Erlanger Oberarzt erklärt

Bei Grippe und Corona: Was ist Schüttelfrost und warum frösteln wir?

Birgit Heinrich, magazin@vnp.de
Birgit Heinrich

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15.4.2022, 05:57 Uhr
Wer Fieber und Schüttelfrost hat, sollte besonders viel trinken. 

© kathrinleu - stock.adobe.com Wer Fieber und Schüttelfrost hat, sollte besonders viel trinken. 

Schüttelfrost entsteht durch unwillkürliche, rasche, periodische Kontraktionen der Skelettmuskulatur, bei denen der Körper versucht, mittels banaler physikalischer Reibungsprozesse Wärme zu erzeugen. Schüttelfrost entsteht immer dann, wenn die Schaltzentrale des Körpers, also unser Gehirn, der Meinung ist, dass die vorherrschende Körpertemperatur zu niedrig ist. Eine Art Schüttelfrost ist schließlich auch das einsetzende Zittern in der Winterkälte.

Bei Krankheitsprozessen läuft die Reaktion wie folgt ab: Entzündungsprozesse, beispielsweise verursacht durch bakterielle oder virale Infekte, lösen im Körper eine Immunabwehrreaktion aus. Wenn Immunzellen arbeiten, schütten sie so genannte Zytokine aus, also Botenstoffe, durch die sie miteinander kommunizieren.

Diese Botenstoffe fließen durch den ganzen Körper. Im Gehirn angelangt, meldet dieses (genauer der Hypothalamus, wo die Stellschraube, also der Körpertemperaturregler, sitzt): "Vorsicht! Entzündungsprozess! Alle Körperzellen in Alarmbereitschaft!"

Fiebersenkende Medikamente machen Sinn

Und wer sich aufwärmt, ist einsatzfähiger. Tatsächlich laufen bei mäßig höheren Körpertemperaturen alle Stoffwechselprozesse und Funktionen geschmeidiger ab, unter anderem eben auch die Funktion der Abwehrzellen.

Ist dann der Sollwert von beispielsweise 39 Grad Celsius erreicht, meldet der Hypothalamus: "Danke an die Muskulatur, es reicht!" Dann hört der Schüttelfrost auf.

Problematisch wird es jedoch, wenn bei schweren Entzündungsprozessen die Stellschraube zu hoch eingestellt wird. Denn ab einer Körpertemperatur von 40 Grad steigt die epileptische Krampfneigung des Gehirns. Ab 44 Grad droht dem Patienten der Tod durch eine Denaturierung sämtlicher Körper-Eiweiße.

Daher sind fiebersenkende Medikamente bei sehr hohem Fieber durchaus sinnvoll.

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