Coronakrise

Zahlenchaos in der Pandemie: Wir wollen mehr Verlässlichkeit

AutorinnenBild ndw
Nina Dworschak

Volontärin Region & Bayern

E-Mail zur Autorenseite

Die chinesische Regierung hatte zuvor die besonders schwer von der durch den Coronavirus ausgelösten neuen Lungenkrankheit betroffene Millionenmetropole Wuhan praktisch abgeriegelt.

Die chinesische Regierung hatte zuvor die besonders schwer von der durch den Coronavirus ausgelösten neuen Lungenkrankheit betroffene Millionenmetropole Wuhan praktisch abgeriegelt. © Emily Wang/AP/dpa

Den Zweifel an der aktuellen Impfquote hat das RKI selbst gesät, und zwar durch eine Kontrolle der eigenen Zahlen. Die Impfquote könnte tatsächlich bis zu fünf Prozent höher sein. Das passiert nicht zum ersten Mal: Deutschland, das Land der sonst so akkuraten Ingenieure und Verwaltungsbeamten, offenbart in dieser Krise ein massives Zahlenproblem.

Zu Beginn der Pandemie suchte man nach aussagekräftige Zahlen. Zunächst war es der R-Wert, bald bezog man sich auf die Inzidenz. Auch die hatte ihre Tücken, sie ist nicht leicht zu errechnen und hängt von der Anzahl der Infizierten ab. Diese Zahl wird zunächst von den Gesundheitsämtern erfasst, dann an das Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) übermittelt und anschließend an das RKI weitergegeben. Allein die Zahlen zu erheben, war für einige Gesundheitsämter nicht nur zu Beginn der Krise ein Problem - mit dem wir uns mittlerweile abgefunden haben. Für falsche Inzidenzwerte gab es vielfältige Gründe: Manchmal wurden Fallzahlen zu spät, manchmal gar nicht übermittelt. Ein weiterer Klassiker: Meldeverzögerung nach dem Wochenende. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Gesundheitsamt sei ihr freies Wochenende gegönnt. Das ist aber kein Grund, warum wir weiterhin nach jedem Wochenende auf akkurate Zahlen verzichten müssen.

Auf die Inzidenz folgt nun die Impfquote, auch ihr kann man möglicherweise nicht mehr trauen. Immerhin zeigt die Ungenauigkeit der RKI-Daten eine positive Entwicklung auf. Wären es weniger Geimpfte, als die Impfquote seit Woche vorgibt, hätte es einen großen Aufschrei gegeben. Auf auf was soll man sich in dieser Pandemie noch verlassen, wenn überall die Zahlen an der schlechten Erhebung kranken?

Klar, hinter jedem Zählprozess steht ein Mensch, und Menschen machen Fehler. Natürlich funktionieren auch Systeme nicht problemlos. Nach 18 Monaten hätten wir allerdings eine steilere Lernkurve erwarten können. Trotzdem wurden bis zuletzt Zahlen nicht gemeldet oder Meldewege nicht hinterfragt, wie die Betriebsarztimpfungen zeigen. Trotz abflachender Zahlen müssen die Prozesse weiter optimiert werden, damit bei der nächsten Krise nicht dieselben Fehler wieder passieren. Eigentlich sollten die Prozesse ja längst eingespielt sein.

Mit Zahlen wird Politik gemacht, deshalb müssen wir uns auf sie verlassen können. Hoffen wir, dass die neue Hospitalisierungsrate wieder Vertrauen schafft und es zu keinen unerklärbaren Ausschlägen kommt.