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Türkei plant Abschiebungen von IS-Frauen nach Deutschland

Zwei Ehefrauen von IS-Kämpfern werden schon am Freitag zurückgeführt - 15.11.2019 08:52 Uhr

Angesichts geplanter EU-Sanktionen hat der türkische Präsident damit gedroht, mehr Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nach Europa zu schicken. © Uncredited/Pool Presidential Press Service/AP/dpa


Zwei Ehefrauen von Kämpfern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sollen am Freitag von der Türkei nach Deutschland abgeschoben werden. Dabei handelt es sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur um eine 1998 geborene Frau, der es gelungen war, aus dem von Kurden bewachten Gefangenenlager Al-Hol in Syrien zu fliehen. Sie saß den Angaben zufolge zuletzt in der türkischen Stadt Gaziantep in Abschiebungsgewahrsam. Nach bisheriger Planung soll am Freitag auch eine gebürtige Hannoveranerin ins Flugzeug gesetzt werden, der es gelungen war, sich aus dem syrischen Gefangenenlager Ain Issa in Richtung Türkei abzusetzen.


Türkei will acht deutsche IS-Kämpfer zurückschicken


Eine der Frauen, die am Freitag zurückkommt, sei schon länger ein Fall der Deradikalisierungs-Beratungsstelle Hayat, teilte Leiterin Claudia Dantschke auf Anfrage mit. Die Organisation berät zum Beispiel Menschen, deren Angehörige sich islamistisch radikalisieren, arbeitet nach eigenen Angaben auf der Webseite aber auch direkt mit Menschen, "die mit dem militanten Jihadismus brechen und gewalttätige Gruppen verlassen wollen".

Die Türkei hatte die Abschiebung mehrerer deutscher mutmaßlicher IS-Anhänger in dieser Woche angekündigt. Am Donnerstag war bereits eine siebenköpfige deutsch-irakische Familie abgeschoben worden. Sie landete am Berliner Flughafen Tegel und wird dem salafistischen Milieu in Hildesheim zugerechnet. Das türkische Innenministerium bezeichnete sie als "ausländische Terroristenkämpfer". Haftbefehle wegen islamistischer Umtriebe liegen gegen die Familienmitglieder in Deutschland nicht vor. Allerdings droht dem Vater womöglich wegen anderer krimineller Machenschaften Strafverfolgung.

Bundespolizei wollte Einreisekontrollen vornehmen

Nach der Landung sollte die Familie nach Angaben aus Sicherheitskreisen Vertreter mehrerer Behörden treffen und auch befragt werden. Wie es danach weitergeht, war zunächst offen. Die Bundespolizei wollte Einreisekontrollen vornehmen und etwa prüfen, ob die Familie gültige Papiere hat.

Die Türkei war Anfang Oktober in Nordsyrien einmarschiert und geht gegen die Kurdenmiliz YPG vor. Die von der YPG geführten Syrischen Demokratischen Kräfte SDF bewachen in Nordsyrien immer noch Tausende IS-Gefangene. Nach Angaben pro-kurdischer Medienaktivisten hat die SDF trotz des türkischen Einmarsches noch die Kontrolle über alle IS-Gefangenenlager, mit Ausnahme von Ain Issa.

Die türkische Seite hatte diese Woche auch ein Interesse an einer raschen Abschiebung von zwei deutschen Konvertitinnen bekundet, die sich dem IS angeschlossen haben sollen. Einen konkreten Termin für die Rückführung der beiden Frauen, eine Hamburgerin mit zwei Kindern und eine Frau mit drei Kindern aus Rheinland-Pfalz, gibt es allerdings nach dpa-Informationen bislang nicht.

Der türkische Innenminister Süleyman Soylu hatte die Heimatländer mutmaßlicher IS-Anhänger am Mittwoch dazu aufgefordert, ihre Staatsbürger zurückzunehmen. Russland hatte am Donnerstag deutlich gemacht, dass es ohne vorherige Überprüfung keine russischen IS-Anhänger aus der Türkei aufnehmen will.

dpa

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