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Trump kritisiert Macrons Nato-Äußerung als "beleidigend"

Präsident erneuerte Kritik an Deutschland wegen Verteidigungsausgaben - 03.12.2019 18:49 Uhr

US-Präsident Donald Trump hat auf dem Jubiläumsgipfel in London die "Hirntod"-Äußerung über die Nato von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron scharf kritisiert. © Evan Vucci/AP/dpa


US-Präsident Donald Trump hat den französischen Präsidenten Emmanuel Macron für seine massive Kritik an der Nato abgekanzelt und die Militärallianz überraschend verteidigt. Die Aussage von Macron, die Nato sei "hirntot", sei "beleidigend", "gefährlich" und "respektlos", sagte Trump am Dienstag vor dem offiziellen Beginn eines zweitägigen Nato-Gipfels in London. "Die Nato dient einem großartigen Ziel", sagte Trump, der das Bündnis in der Vergangenheit als nicht zeitgemäß - "obsolet" - bezeichnet hatte. Seine Kritik an Deutschland wegen Verteidigungsausgaben erneuerte Trump.

Macrons Fundamentalkritik hat die Nato aufgerüttelt und eine heftige Debatte über die Zukunft ausgelöst. Bei dem Gipfel zum 70-jährigen Bestehen der Nato am Dienstag und Mittwoch werden Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Kollegen aus den übrigen 28 Staaten der Allianz über die künftige Richtung beraten. Nach dem Gipfel soll ein "Reflexionsprozess" beginnen - ähnlich wie es Bundesaußenminister Heiko Maas als Reaktion auf Macrons Kritik vorgeschlagen hatte.

Maas hatte eine Reformkommission ins Spiel gebracht, die Vorschläge für eine bessere politische Zusammenarbeit machen soll. Der Auftrag für den "Reflexionsprozess" ist allerdings sehr vage, wie aus dem Entwurf der "Londoner Erklärung" zum Gipfel hervorgeht. Ein Zeitrahmen wird nicht genannt.

Welches Zitat stammt wirklich von Trump?

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Hat er das gesagt - oder doch nicht? Testen Sie hier Ihr Trump-Wissen!

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© Screenshot

Frage 1/17:

"Es schneit und friert in New York. Wir brauchen globale Erwärmung!"

Ja - das war ein Tweet von Trump vom 7. November 2012.

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© dpa

Frage 2/17:

"Ich liebe ihren oberen Körper."

Ja - das sagte Trump über das Aussehen von Halle Berry in der "Howard Stern Show" am 6. Februar 2013.

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© dpa

Frage 3/17:

"Ich will nichts schwabbeln sehen."

Nein - das hat nicht Trump gesagt, sondern Heidi Klum in der 11. Staffel von "Germany's Next Top Model" (GNTM) am 30. März 2018.

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© ANDREW YATES/AFP/Getty Images

Frage 4/17:

"Es wird jetzt interessant - Quietschender-Hintern-Zeit nenne ich das."

Nein - es war Manchester Uniteds Trainer Alex Ferguson, der so den Kampf um die Premier-League-Meisterschaft kommentierte.

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Frage 5/17:

"Das hier ist mehr Arbeit als früher. Ich dachte, es wäre leichter."

Ja – so antwortete Trump in einem Reuters-Interview am 28. April 2017.

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© Electronic Arts/dpa/tmn

Frage 6/17:

"Nur ich kann ewig leben."

Nein – das sagt Lord Voldemort in dem Harry-Potter-Band "Heiligtümer des Todes".

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Frage 7/17:

“Meine Finger sind lang und schön, wie gut dokumentiert wurde, auch andere Teile meines Körpers."

Ja – das war Trumps Reaktion auf eine spöttische Bemerkung im Spy Magazine, in auf die er am 4. März 2011 in einem Interview mit der Promiseite "Page Six" der New York Post antwortete.

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Frage 8/17:

"Wir können keinen Leuten trauen, die solch schlechtes Essen haben."

Nein – diese Aussage über die Briten machte Frankreichs Präsident Jacques Chirac am Rande des Treffens mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und Russlands Präsident Wladimir Putin in Kaliningrad am 3. Juli 2005.

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Frage 9/17:

"Ich habe ein gewinnendes Naturell. Ich weiß zu gewinnen."

Ja – das sagte Trump beim ersten TV-Duell gegen Hillary Clinton am 27. September 2016.

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© dpa

Frage 10/17:

"Du kommst nie bis zum Gesicht, weil der Body so gut ist."

Ja – das sagte Donald Trump über das Äußere von Paris Hilton in der "Howard Stern Show" am 7. Januar 2004.

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© Screenshot

Frage 11/17:

"Lerne immer von den Fehlern anderer, nicht von deinen eigenen – das ist der viel billigere Weg."

Ja – das ist ein Trump-Tweet vom 23. Dezember 2013.

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© David Giesbrecht/AP/dpa

Frage 12/17:

"Für die von uns, die es bis an die Spitze der Nahrungskette schaffen, darf es keine Gnade geben."

Nein – dieser Satz stammt von Frank Underwood aus der Netflix-Serie "House of Cards".

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Frage 13/17:

"Wenn dich jemand angreift, zögere nicht. Ziele auf die Halsschlagader. Schlage massiv zurück!"

Ja – diesen Rat gibt Trump in einem 16 Seiten langen Kapitel über Rache in seinem Buch "Think Big And Kick Ass".

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Frage 14/17:

"Sich zu entschuldigen ist eine großartige Sache. Allerdings musst du dafür unrecht haben."

Ja – das hat Trump gesagt im Gespräch mit Jimmy Fallon in dessen "Tonight Show" am 12. September 2015.

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© Twentieth Century Fox Film Corporation 2007

Frage 15/17:

"Um beliebt zu sein, muss man nett sein, jeden Tag. Um gehasst zu werden, muss man gar nichts tun."

Nein – das sagt Homer Simpson in der Serie "Die Simpsons".

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© Brendan Smialowski/AFP/Getty Images

Frage 16/17:

"Schwarze Typen zählen mein Geld. Ich hasse das."

Ja – so wird Trump zitiert in USA Today vom 20. Mai 1991. Das Foto zeigt Trump am 27. Februar 2017 bei einem Treffen im Oval Office mit Repräsentanten von Universitäten mit überwiegend schwarzer Studierendenschaft.

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© John Taggart / Pool/BLOOMBERG POOL/dpa

Frage 17/17:

"Ich habe Ideen, die die menschliche Existenz in den nächsten 100 Jahren besser machen kann. Punkt."

Nein – das hat Rapper Kanye West gesagt in der Talkshow von Ellen DeGeneres am 19. Mai 2016. Hier geht es zu unserem Themenarchiv: Alles über Donald Trump

© NICHOLAS KAMM / AFP

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Trump beklagt unfaire Lastenverteilung

Viele Deutsche argumentieren ähnlich wie Macron, der der Nato nicht nur den "Hirntod" bescheinigt hat, sondern auch mehr europäische Eigenständigkeit bei der Verteidigung verlangt hatte. Die Europäer sollten sich künftig ohne Hilfe der Vereinigten Staaten vor Angriffen schützen, sagten 55 Prozent der Befragten in einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen-Presse-Agentur.

Das rüttelt jedoch an den Grundfesten des transatlantischen Bündnisses, denn die USA sind mit ihrem Atomarsenal traditionell Schutzmacht für Deutschland und andere europäische Staaten. Unter deutschen Bürgern ist auch der Wunsch nach mehr Nähe zu Russland stark. 54 Prozent der Befragten meinen, die Nato sollte wieder stärker auf Zusammenarbeit mit Russland statt auf militärische Abschreckung setzen.

Aus Sicht von Trump nützt die Nato den Europäern mehr als den USA. Trotz versöhnlicherer Töne beklagte der US-Präsident in London erneut die unfaire Lastenverteilung unter den Bündnispartnern und erneuerte seine Kritik an den Verteidigungsausgaben Deutschlands. Dabei nannte er jedoch Zahlen, die deutlich unter den Nato-Angaben liegen. Die USA zahlten 4,0 bis 4,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung, während Deutschland nur 1,0 bis 1,2 bei einem deutlich niedrigeren BIP ausgeben würde, sagte Trump. "Das ist nicht fair."

Deutschland gab nach der offiziellen Nato-Statistik in diesem Jahr 1,38 Prozent des BIP für Verteidigung aus und die USA 3,42 Prozent. Die Nato hat sich mindestens zwei Prozent jedes einzelnen Mitgliedstaats zum Ziel gesetzt. Die Bundesregierung will bis 2024 1,5 Prozent erreichen, 2014 waren es noch 1,2 Prozent. Merkel und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (beide CDU) haben sich zwar für zwei Prozent bis 2031 ausgesprochen, das ist aber noch keine Regierungsposition.

Trump betonte, dass selbst die zwei Prozent aus seiner Sicht zu wenig seien. "Die Zwei ist eine sehr niedrige Zahl, es sollten eigentlich vier (Prozent) sein", sagte er. Der US-Präsident fordert seit langem höhere Verteidigungsausgaben der europäischen Nato-Partner. Seine Kritik fiel diesmal aber moderater aus als bei früheren Auftritten.

"Ein sehr wichtiges Mitglied der Nato"

Die Nato hatte im Vorfeld des Gipfels große Zuwächse bei den Verteidigungsausgaben gemeldet, um die Gefahr eines Eklats zu bannen. Demnach werden sich die Mehrausgaben der europäischen Nato-Staaten und Kanadas von Anfang 2016 bis Ende 2020 auf 130 Milliarden US-Dollar (118 Mrd Euro) belaufen.

Offizieller Auftakt des Gipfels ist am Dienstagabend ein Empfang bei Königin Elizabeth II. (19.00 Uhr MEZ). Vorher soll es um den Streitpunkt der Allianz gehen, der auch Anlass für Macrons Kritik war: die nicht abgestimmte Syrien-Offensive des Nato-Partners Türkei. Merkel und Macron beraten darüber (16.00 Uhr MEZ) mit dem britischen Premier Boris Johnson und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Trump nahm die Türkei gegen Kritik in Schutz: "Ich mag die Türkei und komme sehr gut mit ihr zurecht." Das Land sei "ein sehr wichtiges Mitglied der Nato".

Streit gibt es mit der Türkei auch wegen des Kaufs eines russischen Raketenabwehrsystems. Trump äußerte auch dafür Verständnis - obwohl die US-Regierung befürchtet, dass Russland über das empfindliche Radar des Waffensystems an Daten über die Fähigkeiten des US-Kampfjets F-35 gelangen könnte. Die Türkei wurde deshalb aus dem Programm ausgeschlossen.

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Schimpfen, ätzen, diffamieren: So twittert Trump

Der 140-Zeichen-Präsident schlägt bekanntermaßen gern über die Stränge und macht Meinung mit seinem Twitter-Account. Dabei hat Donald Trump keinerlei Beißhemmungen, auch wenn präsidiale Zurückhaltung manchmal durchaus angebracht wäre. Wir haben seine ätzendsten Tweets gesammelt - ohne Anspruch auf Vollständigkeit.


dpa

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