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Zensus 2022: Wer Post bekommt, muss mitmachen - doch was droht bei Verweigerung?

Simone Madre
Simone Madre

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12.5.2022, 15:56 Uhr
Mit einem Tablet führen die Erhebungsbeauftragte des Zensus 2022 die Befragungen vor Ort durch.

© LRA Roth, NN Mit einem Tablet führen die Erhebungsbeauftragte des Zensus 2022 die Befragungen vor Ort durch.

Wie viele Einwohner hat Bayern eigentlich genau? Wie leben die Menschen hier? Welchen Schulabschluss haben sie? Welchen Beruf? Solche Fragen sind für Entscheidungen in Wirtschaft und Politik wichtig. Turnusgemäß sollen sie alle zehn Jahre im Rahmen des Zensus beantwortet werden. Wegen der Corona-Pandemie wurden die Befragungen diesmal um ein Jahr auf 2022 verschoben. Ab dem 16. Mai werden Informationen von zahlreichen Menschen abgefragt.

Wer wird beim Zensus befragt?

Beim Zensus 2022 werden eigentlich drei Befragungen durchgeführt: die Gebäude- und Wohnungszählung (GWZ), die Haushaltebefragung und die Befragung in Wohnheimen und Gemeinschaftsunterkünften. Viele Menschen sind von der Haushaltebefragung betroffen. Denn hier werden rund 550.000 Haushalte kontaktiert, in denen etwa 2,3 Millionen Personen gemeldet sind. Das entspricht etwa 18 Prozent der bayerischen Bevölkerung.

Wer befragt werden soll, wird vorab vom Amt per Post informiert. Im Anschreiben steht auch der Termin, an dem der Interviewer zur Befragung vorbeikommen wird. Befragungen finden ab dem 16. Mai statt und sollen bis Mitte August abgeschlossen werden. "Falls Sie schon vorher jemand befragen möchte, so sind das Trittbrettfahrer, die nicht zum Zensus gehören", warnt Stefan Fürnrohr, der bayerische Zensus-Projektleiter.

Der Termin kann auch verschoben werden. Außerdem reicht es, wenn eine volljährige Person aus dem Haushalt anwesend ist.

Zensus 2022: Muss man antworten?

Ja. Nach dem Zensusgesetz 2022 sind die ausgewählten Personen auskunftspflichtig. Kommt man auch Erinnerungen und Mahnungen nicht nach, wird im schlimmsten Fall ein Zwangsgeld von mindestens 300 Euro fällig - von der Auskunftspflicht ist man mit der Zahlung laut Statistikamt übrigens nicht entbunden. Beim Zensus 2011 war die Auskunftsbereitschaft demnach aber sehr hoch. Zwangsgelder habe es nur in Einzelfällen gegeben.

Wie läuft so eine Befragung ab? Wie lange dauert sie?

Der Interviewer kommt zum vorher angekündigten Termin. Allen ausgewählten Personen werden Fragen etwa zu Alter, Familienstand oder Haushaltsgröße gestellt. Das dauert fünf bis zehn Minuten. Nicht gefragt wird nach dem Einkommen, Kontoinformationen, Mailadressen oder Passwörtern.

Diese Fragen muss man dem Interviewer vor Ort beantworten. Etwa die Hälfte der Personen muss zudem einen erweiterten Fragebogen beantworten. Dabei geht es etwa um Schulabschluss oder Beruf. Diese Befragung kann man auch später online machen oder einen Papierfragebogen ausfüllen, man kann sie aber auch direkt dem Interviewer beantworten. Dieser zweite Teil dauert etwa 10 bis 15 Minuten.

Im Rahmen des Zensus werden außerdem - unabhängig von den Befragungen der Bürgerinnen und Bürger - Auskünfte aller Eigentümerinnen und Eigentümer von Wohnungen oder Gebäuden mit Wohnraum eingeholt.

Man gibt fremden Menschen Auskunft - was ist mit dem Datenschutz?

Ein Sprecher des Bayerischen Landesbeauftragten für den Datenschutz, Thomas Petri, teilte mit, man sehe derzeit keinen Anlass zur Sorge. Der Schutz der Daten sei durch Statistikgeheimnis oder Zweckbindungsgebot gewährleistet. Veröffentlicht würden nur zusammengefasste Ergebnisse, die keine Rückschlüsse auf einzelne Personen, Haushalte oder Gebäude zulassen. Beim Zensus 2011 seien in Bayern keine gravierenden Mängel festgestellt worden.

Das Bayerische Landesamt für Statistik betonte, die Erhebungsbeauftragten seien zur Verschwiegenheit verpflichtet. Verstöße hätten strafrechtliche Konsequenzen.

Warum wird der Zensus gemacht? Wofür werden die Ergebnisse verwendet?

Mit dem Zensus soll zum einen die genaue Bevölkerungszahl ermittelt und Ungenauigkeit in den Melderegistern behoben werden. Für Aufsehen sorgte nach dem Zensus 2011, dass laut den Ergebnissen gut eineinhalb Millionen weniger Menschen in Deutschland lebten als angenommen. Der Zensus geht aber über eine bloße Zählung hinaus, die Ergebnisse sind Grundlage politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen.

Die im Zensus 2011 ermittelten Einwohnerzahlen etwa wirkten sich auch auf den Länderfinanzausgleich aus. Bayern bekam mehr als 220 Millionen Euro zurück. Auf Basis der Zensuszahlen erhielt der Freistaat bei der Bundestagswahl 2017 einen 46. Wahlkreis - während Thüringen einen abgeben musste.

Eine Rolle spielten die Daten auch zum Beispiel bei der Gesetzgebung zum Mindestabstand um Windräder. Mit den Zensus-Ergebnissen kann für den Wohnungsmarkt geplant oder ermittelt werden, wo es Schulen oder Altenheime braucht. Neue Ergebnisse könnten für einige Bayern über zusätzliche Belastung oder Erholung entscheiden: "Mariä Himmelfahrt" am 15. August ist in überwiegend katholischen Gemeinden ein gesetzlicher Feiertag - ermittelt wird das auf Basis des Zensus.

Wann liegen die Ergebnisse des Zensus 2022 vor?

Voraussichtlich ab Ende 2023.

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