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Was die Erfahrung mit Corona lehrt: Populismus tötet

In den USA und Brasilien spitzt sich die Lage immer mehr zu - 10.07.2020 10:51 Uhr

Die USA machen fast täglich Schlagzeilen mit neuen Rekordzahlen an Neuinfizierten. Gleichzeitig spitzt sich auch in Brasilien die Lage immer mehr zu.

© MAURO PIMENTEL, AFP


Zugegeben, die Wahrheit ist komplexer. Aber eine Feststellung lässt sich nach gut einem halben Jahr Corona-Pandemie machen: Populismus tötet. Sowohl bei der Zahl der nachgewiesenen Infektionen wie bei den Todesfällen stehen zwei Länder ganz oben: die USA und Brasilien. Beide sind riesig, doch die Zahlen sind überproportional hoch. Die Gemeinsamkeit: Ihre Präsidenten Donald Trump und Jair Bolsonaro halten die strikten Beschränkungen, auf die andere Regierung setzen, für weit überzogen.

Bolsonaro spottet sogar jetzt noch, da er sich selbst das Coronavirus einfing: Er habe eben noch ein paar mehr Pillen des – umstrittenen – Malaria-Medikaments Hydroxychloroquin eingeworfen. Angesichts des Dramas, das sich in seinem Land abspielt, nimmt es da Wunder, dass viele ihm den Tod an den Hals wünschen?


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Trump wiederum brüskiert regelmäßig seine eigenen Experten. Bei seinem Wahlkampfauftritt in Tulsa rief er in die Menge, das ausgiebige Testen sei schuld an den miesen Zahlen. Deswegen habe er die Behörden angewiesen, sie sollten weniger testen. Als Mitglieder seiner eigenen Regierung später sagten, der Präsident habe nur einen Scherz gemacht, setzte dieser nach: Nein, nein, er sei wirklich überzeugt, die US-Zahlen wären besser, wenn weniger getestet würde.

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Das ist nachweislich falsch, denn einige Staaten, die sich bisher wacker geschlagen haben, testen sehr viel – und sie nutzen die Daten, um die Ausbreitung des Virus systematisch einzugrenzen. Doch dazu später.

Im Fall der USA fällt auf, dass die Kurve der Neuinfektionen schon nach unten ging, bevor sie wieder hochschnellte. Die Zahlen gingen – mit Ausnahme von Kalifornien – vor allem dort hoch, wo republikanische Gouverneure dem Appell des Präsidenten folgten und Restriktionen lockerten. Auch in Tulsa bestätigte die Gesundheitsbehörde einen Anstieg der Fälle, und es sei "mehr als wahrscheinlich", dass dies mit Großereignissen zu tun habe.

Noch mehr Auffälligkeiten

Die Statistik zeigt weitere Auffälligkeiten. Großbritannien steht viel schlechter da, als es seiner Größe entspräche. Auch dort regiert mit Boris Johnson ein überzeugter Populist. Die Zahlen in Indien schießen durch die Decke, wo der Hindu-Nationalist Narendra Modi nichts dabei findet, wenn arme Landsleute reihenweise wegsterben. In ganz Lateinamerika wütet Corona. Aber auch Belgien, seit Jahren so gut wie unregiert, hat absurd hohe Todeszahlen.

Es gibt aber auch Erfolge. Experten des internationalen Netzwerkes Exemplars in Global Health haben drei Länder ausgemacht, die besonders gut abschnitten. Südkorea, Vietnam – und Deutschland. Bei allen Unterschieden haben sie gemeinsam, dass das Gesundheitswesen robust war, sogar noch ausgebaut wurde. Es wurde auf Expertenrat gehört, viel getestet, und Infektionsketten wurden verfolgt. Das ist nicht spektakulär – aber nicht so tödlich wie Populismus.

Welches Zitat stammt wirklich von Trump?

© NICHOLAS KAMM / AFP

Hat er das gesagt - oder doch nicht? Testen Sie hier Ihr Trump-Wissen!

© NICHOLAS KAMM / AFP

© Screenshot

Frage 1/17:

"Es schneit und friert in New York. Wir brauchen globale Erwärmung!"

Ja - das war ein Tweet von Trump vom 7. November 2012.

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© dpa

Frage 2/17:

"Ich liebe ihren oberen Körper."

Ja - das sagte Trump über das Aussehen von Halle Berry in der "Howard Stern Show" am 6. Februar 2013.

© NICHOLAS KAMM / AFP

© dpa

Frage 3/17:

"Ich will nichts schwabbeln sehen."

Nein - das hat nicht Trump gesagt, sondern Heidi Klum in der 11. Staffel von "Germany's Next Top Model" (GNTM) am 30. März 2018.

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© ANDREW YATES/AFP/Getty Images

Frage 4/17:

"Es wird jetzt interessant - Quietschender-Hintern-Zeit nenne ich das."

Nein - es war Manchester Uniteds Trainer Alex Ferguson, der so den Kampf um die Premier-League-Meisterschaft kommentierte.

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Frage 5/17:

"Das hier ist mehr Arbeit als früher. Ich dachte, es wäre leichter."

Ja – so antwortete Trump in einem Reuters-Interview am 28. April 2017.

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Frage 6/17:

"Nur ich kann ewig leben."

Nein – das sagt Lord Voldemort in dem Harry-Potter-Band "Heiligtümer des Todes".

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Frage 7/17:

“Meine Finger sind lang und schön, wie gut dokumentiert wurde, auch andere Teile meines Körpers."

Ja – das war Trumps Reaktion auf eine spöttische Bemerkung im Spy Magazine, in auf die er am 4. März 2011 in einem Interview mit der Promiseite "Page Six" der New York Post antwortete.

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Frage 8/17:

"Wir können keinen Leuten trauen, die solch schlechtes Essen haben."

Nein – diese Aussage über die Briten machte Frankreichs Präsident Jacques Chirac am Rande des Treffens mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und Russlands Präsident Wladimir Putin in Kaliningrad am 3. Juli 2005.

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Frage 9/17:

"Ich habe ein gewinnendes Naturell. Ich weiß zu gewinnen."

Ja – das sagte Trump beim ersten TV-Duell gegen Hillary Clinton am 27. September 2016.

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© dpa

Frage 10/17:

"Du kommst nie bis zum Gesicht, weil der Body so gut ist."

Ja – das sagte Donald Trump über das Äußere von Paris Hilton in der "Howard Stern Show" am 7. Januar 2004.

© NICHOLAS KAMM / AFP

© Screenshot

Frage 11/17:

"Lerne immer von den Fehlern anderer, nicht von deinen eigenen – das ist der viel billigere Weg."

Ja – das ist ein Trump-Tweet vom 23. Dezember 2013.

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© David Giesbrecht/AP/dpa

Frage 12/17:

"Für die von uns, die es bis an die Spitze der Nahrungskette schaffen, darf es keine Gnade geben."

Nein – dieser Satz stammt von Frank Underwood aus der Netflix-Serie "House of Cards".

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Frage 13/17:

"Wenn dich jemand angreift, zögere nicht. Ziele auf die Halsschlagader. Schlage massiv zurück!"

Ja – diesen Rat gibt Trump in einem 16 Seiten langen Kapitel über Rache in seinem Buch "Think Big And Kick Ass".

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© ANDREW LIPOVSKY/AFP/Getty Images

Frage 14/17:

"Sich zu entschuldigen ist eine großartige Sache. Allerdings musst du dafür unrecht haben."

Ja – das hat Trump gesagt im Gespräch mit Jimmy Fallon in dessen "Tonight Show" am 12. September 2015.

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© Twentieth Century Fox Film Corporation 2007

Frage 15/17:

"Um beliebt zu sein, muss man nett sein, jeden Tag. Um gehasst zu werden, muss man gar nichts tun."

Nein – das sagt Homer Simpson in der Serie "Die Simpsons".

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© Brendan Smialowski/AFP/Getty Images

Frage 16/17:

"Schwarze Typen zählen mein Geld. Ich hasse das."

Ja – so wird Trump zitiert in USA Today vom 20. Mai 1991. Das Foto zeigt Trump am 27. Februar 2017 bei einem Treffen im Oval Office mit Repräsentanten von Universitäten mit überwiegend schwarzer Studierendenschaft.

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© John Taggart / Pool/BLOOMBERG POOL/dpa

Frage 17/17:

"Ich habe Ideen, die die menschliche Existenz in den nächsten 100 Jahren besser machen kann. Punkt."

Nein – das hat Rapper Kanye West gesagt in der Talkshow von Ellen DeGeneres am 19. Mai 2016. Hier geht es zu unserem Themenarchiv: Alles über Donald Trump

© NICHOLAS KAMM / AFP

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