Dienstag, 10.12.2019

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Zahlen nur mit Karte: Wer wirklich das Bargeld abschafft

In Düsseldorf akzeptiert ein Restaurant keine Scheine und Münzen mehr - 19.11.2019 11:02 Uhr

Die Methoden des bargeldlosen Zahlens werden immer bequemer. © Daniel Karmann/dpa


Den Deutschen wird gern vorgeworfen, sie hätten ein ziemlich trauriges Verständnis von Freiheit. Freiheit, so das polemische Argument, bestehe für sie einzig und allein darin, auf Autobahnen rasen zu dürfen.

So ganz stimmt das natürlich nicht: Denn für die Deutschen (oder besser: viele Deutsche) ist mindestens auch noch das Bargeld Sinnbild von Freiheit. Das wird immer dann offenbar, wenn Entscheidungen mit minimalen Auswirkungen auf den (Zahlungs-)Alltag gleich zum ersten Schritt zur Abschaffung des Bargelds umgedeutet werden.

Wer das glaubt, sitzt einer Täuschung auf: Die Befürchtung, dass das Bargeld einmal Geschichte sein wird, ist zwar nicht unberechtigt. Doch geht die Abschaffung des Bargelds in erster Linie nicht von mächtigen Regierungen oder gar verschwörerischen Zirkeln aus. Sie geht von uns selbst aus.

Und zwar aus Bequemlichkeit: Bei kleineren Beträgen reicht es inzwischen, an der Supermarkt-Kasse die EC-Karte nur kurz ans Lesegerät zu halten, um zu bezahlen; gleichzeitig ist das praktische Bezahlen mit dem Smartphone auf dem Vormarsch. Dass in Düsseldorf nun das erste Restaurant die Barzahlung komplett abschafft, ist nur der folgerichtige Höhepunkt dieser Entwicklung - und insofern auch nicht wirklich ein Aufreger.

 

Wir haben es selbst in der Hand

Dass wir selbst es sind, die die Abschaffung des Bargelds betreiben, heißt aber auch: Wir haben es selbst in der Hand, diesen Prozess zumindest zu verlangsamen - und zwar mit jedem Mal, an dem wir an der Kasse stehen.

Denn es stimmt ja: Bargeld hat tatsächlich mit Freiheit zu tun. Der Freiheit des Bürgers, Waren und Dienstleistungen zu erstehen, ohne dass Daten über ihn und seinen Standort erhoben werden.

Inzwischen scheint dieser Wunsch jedoch ein Relikt aus vordigitalen Zeiten zu sein. Wer ihn äußert, muss sich allen Ernstes das dümmste - weil freiheitsfeindlichste - aller Argumente anhören: Wer nichts zu verbergen hat, der habe ja auch nichts zu befürchten.

 

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