Unfälle, Klima, Stau: Fakten rund ums Tempolimit

15.4.2021, 12:12 Uhr
Gegner und Befürworter stehen sich bei dieser Frage unversöhnlich und emotional aufgeladen gegenüber. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap 2020, die von der Südwestrundfunk (SWR) beauftragt wurde, ergab folgendes Bild: 59 Prozent der rund 1000 Befragten waren für ein Tempolimit auf Autobahnen, 39 Prozent dagegen, zwei Prozent war unentschlossen.
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Sind die Deutschen für ein Tempolimit?

Gegner und Befürworter stehen sich bei dieser Frage unversöhnlich und emotional aufgeladen gegenüber. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap 2020, die von der Südwestrundfunk (SWR) beauftragt wurde, ergab folgendes Bild: 59 Prozent der rund 1000 Befragten waren für ein Tempolimit auf Autobahnen, 39 Prozent dagegen, zwei Prozent war unentschlossen. © Jens Büttner, dpa

Genauso wie die Teilnehmer der Infratest Dimap Befragung sind die meisten ADAC-Mitglieder laut der 2020 durchgeführten Umfrage auch für ein Tempolimit. Allerdings sind 46 Prozent dagegen und sieben Prozent unentschlossen.
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Sind die Deutschen für ein Tempolimit?

Genauso wie die Teilnehmer der Infratest Dimap Befragung sind die meisten ADAC-Mitglieder laut der 2020 durchgeführten Umfrage auch für ein Tempolimit. Allerdings sind 46 Prozent dagegen und sieben Prozent unentschlossen. © Soeren Stache, dpa

In der Umfrage des Infratest Dimap Instituts sprachen sich Frauen eher für ein Tempolimit aus, während Männer eher gegen die Einführung einer Geschwindigkeitsbegrenzung waren.

 
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Wer ist dafür, wer dagegen?

In der Umfrage des Infratest Dimap Instituts sprachen sich Frauen eher für ein Tempolimit aus, während Männer eher gegen die Einführung einer Geschwindigkeitsbegrenzung waren.   © Jens Büttner, dpa

Fast ein Drittel der Autofahrerinnen und Autofahrer in Deutschland (32 Prozent) lassen sich beim Überholen durch Raser und Drängler auf der Autobahn verunsichern. Dies ergab eine repräsentative Befragung von knapp 2000 Personen, die im Auftrag des DVR im April 2018 durchgeführt wurde. 15 Prozent antworteten, dass sie vor Fahrern und Fahrerinnen, die schneller als die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h fahren, Angst haben. 59 Prozent bleiben mit Blick auf den rückwärtigen Verkehr entspannt.
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Hohe Geschwindigkeit macht Angst

Fast ein Drittel der Autofahrerinnen und Autofahrer in Deutschland (32 Prozent) lassen sich beim Überholen durch Raser und Drängler auf der Autobahn verunsichern. Dies ergab eine repräsentative Befragung von knapp 2000 Personen, die im Auftrag des DVR im April 2018 durchgeführt wurde. 15 Prozent antworteten, dass sie vor Fahrern und Fahrerinnen, die schneller als die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h fahren, Angst haben. 59 Prozent bleiben mit Blick auf den rückwärtigen Verkehr entspannt. © Marcus Führer, dpa

Laut ADAC sind derzeit rund 30 Prozent des deutschen Autobahnnetzes dauerhaft oder zeitweise geschwindigkeitsbeschränkt, dazu kommen Einschränkungen wie Baustellen.
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Wo gibt es schon Beschränkungen?

Laut ADAC sind derzeit rund 30 Prozent des deutschen Autobahnnetzes dauerhaft oder zeitweise geschwindigkeitsbeschränkt, dazu kommen Einschränkungen wie Baustellen. © Marius Becker, dpa

Weltweit gibt es kaum Länder ohne Tempolimit (genannt werden gerne Afghanistan oder Nepal), in Europa ist Deutschland das einzige Land ohne Tempolimit auf Autobahnen. In manchen Nachbarstaaten gelten sogar nochmals geringere Tempolimits für Fahranfänger, zum Beispiel in Frankreich, Italien oder Kroatien.
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Wie sieht es in anderen Ländern aus?

Weltweit gibt es kaum Länder ohne Tempolimit (genannt werden gerne Afghanistan oder Nepal), in Europa ist Deutschland das einzige Land ohne Tempolimit auf Autobahnen. In manchen Nachbarstaaten gelten sogar nochmals geringere Tempolimits für Fahranfänger, zum Beispiel in Frankreich, Italien oder Kroatien. © AFP

Laut statistischem Bundesamt sind im Jahr 2019 bei Unfällen auf deutschen Autobahnen 356 Menschen ums Leben gekommen - 68 weniger als letztes Jahr.
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Welchen Einfluss hat die Geschwindigkeit auf Unfallzahlen?

Laut statistischem Bundesamt sind im Jahr 2019 bei Unfällen auf deutschen Autobahnen 356 Menschen ums Leben gekommen - 68 weniger als letztes Jahr. © Rene Engmann, dpa

Zu schnelles Fahren erhöht die Gefahr immens: Auf Abschnitten ohne Tempolimit war unangepasste Geschwindigkeit bei 45 Prozent der Verkehrstoten eine Unfallursache, bei Streckenabschnitten mit Geschwindigkeitsbegrenzung bei 50 Prozent der tödlich Verunglückten.
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Unangepasste Geschwindigkeit - eine Gefahr

Zu schnelles Fahren erhöht die Gefahr immens: Auf Abschnitten ohne Tempolimit war unangepasste Geschwindigkeit bei 45 Prozent der Verkehrstoten eine Unfallursache, bei Streckenabschnitten mit Geschwindigkeitsbegrenzung bei 50 Prozent der tödlich Verunglückten. © Frank Rumpenhorst, dpa

Ein Recherche-Team von Spiegel Online berechnete 2019, dass ein Tempolimit jedes Jahr 140 Tote verhindern könnte. Andere Berechnungen gehen eher von 80 bis 100 Menschen aus, die zusätzlich überleben würden.
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Kann ein Tempolimit Tote verhindern?

Ein Recherche-Team von Spiegel Online berechnete 2019, dass ein Tempolimit jedes Jahr 140 Tote verhindern könnte. Andere Berechnungen gehen eher von 80 bis 100 Menschen aus, die zusätzlich überleben würden. © e-arc-tmp_20190327-145000-006.jpg, NN

Nein, am gefährlichsten sind Landstraßen. Hier gibt es keinen abgetrennten Gegenverkehr, kurvigere Strecken als auf Autobahnen und Kreuzungen, die die Unfallgefahr erhöhen.
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Sind Autobahnen am gefährlichsten?

Nein, am gefährlichsten sind Landstraßen. Hier gibt es keinen abgetrennten Gegenverkehr, kurvigere Strecken als auf Autobahnen und Kreuzungen, die die Unfallgefahr erhöhen. © Nicolas Armer, dpa

Laut Deutschem Verkehrssicherheitsrates kamen 2018 innerorts fünf Getötete auf 1000 Unfälle mit Personenschaden. Der entsprechende Wert für Autobahnen lag bei 21 und für die Landstraßen sogar bei 25 Todesopfern. Die gute Nachricht: Laut des Statistischen Bundesamts ist die Zahl der Getöteten im Straßenverkehr 2019 auf einem Rekordtief.
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Sind Autobahnen am gefährlichsten?

Laut Deutschem Verkehrssicherheitsrates kamen 2018 innerorts fünf Getötete auf 1000 Unfälle mit Personenschaden. Der entsprechende Wert für Autobahnen lag bei 21 und für die Landstraßen sogar bei 25 Todesopfern. Die gute Nachricht: Laut des Statistischen Bundesamts ist die Zahl der Getöteten im Straßenverkehr 2019 auf einem Rekordtief. © Alexander Auer, dpa

Die eine, sichere Berechnung gibt es nicht. Die meisten Studien gehen bei einem Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen von einer Einsparung von zwei bis vier Millionen Tonnen CO2 pro Jahr aus. Bei Tempo 120 wäre der Effekt laut Umweltbundesamt etwa doppelt so hoch wie bei Tempo 130.
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Was bringt ein Tempolimit fürs Klima?

Die eine, sichere Berechnung gibt es nicht. Die meisten Studien gehen bei einem Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen von einer Einsparung von zwei bis vier Millionen Tonnen CO2 pro Jahr aus. Bei Tempo 120 wäre der Effekt laut Umweltbundesamt etwa doppelt so hoch wie bei Tempo 130. © Patrick Pleul, dpa

In der Diskussion ist der sogenannte Down-Sizing-Effekt – derzeit werden Autos so konstruiert, dass sie für deutsche Autobahnen tauglich sind. Zukünftig könnten leichtere und sparsamere Autos ausreichen.  Einen Effekt könnte ein Tempolimit auch auf die Häufigkeit von Staus haben – wegen eines harmonisierteren Verkehrsflusses und weniger Unfälle. Und in die Zukunft gedacht: soll das autonome Fahren kommen, sind zu große Geschwindigkeitsunterschiede zwischen Fahrzeugen sicherheitstechnisch kaum zu bewältigen.
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Welche Effekte hätte ein Tempolimit noch?

In der Diskussion ist der sogenannte Down-Sizing-Effekt – derzeit werden Autos so konstruiert, dass sie für deutsche Autobahnen tauglich sind. Zukünftig könnten leichtere und sparsamere Autos ausreichen. Einen Effekt könnte ein Tempolimit auch auf die Häufigkeit von Staus haben – wegen eines harmonisierteren Verkehrsflusses und weniger Unfälle. Und in die Zukunft gedacht: soll das autonome Fahren kommen, sind zu große Geschwindigkeitsunterschiede zwischen Fahrzeugen sicherheitstechnisch kaum zu bewältigen. © Andreas Arnold, dpa