10°

Freitag, 15.11.2019

|

zum Thema

Umdenken eingesetzt? ADAC bewegt sich beim Tempolimit

Automobilclub gibt klare Ablehnung auf und weist auf Emissionsminderungen hin - 22.10.2019 05:53 Uhr

Nahm früher jemand das Wort "Tempolimit" in den Mund – der ADAC war der Erste, der sich dagegen wehrte. Die Zeiten ändern sich. © dpa/Jens Büttner


Die Tempolimit-Gegner haben den ADAC als gewichtigen Fürsprecher verloren. Der mit mehr als 20 Millionen Mitgliedern weitaus größte deutsche Autoklub vermied auf Anfrage der Nürnberger Zeitung am Montag eine Aussage gegen eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen. Stattdessen wies er unter Berufung auf das Umweltbundesamt explizit auf die möglichen Emissionsminderungen hin.

45 Prozent der ADAC-Mitglieder für ein Limit

Die Bevölkerung ist in dieser Frage gespalten, ebenso wie die ADAC-Mitglieder. Allgemeine Umfragen ergaben zuletzt eine Mehrheit für ein Tempolimit, während die Grünen im Bundestag am vergangenen Donnerstag mit dem Antrag scheiterten, auf deutschen Autobahnen generell nicht mehr als 130 Kilometer pro Stunde zu erlauben. Gegen den Antrag stimmten 498, dafür 126 Abgeordnete; die Koalition verfügt über 398 Stimmen. Einige SPD-Mitglieder enthielten sich der Stimme.


Dauerstreit ums Tempolimit: Der deutsche Glaubenskrieg


Unter den Mitgliedern des ADAC ist die Mehrheit gegen das Tempolimit wesentlich knapper als im Bundestag. Seine Sprecherin verwies am Montag auf eine Umfrage, derzufolge sich 45 Prozent der Mitglieder für und 50 Prozent gegen ein Tempolimit ausgesprochen haben. Demnach würde der Klub mit einer ausdrücklichen Unterstützung der einen oder anderen Seite nicht mehr wirklich "aus der Sicht unserer Mitglieder", so das Credo im Internet, argumentieren.

Bilderstrecke zum Thema

Ein Tempolimit auf Autobahnen? Wir haben uns in Nürnberg umgehört

Diese Frage spaltet das Land: Soll es eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen geben oder nicht? Während sich die Verkehrskommission unter anderem für eine Begrenzung auf 130 Stundenkilometern ausspricht, seien für Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) solche Forderungen "gegen jeden Menschenverstand gerichtet". Doch wie sehen das eigentlich die Bürgerinnen und Bürger? Wir haben uns in Nürnbergs Innenstadt umgehört.


Stattdessen nimmt er nun den Klimaschutzgedanken auf: "Mit Blick auf einen möglichen Effekt für den Klimaschutz kommt der ADAC zu dem Ergebnis, dass bei einem Tempolimit von 130 km/h für die Pkw-Flotte des Jahres 2019 Einsparungen in der Größenordnung von bis zu zwei Millionen Tonnen CO2 pro Jahr möglich sind. Dies sind bis zu zwei Prozent der CO2-Emissionen des Pkw-Verkehrs", erklärte eine ADAC-Sprecherin in München. Zugleich gab sie aber zu bedenken, "dass sich im Autobahnnetz das Unfallgeschehen auf Strecken ohne Tempolimit nicht von jenem mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung unterscheidet".

 

 

 

Moderate statt markige Worten

In jedem Fall sei ein Tempolimit "auf Strecken sinnvoll, auf denen es zu überdurchschnittlich vielen oder schweren Unfällen kommt", so die Sprecherin. Sie verwies im Übrigen darauf, dass auf rund 70 Prozent der deutschen Autobahnen aktuell kein Tempolimit bestehe, rund 30 Prozent seien dauerhaft oder temporär geschwindigkeitsbeschränkt. Dazu kämen noch die Baustellen.

Noch Ende März hatte der ADAC selbst seinen Präsidenten August Markl mit "einer klaren Absage" an ein Tempolimit zitiert: "Ein generelles Tempolimit würde weder die Verkehrssicherheit verbessern noch zum Umweltschutz beitragen." Inzwischen hat der Klub aber seinen Internetauftritt entsprechend geändert.

Thomas Rietig E-Mail

41

41 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Politik