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Vertrauen verspielt: Ankündigungsminister Spahn sollte liefern

Der Ressortchef hat aus früheren Fehlern zu wenig gelernt - 24.02.2021 18:02 Uhr

Kommen erst später: die Schnelltests, die Jens Spahn angekündigt hat.

22.02.2021 © Friedrich Stark, epd


Wir alle sehnen uns nach einem Ende dieser Pandemie. Oder, realitätsnaher, danach, dass die Infektionsrate auf ein Niveau sinkt, das ein Ende des Ausnahmezustands erlaubt. Und wir setzen daher unsere Hoffnung auf alles, was uns diesem Ziel näherbringt - Impfungen, Schnell- oder Selbsttests zum Beispiel.


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Wer allerdings vorschnell und teils fahrlässig Hoffnungen weckt, der handelt letztlich verantwortungslos. Jens Spahn hat dies nun schon des Öfteren getan; er agiert mehr als Ankündigungs- denn als Gesundheitsminister. Er verspricht jene Fortschritte, die sich alle wünschen - und muss dann zurückrudern.

Erst die Impfkampagne, nun die Tests

Das war so bei der Impfkampagne. Da pfiff ihn Kanzlerin Angela Merkel zurück, als sie die Beschaffung des Impfstoffs zur EU-Aufgabe machte. Und das war nun bei den Schnell- und Selbsttests ähnlich. Da stolperte Spahn allerdings über seine eigene Voreiligkeit: Ab 1. März wird es allenfalls in Ausnahmen, aber keinesfalls flächendeckend und womöglich auch noch kostenlos (wie Spahn es angekündigt hatte) diese Tests geben.


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Das ist gefährlich und riskant. Für Spahn selbst wie für die gesamte Regierung und die Politik. Auch Markus Söder verheddert sich gelegentlich in all seinen Ankündigungen - erinnert sei an das Anfangs-Chaos nach seinem Vorpreschen mit der FFP2-Maskenpflicht. Es sind solche unnötigen Pannen, die das ohnehin leicht bröckelnde Vertrauen in die Corona-Maßnahmen weiter sinken lassen.

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"Werden viel verzeihen müssen"

"Wir werden in ein paar Monaten einander wahrscheinlich viel verzeihen müssen", sagte Jens Spahn zu Beginn der Pandemie. Inzwischen wirkt der Satz, als habe er da vorausschauend in eigener Sache gesprochen. Es ist allerdings schwer verzeihlich, was er sich an Schnitzern leistet. Eine Nachfrage, ob das mit den Tests tatsächlich so flott geht, hätte ihn vorsichtig werden lassen müssen - aber da überwog womöglich die Hoffnung auf positive Schlagzeilen.

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Die macht er sich selbst kaputt durch seine unausgegorenen Alleingänge. Die neuen Tests sind extrem wichtig für eine schrittweise Rückkehr in ein Stück Normalität, sie ermöglichen eine Abkehr vom generellen zum individuellen, zeitlich und örtlich begrenzen Lockdown. Sie erlauben wahrscheinlich die Teilnahme an Veranstaltungen oder Reisen.

So erhöht man ohne Not die Gereiztheit der Bürger

Aber: Sie müssen sauber organisiert und zum Laufen gebracht werden. Mit präzisen Fahrplänen und optimaler Logistik. Daran mangelt es zum wiederholten Male, nicht nur bei Jens Spahn. Und solche Schludrigkeiten erhöhen die Gereiztheit vieler Menschen ohne jede Not.

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