Bundeskongress

Wahl in Erlangen: Franziska Brandmann führt die Jungen Liberalen

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Martin Damerow

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13.11.2021, 16:38 Uhr
Die 27 Jahre alte Politik-Wissenschaftlerin Franziska Brandmann aus Nordrhein-Westfalen wurde in Erlangen zur neuen Bundesvorsitzenden der Jungen Liberalen gewählt. 

Die 27 Jahre alte Politik-Wissenschaftlerin Franziska Brandmann aus Nordrhein-Westfalen wurde in Erlangen zur neuen Bundesvorsitzenden der Jungen Liberalen gewählt.  © Marvin A. Ruder, dpa

Franziska Brandmann (27) muss in mächtig große Fußstapfen treten. Seit diesem Samstag ist sie die neue Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen. Das Echo des dreiminütigen Applauses für ihren scheidenden Vorgänger Jens Teutrine dürfte ihr noch länger in den Ohren hallen, er hat nach Aufassung aller Anwesenden in der brechend vollen Heinrich-Lades-Halle einen prima Job gemacht.

Abrechnung mit der Bundesregierung

Der 28-jährige Bielefelder, der im September den Sprung in den Bundestag geschafft hat und sich somit nicht zur Wiederwahl stellt, tat zum Abschluss seiner Amtszeit das, was er am besten kann: reden wie ein Maschinengewehr. Das fing an mit etwas Presseschelte (die JuLis fühlen sich fast schon traditionell von den Medien missverstanden), führte über eine Abrechnung mit der wechselhaften und in den Augen der JuLis wenig erfolgreichen Corona-Politik der Bundesregierung hin zum Klimaschutz-Programm seiner Partei und endete mit einer Fundamental-Kritik an der verpassten Digitalisierung.

Bildungspolitik war in seiner einjährigen Amtszeit stets eines seiner Hauptanliegen, und da hat Teutrine durchaus Ansätze, bei denen ein Hinhören lohnt. "Digitalisierung heißt doch nicht, dass wir die Inhalte, die früher auf der Tafel standen, jetzt auf ein pdf in der Schul-Cloud verbannen – Digitalisierung bedeutet vielmehr eine Revolution des gesamten Bildungssystems", ruft er den Delegierten entgegen und erntet tosenden Applaus.

Zwei Stunden später knüpft seine Nachfolgerin ebendort an und steht Teutrine in puncto Präsenz und Authentizität in nichts nach. Vor ihrer Wahl zur neuen Bundesvorsitzenden hält Franziska Brandmann eine fulminante Rede und benennt ihr politisches Credo: "Ich will für die Freiheit anderer eintreten." Diese Freiheit kann laut der Politikwissenschaftlerin ganz unterschiedliche Formen annehmen. Für die einen bedeute Freiheit, in einer gleichgeschlechtlichen Ehe gemeinsam ein Kind großziehen zu können. Für todkranke Menschen könne es die Freiheit für ein selbstbestimmtes Sterben sein. Und für eine andere Gruppe stehe Freiheit dafür, mit 160 km/h über eine Autobahn fahren zu dürfen.

Brandmann damit als Gegnerin eines Tempolimits abzustempeln, wäre indes viel zu kurz gesprungen. Wer ihr zuhört erkennt, dass es ihr Herzenswunsch ist, den liberalen Grundgedanken in alle Politikfelder hineinzutragen. Dass die FDP immer noch häufig als "Partei der Besserverdiener" abgestempelt wird, stört sie mächtig – besonders mit Blick auf das Ergebnis der Bundestagswahl, bei der die Freien Demokraten besonders bei Jung- und Erstwählern punkten konnten. "Wer hat denn die FDP gewählt?", ruft Brandmann in die Halle und gibt die Antwort gleich selbst: "Das waren nicht die, die schon viel haben, sondern die, die noch viel erreichen wollen."

Glückwünsche mit Maske und Ghettofaust

Das Ergebnis, das sie als einzige Kandidatin einfährt, zeigt, wie sehr die erstarkten Jungen Liberalen hinter ihr stehen: Von 197 Stimmen entfallen 182 auf die 27-Jährige, das sind rund 92 Prozent. Glückwünsche gab es auf Bitten der Sitzungsleitung nur mit Maske und Ghettofaust, dazu stehende Ovationen und einen Technobeat aus den Lautsprechern. Das Motto, welches Brandmann für ihre Arbeit bei den JuLis ausgibt, klingt kämpferisch: "Unsere Gesellschaft ist offener und diverser geworden. Es wird Zeit, dass diese Erkenntnis in der Bundespolitik ankommt."

Zu ihrem Stellvertreter wurde Constantin Borges (26) gewählt, der dieses Amt schon unter Teutrine innehatte. Bequemer und pflegeleichter, darauf kann sich Parteichef Christian Linder jetzt schon einstellen, wird die Jugendorganisation der Liberalen unter der neuen Führung sicher nicht.

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