Erlanger Professor erklärt

Weshalb wir Weisheitszähne haben - und wann es zu Problemen kommt

Birgit Heinrich, magazin@vnp.de
Birgit Heinrich

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22.4.2022, 15:25 Uhr
Für eine gesunde Zahnhygiene ist auch Zahnseide wichtig. Allerdings sind die Weisheitszähne damit schwierig zu erreichen.

© Prodente/dpa/tmn Für eine gesunde Zahnhygiene ist auch Zahnseide wichtig. Allerdings sind die Weisheitszähne damit schwierig zu erreichen.

Bei den vier sogenannten Weisheitszähnen des Menschen handelt es sich um die jeweils hintersten großen Backen- oder Mahlzähne am Ende der Zahnreihe rechts und links im Ober- und Unterkiefer. Alle übrigen bleibenden Zähne brechen zu bestimmten Zeiten im Alter zwischen 6 und 16 Jahren durch.

Dagegen stellen sich die Weisheitszähne – wenn überhaupt – erst im Alter zwischen 16 und 30 Jahren ein. Bei der deutlich geringeren Lebenserwartung im Altertum war dies bereits ein hohes Lebensalter, das mit "Weisheit" assoziiert wurde.

Kaufunktion ist auch ohne gewährleistet

Eine sprachliche Verbindung zwischen den Attributen höheren Lebensalters ("sophos" für gebildet) und den in diesem Alter durchbrechenden Zähnen ("sophronisteres") wurde erstmalig um 300 v.Chr. von dem griechischen Philosophen Cleanthes hergestellt. Der Begriff "Weisheitszähne" (dentes intellectus) geht dagegen auf den um das Jahr 1000 in Persien lebenden Arzt und Gelehrten Avicenna (Ibn Sina) zurück.

Die Weisheitszähne tragen in regelrechter Position ( wie alle anderen Backenzähne) zur Kaufunktion bei, die jedoch auch ohne sie gewährleistet ist. In manchen Fällen können Weisheitszähne als "Reservezähne" für die spätere Verankerung von Zahnersatz (Brücken, Prothesen) hilfreich sein.

Bei vielen Menschen sind die Weisheitszähne überhaupt nicht angelegt. Bei anderen sind sie im Kiefer so verlagert, dass sie sich nie in die Zahnreihe einstellen werden. Nicht selten ist der Durchbruch aufgrund ihrer Position am Ende der Zahnreihe erschwert und von Entzündungen begleitet.

Der Zahnarzt, Kieferorthopäde oder Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurg kann anhand einer Untersuchung erkennen, ob die Weisheitszähne vorhanden sind, ob sie sich regelrecht einstellen oder ob Komplikationen zu erwarten sind. In diesem Fall kann die Entfernung der Zähne erfolgen. Da weder die Kaufunktion noch die Erlangung von Weisheit an die nach ihr benannten Zähne gebunden ist, macht es keinen Unterschied, ob man Weisheitszähne besitzt oder nicht.

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