Geschlechter

Mansplaining: Wenn Männer Frauen die Welt erklären wollen

Simone Madre
Simone Madre

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5.7.2022, 08:13 Uhr
Mansplaining: Was es bedeutet und wie Frauen sich dagegen wehren können.

© Pexels, Pixabay, LizenzCC Mansplaining: Was es bedeutet und wie Frauen sich dagegen wehren können.

  • Von Mansplaining spricht man, wenn Männer Frauen bestimmte Sachverhalte erklären, über die Frauen längst Bescheid wissen.
  • Dabei hören diese Männer auch nicht zu, wenn die Frauen sie darauf hinweisen.
  • Es geht hierbei um ein Machtgefälle: Der Mann geht davon aus, dass er sich gut auskennt und die Frau sein Wissen braucht.

Mansplaining auf Deutsch

Mansplaining wird mit dem Begriff "Herrklärung" frei übersetzt. Gleichzeitig wird der Begriff auch als ein "Pejorativ" bezeichnet. Dies steht in der Sprachwissenschaft für einen Art von Ausdruck, der etwas implizit abwertet.

Mansplaining-Definition: Was ist Mansplaining?

Der Begriff Mansplaining beschreibt das Phänomen, dass Männer (oftmals auf herablassende und bevormundende Weise) Frauen bestimmte Sachverhalte erklären, über die Frauen längst Bescheid wissen. Der Mann geht demnach davon aus, dass er mehr über den Gesprächsgegenstand weiß als die weibliche Gesprächspartnerin.

Der Begriff "Mansplaining" definiert in der Geschlechterforschung die Machtasymmetrie in der Kommunikation zwischen dem männlichen und weiblichen Geschlecht. Wenn Männer Frauen bestens vertraute Themen erklären, wird von Mansplaining gesprochen. Dazu kommt, dass um die Erklärung niemand gebeten hat.

Von Mansplaining wird auch gesprochen, wenn ein Gesprächspartner allwissend sowie arrogant auftritt und sich auf bestimmten Themengebieten deutlich überlegen fühlt.

Mansplaining: Ursprung

Die Begriffsbestimmung "Mansplaining" geht auf die Amerikanerin Rebecca Solnit zurück und stammt aus ihrem Essay "Men explain things to me". Die Autorin begegnete auf einer Party einem Mann, der ihr von einem wichtigen Buch über Fotografie berichtete. Dabei erklärte er ihr, was sie mit diesem Buch noch lernen könne. Nachdem sie mehrmals versucht hatte, den Mann zu unterbrechen, konnte sie ihm endlich offenbaren, dass sie selbst die Autorin des Buchs war. Genau diese Anekdote wurde zum beliebtesten Beispiel für das Mansplaining.

Mansplaining: Beispiele

Dies sind weitere Beispiele für Mansplaining:

- Ein Mann erklärt einer Frau etwas über ihre Periode.
- Ein Kollege erklärt seiner Kollegin, wie der Job "wirklich" funktioniert.
- Männer erklären Feminismus.
- Ein Mann erklärt einer Kfz-Mechatronikerin, wie ein Auto repariert wird.
- Ein Mann sagt, dass die Schmerzen bei der Geburt gar nicht so schlimm sind.

Natürlich kann nicht jeder Mann, der etwas erklärt, mit dem Begriff "Mansplaining" betitelt werden. Dazu müssen grundsätzlich folgende Kriterien erfüllt sein:

- Der Gesprächspartner verhält sich autoritär.
- Gleichzeitig spricht er dem Gegenüber die eigene Expertise ab.
- Er macht die Deutungshoheit am eigenen Geschlecht fest.
- Ausschweifende Erklärungen und lange Monologe werden geführt.
- Widerspruch oder Einwände werden gekonnt ignoriert.

Mansplaining: Das Gegenteil

Das gegenteilige Verhalten von Mansplaining wäre, wenn Männer gegenüber dem weiblichen Geschlecht eine unterlegene Position einnehmen. Somit lassen sie sich etwas von der Frau erklären. Das Gegenteil wäre auch der Fall, wenn Männer nicht einfach ungefragt ihr Wissen mitteilen, ohne dass vorher danach gefragt wurde.

Aus einer neutralen Perspektive sollte man davon ausgehen, dass eine Frau das gleiche Wissen wie ein Mann hat. Dies liegt darin begründet, dass es keine Unterschiede hinsichtlich der Bildungschancen und der Intelligenz gibt. Daher sollte nur dann etwas erklärt werden, wenn man wirklich mehr als der Gegenüber weiß und dieser die Erklärung auch hören möchte. Dann ist es vollkommen legitim, etwas zu erklären oder sich etwas erklären zu lassen.

Manterrupting

Das Manterrupting bezeichnet das Verhalten von Männern, die Frauen das Wort abschneiden und sie abrupt zum Schweigen bringen. Dies kann sowohl bei der Arbeit, zuhause, in der Beziehung oder in der Öffentlichkeit passieren. Ziel dabei ist es, den weiblichen Gesprächsanteil auf ein Minimum zu reduzieren.

Manspreading

Manspreading ist ein Phänomen, das dem Mansplaining in gewisser Weise ähnelt, obwohl es um die Sitzposition geht. Beispielsweise sitzt ein Mann im Bus so breitbeinig, dass sich Frauen kaum noch vernünftig hinsetzen können. Dies tut er so dominant, dass sich die Frauen seinetwegen klein machen, wenn ihnen eine Konfrontation unangenehm oder gefährlich vorkommt. Oder sie sprechen ihn an, damit er zur Seite rutscht.

Was kann man gegen Mansplaining tun?

Mansplaining kann nervig und vor allem zeitraubend sein. Männer wollen nicht selten ihre Macht demonstrieren oder Frauen auf unauffällige Art und Weise diskriminieren. Aber wie können Frauen bei Mansplaining am besten kontern?

Natürlich kann man das Mansplaining einfach überhören. Manchmal ist Ignoranz die beste Reaktion, immer genügt dies allerdings. Vor allem in beruflichen Situationen, wenn Mansplaining zu einer systematischen Einschüchterung oder Abwertung führen soll, muss man aktiv dagegen vorgehen.

So funktioniert es:

Ansprechen

Mittlerweile ist der Begriff Mansplaining so bekannt, dass man den Gesprächspartner damit konfrontieren kann. Dann kann man einfach nachfragen, warum Dinge erklärt werden, die man schon längst weiß.

Einfordern

Indem Frauen einfach sagen "Darf ich bitte ausreden?" können sie ihre Redezeit aktiv einfordern.

Unterbrechen

Wenn die Erklärungen schon wieder ausschweifen, können Frauen den Gesprächspartner selbst unterbrechen und Rückfragen stellen. Dadurch kommt der Gegenüber in Erklärungsnot und muss sich rechtfertigen. Oft wird das Halbwissen entlarvt und kann im Anschluss gut gekontert werden.

Belächeln

Schlagfertige Antworten und Sarkasmus können ebenfalls gut funktionieren. Denn mit einem Lachen lassen sich Konfrontationen doch am besten aus der Welt schaffen.

Gespräch beenden

Wenn alles nichts hilft, sollte das Gespräch einfach beendet werden.

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