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Bild-Wörterbuch: So will eine Nürnbergerin Flüchtlingen aus der Ukraine helfen

Sabine Ebinger
Sabine Ebinger

Lokales Nürnberg

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4.5.2022, 15:18 Uhr
Annemarie Achour und ihr Mann Réda haben für ihre Tochter Phéline ein mehrsprachiges Bild-Wörterbuch entwickelt - und möchten damit nun geflüchteten Kindern aus der Ukraine den Start in Deutschland erleichtern. 

© Günter Distler, NNZ Annemarie Achour und ihr Mann Réda haben für ihre Tochter Phéline ein mehrsprachiges Bild-Wörterbuch entwickelt - und möchten damit nun geflüchteten Kindern aus der Ukraine den Start in Deutschland erleichtern. 

Es ist eine einfache wie bestechende Idee: Annemarie Achour will ukrainischen Flüchtlingskindern ein eigen gestaltetes Bild-Wörterbuch auf Deutsch, Ukrainisch und Russisch schenken. Die Nürnbergerin hat das mehrsprachige Pappbuch schon vor einiger Zeit entwickelt - aus familiären Gründen.

Die Amerikanerin, die in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, hat sich nämlich in einen Deutsch-Algerier, der zum Studium nach Deutschland gekommen ist, verliebt. Gefunkt hat es bei einem ersten Date in einem israelischen Restaurant in Gostenhof - und vor gut vier Jahren kam Töchterchen Phéline auf die Welt.

Die dreiköpfige Familie benutzt vier Sprachen - Deutsch, Englisch, Französisch und Arabisch. Phéline versteht - bis auf Arabisch - die Sprachen gut. Mama Annemarie spricht englisch mit ihr, Papa Réda redet mit ihr französisch, die gemeinsame Familiensprache ist Deutsch. Das Modell funktioniert im Prinzip, allerdings berichtet Annemarie Achour: "Wir haben ein sprachliches Hilfsmittel für unsere Tochter gesucht, aber nichts passendes gefunden."

Die 37-Jährige, die in Vollzeit als Teamleiterin im Kundenservice einer Bank arbeitet, entwickelte schließlich ein Bild-Wörterbuch. Das Pappbuch behandelt für Kinder ab einem Jahr relevante Themen wie etwa Musizieren, Malen oder den Besuch im Zoo. Pro Thema werden passende Gegenstände und die jeweiligen Bezeichnungen in vier Sprachen gezeigt.

"Eine Herzensangelegenheit"

Die Eltern haben schließlich den Online-Shop "Pherean" (Der Begriff setzt sich aus den ersten Buchstaben der drei Familienmitglieder zusammen) gegründet. Doch leben können sie von diesem Projekt nicht - Mutter Annemarie arbeitet weiter in der Bank, Papa Réda unterrichtet an einer Berufsschule junge Menschen mit Flüchtlings- oder Migrationshintergrund. Die 37-Jährige sagt zu dem Buch: "Es ist ein Nebenprojekt, aber eine Herzensangelegenheit." Interessierte können ein Bild-Wörterbuch individuell anfertigen lassen - und vier aus insgesamt 50 Sprachen und Dialekte auswählen.


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Der furchtbare Krieg in der Ukraine hat Annemarie Achour auf eine Idee gebracht: Warum nicht für die nach Deutschland geflohenen Kinder ein Buch speziell für deren Bedürfnisse anfertigen - auf Ukrainisch, Russisch, Deutsch sowie Deutsch in Lautschrift? Das wird bald umgesetzt: Derzeit werden Spenden auf der Internet-Plattform www.betterplace.me gesammelt. Mehr als 2000 Euro sind schon zusammen gekommen.

Mit dem Sozialamt der Stadt Nürnberg haben die Eltern einen Partner gefunden. Amtsleiter Volker Wolfrum sagt: "Das ist super, das unterstützen wir gerne." Schließlich könne so die Sprachkompetenz der Kinder gefördert werden. An die 7680 Menschen aus der Ukraine haben (Stand 28. April) in Nürnberg Sozialleistungen beantragt - rund 36 Prozent der Flüchtlinge sind minderjährig. Wenn die Bücher gedruckt sind, wird das Sozialamt diese an die Kinder, die in den Gemeinschaftsunterkünften leben, sowie in diversen Angeboten für Ukraine-Flüchtlinge verteilen.

Unter www.betterplace.me/mehrsprachiges-bild-woerterbuecher-fuer-gefluechtete werden Spenden gesammelt. Weitere Infos sind unter www.pherean.com/de erhältlich.

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