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Die EU will Vertrauen in Impfungen schaffen – und notfalls dazu verpflichten. - 16.09.2019 08:00 Uhr

Internationale Experten sind überzeugt: Ein kleiner Nadelstich kann Leben retten. © Foto: Robert Günther/dpa


Diese Zahlen waren es, die in Brüssel beim Weltimpfgipfel für flammende Appelle sorgten.

"Jede Minute, die wir zögern, uns für Impfungen einzusetzen, kostet Kinder ihre Gesundheit oder sogar ihr Leben", rief EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitisden rund 400 Vertretern von Regierungen und Gesundheitsorganisationen aus allen Teilen der Welt zu.

"Es kann nicht angehen, dass in einer so hoch entwickelten Welt wie der unseren noch immer Menschen an Krankheiten sterben, die schon seit langem hätten ausgerottet sein sollen", betonte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

Doch genau das ist der Fall, wie die Konferenz belegte: Der seit Anfang 2018 verzeichnete Anstieg an Masernerkrankungen (damals waren es 84 462 Fälle europaweit im ganzen Jahr) hat sich fortgesetzt – auf nun mehr als 90 000 nur in der ersten Jahreshälfte. Zwischen 2016 und 2019 gab es 84 Todesfälle.

Bebe Vio (22) hat noch Glück gehabt. Sie gehört zur italienischen Mannschaft der Rollstuhlfechter, war Europa- und Weltmeisterin. Mit elf erkrankte sie an einer schweren Meningitis, weil sie, wie sie selbst sagte, nicht geimpft war. Beide Beine mussten amputiert werden. Außerdem verlor sie beide Unterarme. In Brüssel meldete sie sich per Video zu Wort: "Wir brauchen Impfungen, bitte lassen Sie uns alle dafür kämpfen."

Doch die Skepsis vieler Eltern sei groß, berichteten die Vertreter mehrerer Organisationen. Bei einer Umfrage in der EU stellte sich heraus, dass 48 Prozent der Europäer glauben, Impfstoffe verursachten schwere Nebenwirkungen; 38 Prozent glauben sogar, dass sie Erkrankungen auslösen, und 31 Prozent meinten, Impfungen würden das Immunsystem schwächen. "Das ist alles falsch", betonte die belgische Gesundheitsministerin Maggie de Block.

Alle Experten kamen zum gleichen Schluss: "Wir müssen mehr Vertrauen schaffen, die werdenden Eltern besser informieren", sagt die Südafrikanerin Laetitia Rispel, Chefin des Weltverbandes der Gesundheitsorganisationen. Die Vertreter der Online-Konzerne Mozilla und Facebook, Maud Sacquet und Jason Hirsch, sicherten die volle Unterstützung ihrer sozialen Netzwerke zu. Hirsch: "Wir kämpfen gegen Fake News über Impfungen."

Das dürfte nicht reichen. Stattdessen wird der Ruf nach staatlicher Impfpflicht inklusive Strafandrohung lauter. Gesundheitskommissar Andriukaitis sagte: "Wenn Eltern die Gefahr nicht verstehen, müssen wir uns fragen, wer die Verantwortung übernimmt. Natürlich sind das das Parlament und die Regierung."

 

DETLEF DREWES

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