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Wahlsieger Johnson: Erfolg mit großem Schönheitsfehler

Wie der Premier die Auflösung des UK unbeabsichtigt beschleunigen könnte - 13.12.2019 10:45 Uhr

Boris Johnson ist der große Sieger der Parlamentswahl. © TOLGA AKMEN, AFP


Dank des britischen Wahlsystems bekamen die Konservativen mit 48 Prozent der abgegebenen Stimmen eine gewaltige Mehrheit von 80 Sitzen. Das ist der größte Erfolg der Partei seit 30 Jahren.

Labour unter Jeremy Corbyn, der gehofft hatte, wenigstens mit einer Minderheitsregierung ans Ruder zu kommen, wurde am Boden zerstört. In den einstigen Hochburgen der Arbeiterpartei im industriellen Norden und Mittelengland gingen ebenso wie in Wales ein Dutzend Sitze an die Konservativen - und in den übrigen Wahlkreisen reduzierte sich die für Labour abgegebenen Stimmen dramatisch.

Auch die Liberaldemokraten, die den Brexit kippen wollten, brachen kläglich ein. Sie bekam zwar eine Million Stimmen mehr, aber verloren wieder dank des britischen Wahlsystems einen Sitz. Ihre Führerin Jo Swinson trat sofort zurück. Dies wird nun auch das Schicksal von Jeremy Corbyn werden, dessen radikales sozialistisches Reformprogramm von den Wählern brüsk abgelehnt wurde.

Boris Johnson gelobte, nun "Tag und Nacht zu arbeiten", um mit dem Brexit am 31. Januar sein größtes Wahlversprechen zu erfüllen. Mit dem Rückhalt der satten Mehrheit absolut Linientreuer Unterhaus Abgeordneter wird er wohl freie Fahrt im Parlament haben. Während sich die Opposition die Wunden leckt, gratulierte Donald Trump seinem Freund und stellte ein Freihandelsabkommen in Aussicht, das alles übertrifft, was mit der EU möglich wäre. Die große Frage jetzt ist, ob Johnson nun Konzessionen an die EU machen kann, die eine möglichst nahe Verbindung zu dem alten Partner ermöglichen oder auf einen harten Brexit bis Ende des nächsten Jahres zusteuert.


Liveticker zum Nachlesen: Johnson und die Tories klare Wahlsieger


Der große Schönheitsfehler bei dem grandiosen Wahlsieg ist die Entwicklung in Schottland. Hier baute die schottische Nationalpartei ihren Vorsprung kräftig aus. Dies ist eine Bestätigung für die Chefin der schottischen Regionalregierung, nächstes Jahr bereits eine Volksabstimmung zur völligen Unabhängigkeit des nördlichen Teils der britischen Insel anzusetzen und im Falle des Sieges EU-Mitglied zu bleiben. Ähnlich ist die Situation in Nordirland, wo die Brexit-gegnerischen Parteien siegten. So könnte Johnsons grandioser Erfolg zum Pyrrhussieg werden, der die Auflösung des vereinigten Königreichs beschleunigt.

Hendrik Bebber

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