Verhaltene Erleichterung

Von wegen Party: So reagierte die CSU in München auf die Wahlprognosen

Ralf Müller

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26.9.2021, 19:48 Uhr
Jubel für ein CSU-Ergebnis, das so mies ist wie es seit 60 Jahren nicht war und das noch einmal um rund sechs Prozent unter dem bei der letzten Bundestagswahl liegt.

Jubel für ein CSU-Ergebnis, das so mies ist wie es seit 60 Jahren nicht war und das noch einmal um rund sechs Prozent unter dem bei der letzten Bundestagswahl liegt. © Sven Hoppe, dpa

CSU-Promis waren im Franz-Josef-Strauß-Haus so gut wie nicht im Sicht, lediglich ein Trupp Jungunionisten sorgte für ein bisschen Jubel, als die Prognose für das CSU-Wahlergebnis in Bayern bekannt gegeben wurde: 32,8 Prozent nach der ersten Hochrechnung.

Jubel für ein CSU-Ergebnis, das so mies ist wie es seit 60 Jahren nicht war und das noch einmal um rund sechs Prozent unter dem bei der letzten Bundestagswahl liegt. In noch nicht allzu ferner Zeit hätte die Christsozialen ihre Parteiführung bei einem solchen Resultat unverzüglich "geköpft", wie das Ex-CSU-Chef Horst Seehofer vorgeschlagen hatte.

Doch heute ist die Lage gänzlich anders. Die CSU verstand es schon immer, Fehlschläge als Erfolge zu feiern. Das CSU-Ergebnis liege um 8,5 Prozentpunkte über dem der Union im Bund, beeilte sich Spitzenkandidat Alexander Dobrindt in Berlin festzuhalten: Sicherlich "das beste Ergebnis einer Unionspartei in Deutschland". Die von Parteichef vorhergesagte Distanz von etwa acht Prozent zwischen CSU- und Unionsergebnis hat sich bewahrheitet.

"Jetzt ist das Fotofinish da"

CSU-Generalsekretär Markus Blume, war zunächst der einzig sprechbereite CSU-Spitzenmann am Münchener Wahlabend, da Dobrindt und Parteichef Markus Söder in Berlin zugange waren - auch ein Novum an einem Bundestagswahlabend der Christsozialen. 33 Prozent sei besser als die Befürchtungen, sagte Blume erleichtert. Der CSU-General wertete es als Erfolg der Anti-Linksrutsch Kampagne, dass ein rot-grün-rotes Linksbündnis zumindest nach den ersten Hochrechnungen wohl nicht möglich sei, sondern vielmehr eine "bürgerliche Koalition".

Auf die Frage nach einem rot-schwarzen Bündnis unter Führung der SPD zuckte Blume zurück. Da wolle man doch erst mal das Endergebnis abwarten. Es zeige sich, wie recht die CSU mit ihrer Voraussage für ein "Wimpernschlagergebnis" gehabt habe, hob Blume hervor: "Jetzt ist das Fotofinish da."

Söder erleichtert über 30 Prozent plus X

Obwohl der CSU eine schmähliche Zwei vor dem Wahlergebnis erspart blieb, waren die Erwartungen doch sehr gedämpft. CSU-Führungspersonal, auch das aus der zweiten und dritten Reihe, blieben zuhause und der einzige gesichtete CSU-Minister, Bayerns Staatskanzleichef Florian Herrmann, überließ das Reden dem Generalsekretär. Offenbar war Funkstille verordnet bis Parteichef Söder in Berlin vor die Kameras trat. "Unser Ergebnis in Bayern gefällt uns nicht", räumte Söder ein und schob gleich das erwartete Aber nach: Aber seine Partei habe einen "substantieller Beitrag" für das Unionsergebnis im Bund geliefert. Söder zeigte sich deutlich erleichtert, in Bayern mehr als 30 Prozent und bundesweit mehr als fünf Prozent erreicht zu haben. Das sei "psychologisch wichtig".

Im Übrigen tat der CSU-Chef so, als wäre die Union stärkste Kraft geworden, was zu diesem Zeitpunkt noch nicht der Fall war und sprach von einem "Gestaltungsauftrag für die Union."

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