SPD stellte Kabinettsliste vor

Und er wird es doch! Karl Lauterbach künftiger Gesundheitsminister

SamSon: Harald Baumer
Harald Baumer

Berlin-Korrespondent der NN

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6.12.2021, 13:03 Uhr
Karl Lauterbach (links, SPD), designierter Bundesminister für Gesundheit, winkt bei der Vorstellung der SPD-Minister und -Ministerinnen.

Karl Lauterbach (links, SPD), designierter Bundesminister für Gesundheit, winkt bei der Vorstellung der SPD-Minister und -Ministerinnen. © Michael Kappeler, dpa

Um kurz nach neun Uhr kamen sie im Gefolge von Olaf Scholz um die Ecke und betraten die Bühne des Williy-Brandt-Hauses: vier Frauen und drei Männer, die ab Mittwoch als Ministerinnen und Minister der SPD im Kabinett sitzen werden. In dem Moment, als unter den sieben Personen ein schlaksiger Mann mit Nickelbrille zu sehen war, war schon mal eines klar. Karl Lauterbach würde als neuer Bundesgesundheitsminister vorgestellt werden.

Kurz vor der Pressekonferenz hatte das SPD-Präsidium einstimmig der Wunschliste des künftigen Bundeskanzlers zugestimmt, wie Vorsitzende Saskia Esken mitteilte. Olaf Scholz legte Wert darauf, dass in seiner Regierung die Ressorts unter den Geschlechtern paritätisch aufgeteilt worden seien. Insgesamt werden es 16 Ministerien sein - acht Frauen und acht Männer. Der Kanzler selbst ist dabei allerdings nicht eingerechnet. Wir stellen die künftigen Regierungsmitglieder vor.

Nancy Faeser

Nancy Faeser © ODD ANDERSEN, AFP

Inneres: Lange Zeit hatte die geschäftsführende Justizministerin Christine Lambrecht als quasi sichere Besetzung für diesen Posten gegolten. Doch nun wird es die hessische SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Nancy Faeser (51). Bundesweit ist sie kaum bekannt, in ihrer Heimat ist sie immerhin seit über zwei Jahren Oppositionsführerin. Vor allem qualifiziert sich die Juristin dadurch, dass sie rund zehn Jahre innenpolitische Sprecherin im Landtag war. Als wichtige Aufgaben nannte sie jetzt eine bessere Ausstattung der Polizei und die Bekämpfung des Rechtsextremismus. Faeser wird die erste Bundesinnenministerin in der deutschen Geschichte sein.

Christine Lambrecht

Christine Lambrecht © Michael Kappeler, dpa

Verteidigung: Nachdem die SPD in den vergangenen Jahren so gut wie all ihre Expert(inn)en für Verteidigungspolitik verloren hat, war die Not groß. Olaf Scholz entschied sich für die sicherste Variante und wählte eine erfahrene Politikerin und Ministerin: Christine Lambrecht (56). Dafür nahm er in Kauf, gleich die zweite Hessin mit einem wichtigen Ressort zu betrauen und andere Landesverbände wie Bayern und Baden-Württemberg leer ausgehen zu lassen. Lambrecht will unter anderem die Auslandseinsätze der Bundewehr stärker hinterfragen und frühzeitig Ausstiegstrategien entwickeln.

Karl Lauterbach

Karl Lauterbach © Florian Gaertner/photothek.de via www.imago-images.de, imago images/photothek

Gesundheit: "Er wird es!", verkündete Olaf Scholz mit einem Lächeln. In der SPD-Führung hatte es erhebliche Bedenken darüber gegeben, ob der Arzt und Professor für Gesundheitsökonomie als Minister geeignet sei. Zwar hat niemand Zweifel an seinen Fachkenntnissen, aber Karl Lauterbach (58) gilt in der Fraktion als Einzelgänger, dessen Sinn für Teamarbeit nicht besonders ausgeprägt ist. Doch der öffentliche Druck war so groß geworden, dass die Sozialdemokraten ihren Talkshow-Star schlicht nicht übergehen konnten. "Die meisten Bürger" hätten sich ihn gewünscht, gestand Olaf Scholz. Lauterbach versprach: "Mit mir wird es keine Leistungskürzungen im Gesundheitswesen gegeben."

Klara Geywitz

Klara Geywitz © Florian Gaertner/photothek.de via www.imago-images.de, imago images/photothek

Wohnen: Auch dieses Ressort ist angesichts der Wohnraumnot in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit sehr wichtig. Die Ampel-Koalition hat versprochen, dass rund 400.000 neue Wohnungen entstehen sollen. Verantwortlich dafür wird die Brandenburgerin Klara Geywitz (45) sein. Sie ist die einzige Ostdeutsche in der SPD-Ministerriege. Vor zwei Jahren hatte sie im Duo mit Olaf Scholz erfolglos um den Parteivorsitz gekämpft. Mit Bauen hatte sie bisher nicht allzu viel zu tun. Ganz oben auf ihrer Liste, so verriet sie, stehe neben dem Schaffen von Wohnraum die Sicherheit für Mieterinnen und Mieter, in ihren Wohnungen bleiben zu können.

Hubertus Heil

Hubertus Heil © Florian Gaertner/photothek.de via www.imago-images.de, imago images/photothek

Arbeit: Die erneute Berufung von Hubertus Heil (49) aus Niedersachsen war von Anfang an klar gewesen. Der Politikwissenschaftler und Soziologe hatte in der vergangenen Legislaturperiode aus sozialdemokratischer Arbeitsminister "geliefert", etwa bei der Grundrente und beim Kurzarbeitergeld in den Zeiten der Pandemie. Olaf Scholz bezeichnete Hubertus Heil als ein erfahrenes "Schlachtross" seiner Partei, was für Gelächter in der Pressekonferenz sorgte.

Svenja Schulze

Svenja Schulze © Florian Gaertner/photothek.de via www.imago-images.de, imago images/photothek

Entwicklung: Hier hatte sich nicht unbedingt eine Politikerin oder ein Politiker aus der SPD aufgedrängt. Seit 2009 war das Ministerium von FDP und CSU besetzt worden. Nun wechselt die bisherige Umweltministerin Svenja Schulze (53) in dieses Ressort. Sie erinnerte an sehr bekannte Genossinnen und Genossen, die in der Vergangenheit dafür zuständig gewesen seien - etwa Erhard Eppler, Egon Bahr und Marie Schlei. Schulze stammt aus NRW.

Wolfgang Schmidt

Wolfgang Schmidt © ODD ANDERSEN, AFP

Kanzleramt: Der Posten hat keine große Außen-, dafür aber eine umso größere Innenwirkung. Amtsinhaber Wolfgang Schmidt (51) ist seit vielen Jahren immer in verantwortlicher Position für Olaf Scholz tätig, zuletzt als Staatssekretär. Künftig koordiniert er die Arbeit der Ministerien und ist Krisenmanager seines Chefs.

Am Mittwoch soll im Bundestag der neue Regierungschef gewählt werden. Anschließend werden die Ministerinnen und Minister ernannt.

In der Regel ziehen die neuen Ressortchefs schon kurz nach Empfang der Ernennungsurkunde in ihre Ministerien ein. Es soll möglichst wenig Zeit verstreichen, bis die die Regierung ihre Arbeit aufnehmen kann.