Antritt zur Bundestagswahl mit "Deadname"?

Warum die Nürnbergerin Tessa Ganserer um ihren Namen kämpfen muss

28.7.2021, 12:57 Uhr
Tessa Ganserer kämpft um ihren Namen. 

Tessa Ganserer kämpft um ihren Namen.  © Christian Hilgert, NN

Wie unter anderem der Spiegel und das Onlinemedium queer.de berichten, soll die trans-Politikerin nach Willen der Wahlbehörde mit ihrem Deadname, also ihrem abgelegten Männernamen, auf den Wahlzetteln erscheinen.

Ganserer war im Februar von den Grünen als Direktkandidatin in Nürnberg aufgestellt worden. Prognosen sehen die 44-Jährige gleichauf mit ihrem CSU-Mitbewerber Sebastian Brehm. Darüber ist die langjährige Landtagsabgeordnete über den sehr aussichtsreichen Listenplatz 13 der bayerischen Grünen abgesichert.


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Die sogenannte Wählbarkeitsbescheinigung könne nicht auf den Namen Tessa ausgestellt werden, da die "Personenstandsänderung noch nicht gerichtlich festgestellt wurde", zitiert der Spiegel das zuständige Bürgeramt. Auf dem Wahlzettel am 26. September wird daher aller Voraussicht nach – wie in ihrem Ausweis – der alte, männliche Vorname stehen.

"Eine Demütigung"

Für Ganserer laut dem Magazin eine "Demütigung", denn sie habe bewusst nicht das als Schikane empfundene langwierige Verfahren zur Änderung des Geschlechtseintrags nach dem veralteten Transsexuellengesetz begonnen. "Ich kann nicht auf der einen Seite politisch dagegen ankämpfen und mich dem auf der anderen Seite dann selbst unterziehen", erklärte die Bundestagskandidatin gegenüber dem Spiegel. Aktuell klagt sie vor dem Amtsgericht Nürnberg, ihren Personenstand auch ohne die beiden vorgeschriebenen teuren Gutachten und Absegnung durch ein Gericht ändern zu dürfen.

Falls das Amtsgericht ihren Antrag ablehnt, werde sie "notfalls auch bis vor das Bundesverfassungsgericht" ziehen, kündigte die Grünen-Politikerin im Spiegel an. "Und ich werde mich umso härter dafür einsetzen, dass das Transsexuellengesetz da landet, wo es hingehört: auf den Müllhaufen der Geschichte."

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