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Dienstag, 15.10.2019

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Prager Musikfassaden

Symphoniker unter Svarovsky in Nürnberg und Ansbach - 05.02.2018 19:00 Uhr

Cellist Maximilian Hornung. © Foto: Marco Borggreve


Die Symphonie Nr. 1 von Josef Bohuslav Foerster (1859–1951) stammt aus einer Fülle von 160 Opuszahlen, sicher auch aus der Fülle von Talenten und Interessen des gebürtigen Pragers: Er war ein Freund Gustav Mahlers in dessen Hamburger Zeit, war Schriftsteller, Maler, Journalist – und eben passionierter und sehr fleißiger Komponist.

1890 in seiner Heimatstadt uraufgeführt, beginnt diese viersätzige Symphonie mit einer effektvoll drohenden, dröhnenden Geste des Schicksals. Erweist sich aber dann als ein echtes Kind dieser K.u.k.-Zeit: mit überschattetem, verfremdetem Walzer, der schon so differenziert denkt wie später Ravels "La Valse".

So dirigiert das jedenfalls Leos Svarovsky, eine der ersten Kräfte des tschechischen Musiklebens. Und ein Mann des klar artikulierten, effektvollen Tonfalls, dem keine Nuance dieser Musik entgeht, wenn sie zu Vielerlei Anlauf nimmt, aber nirgendwo so recht ankommt. Interessant ist sie zweifellos als Panorama der Jahrhundertwende-Zeit, sie beeindruckt genauso wie etwa die Vielfalt der Prager Fassaden: schwelgerische Pracht, klassisch-romantische Prägung, zeitgenössischer Einschlag. Viele Hörer waren eigens wegen dieser über hundert Jahre alten Novität für Nürnberg gekommen, auf die man – glänzend poliert – mit der "Verkauften Braut" eingestimmt worden war.

Den meisten Beifall holte sich zweifellos der Cellist Maximilian Hornung mit DvoÝáks Cellokonzert. Schon ein paar Jahre vorbei sind die Zeiten, wo er beim BR-Symphonieorchester zusammen mit Sebastian Klinger an den ersten Cellopulten saß: zwei Heißsporne, beide inzwischen ein gutes Stück weiter auf der Karriereleiter.

Heftige Kontraste

Das dokumentieren für Hornung verschiedene CDs sowie eine USA-Tournee mit Anne-Sophie Mutter. Gerade bei DvoÝák steht er in direkter Konkurrenz zu Sol Gabetta oder Daniel Müller-Schott. Im Eingangsallegro muss der Solist lange warten, bis effektvoll der Klangteppich ausgerollt ist. Dann aber legt er mit großem Ton und viel Leidenschaft los.

Hornung ist nicht der Mann des Moderaten, sondern der heftigen Kontraste. Langeweile kommt da nie auf – im Gegensatz zu Foerstes Prager Musik-Kaufhaus. Sicher auch nicht heute Abend beim gleichen Programm um 19.30 Uhr im Ansbacher Onoldia-Saal.

ZNächster Symphoniker-Termin: 24. Februar mit einem "Chinesischen Neujahrskonzert"; Karten unter Tel. 09 11 / 4 74 01 54.

UWE MITSCHING

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