese Zahlen?

Nein. Sie führt sie unter dem Begriff "Unterbeschäftigung". Allerdings erhält dieser nicht dieselbe Aufmerksamkeit wie die offizielle Zahl der Arbeitslosen. 

Wie viele Hartz-IV-Bezieher gibt es?

Mehr als fünf Millionen Menschen in Deutschland, Kinder eingerechnet, sind auf die Grundsicherung angewiesen. Von diesen fünf Millionen sind knapp vier Millionen erwerbsfähig. In der Arbeitslosenstatistik tauchen aber nur eineinhalb Millionen auf, weil die anderen beispielsweise Kleinkinder betreuen oder Angehörige pflegen. Der Grundsatz ist: Nur wer tatsächlich arbeiten kann (und sich nicht in einer Maßnahme befindet), gilt auch als arbeitslos.


Interaktiv: Die aktuellen Arbeitslosenzahlen für Bayern


Und was ist mit den Älteren?

Sie werden zum Teil tatsächlich aus der Statistik herausgerechnet. Grundlage sind die so genannten "Sonderregelungen für Ältere" nach dem Sozialgesetzbuch II. Wer über 58 ist, gilt nicht mehr als arbeitslos, wenn ihm "mindestens für die Dauer von zwölf Monaten keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten worden ist". Das sind gut 170.000 Menschen.

Wie ehrlich ist die deutsche Statistik im Vergleich zu anderen europäischen Ländern?

Hier wirkt Deutschland vergleichsweise transparent. Das zeigt sich, wenn man die Arbeitslosigkeit nach dem Konzept der Internationalen Arbeitsorganisation ILO berechnet. Demnach ergibt sich für die Bundesrepublik nur eine Arbeitslosenquote von drei Prozent. Die offizielle Arbeitslosigkeit nach deutschen Berechnungsmethoden liegt hingegen bei rund fünf Prozent. Das heißt: Die deutsche Statistik ist ehrlicher als die internationale.

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Wie kommt der Unterschied zustande?

Ein Grund ist, dass Bundesagentur und ILO ihren Daten unterschiedliche Definitionen zugrunde legen in der Frage, wer als erwerbsfähig gilt. Nach dem deutschen Sozialgesetzbuch ist jemand sogar dann arbeitslos, wenn er bis zu 15 Stunden in der Woche arbeitet. Dagegen ist nach dem ILO-Konzept jemand, der nur eine einzige Stunde in der Woche tätig ist, nicht arbeitslos.

Unterm Strich: Trickst die Bundesagentur für Arbeit?

Die Bundesagentur setzt um, was in den Gesetzen steht - und diese Regelungen verschleiern in der Tat das Ausmaß der Arbeitslosigkeit in Deutschland. Trotzdem sind die Zahlen verfügbar, anhand derer sich die echte Erwerbslosigkeit ermitteln lässt. Die Autoren Gerd Bosbach und Jens Jürgen Korff, die sich mit Statistiktricks befassen, sprechen deswegen treffend von einem "Fakten-Versteckspiel".

Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert.

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