Bald kein Nürnberger mehr

Hausbesuch: So lebt und liebt Radio-Moderator Flo Kerschner

NN-Redaktion Gesellschaft
Anette Röckl

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12.12.2021, 09:18 Uhr
Moderator Florian Kerschner entspannt beim Kochen. Überwiegend Vegetarisches kommt bei ihm und seiner Familie auf den Tisch – am liebsten mag und macht er Pizza.
 

Moderator Florian Kerschner entspannt beim Kochen. Überwiegend Vegetarisches kommt bei ihm und seiner Familie auf den Tisch – am liebsten mag und macht er Pizza.   © Anestis Aslanidis

Im Radio ist er der Typ mit den frechen Sprüchen, der Angelpunkt, um den sich alles dreht in seiner "Flo-Kerschner-Show". Bei ihm zuhause sind andere die Stars: Fynn und Matts, zweieinhalb und ein halbes Jahr alt. Mit dem größeren seiner zwei Jungs auf dem Arm öffnet der Radiomoderator am Nachmittag die Tür zur Neubau-Wohnung im Nürnberger Nordosten, unweit vom Wöhrder See. Ehefrau Stefanie steht hinter ihm, das sechsmonatige Baby auf dem Arm. Hell, mit Holzmöbeln im skandinavischen Stil eingerichtet, ist die Wohnung.

"Familie (Kerschner): Ist da, wo das Leben beginnt und die Liebe niemals endet": Der Spruch im Lexikonstil hängt gerahmt an der Wand, ein Geschenk, das beide zur Hochzeit bekommen haben. Schon der Doppelkinderwagen im Flur verdeutlicht, dass Familie hier das Thema ist. "Kinder verändern dein Leben komplett", sagt der Radiomoderator und gibt Sohn Fynn ein Küsschen. "Du hast noch nicht ganz ausgeschlafen", stellt er mit prüfendem Blick fest. Das gilt allerdings auch für ihn selbst. "Viel zu wenig Schlaf" fänden beide Eltern zurzeit.

"Eigentlich bin ich ein Nachtmensch"

Dabei ist der Mann einiges gewöhnt. Schließlich moderiert er seit 16 Jahren die Morgensendung im Sender Hit Radio N1, von 6 bis 10 Uhr. Um 4 Uhr früh verlässt der 42-Jährige das Haus, um die "geilste Stadt der Welt" aufzuwecken – ein Spruch, für den er bekannt geworden ist. Kerschner ist Nürnberg-Fan, von Fernweh wurde er noch nie geplagt. Seine Lieblingsstadt wachzuquatschen, ist nach wie vor seine Motivation, die ihn das frühe Aufstehen und das Pensum als Programmleiter des gesamten Funkhauses durchhalten lässt. Und das, obwohl er eigentlich ein Nachtmensch ist. Der seit Jahren früh um sechs am Mikro steht. "Meine Mama glaubt mir bis heute nicht, dass ich das bin", scherzt Kerschner.

Aus reinem Zufall ist er einst zum Radio gekommen. Eigentlich hat er eine Ausbildung zum Schlosser absolviert. "Ich wusste, dass ich das doch nicht machen wollte, aber was sonst? Da hatte ich keinen Plan." Auf einer Feier fragte ihn ein Bekannter, ob er es nicht mal beim Radio probieren möchte. "Ich dachte mir: Prima, du musst nur vier Stunden labern und kannst heimgehen", erzählt er und muss über seine naive Vorstellung lachen. Denn hinter der reinen Moderation stecken in Wahrheit mindestens vier, fünf zusätzliche Stunden Arbeit, um die tägliche Sendung vor- und nachzubereiten.

Beim Ausbildungs-Radiosender AFK Max sammelte er seine ersten Radio-Erfahrungen. Nach einem Casting, bei dem ihm der Chef nicht allzu große Hoffnungen machte: "Er hat gesagt, ich bin talentlos und klinge wie Kermit, der Frosch", sagt Kerschner. Was den damals 19-Jährigen nicht davon abhielt, weiter das Mikro zu bearbeiten. "Seitdem hat mich das Radio nie wieder losgelassen." Und das mit Erfolg. Kerschners Morning-Show ist längst Kult und hat nach wie vor viele Fans. "Nach unseren Umfragen läuft es besser denn je", sagt er. So nah wie möglich an den Hörern zu sein, ist das Rezept.

Mit dem Morning-Show-Mobil ist er mit seinen Kollegen immer wieder in der Stadt unterwegs, sendet mal aus einer Pizzeria oder vom Stadtstrand. Eine Sendung aus dem Nürnberger Gefängnis gehört für ihn zu seinen Highlights. Oder verrückte Aktionen wie letztes Jahr, als er und seine Kollegen nach Fürth schipperten und live aus dem Schlauchboot sendeten.

Mit seinen Co-Moderatoren Jörg "Dippi" Dippold und Stefanie Scheermann gibt er in der Sendung immer auch Privates preis, lässt auch mal seinen Bauchumfang messen. Die Grenze definiert er so: "Alles knapp über der Gürtellinie geht. Wir wollen lustig und unterhaltsam sein, aber nicht billig. Wir sind nicht RTL2."

Florian Kerschner ist verheiratet und hat zwei Söhne, Fynn und Matts. Mit seiner Familie lebt er (noch) in Nürnberg.

Florian Kerschner ist verheiratet und hat zwei Söhne, Fynn und Matts. Mit seiner Familie lebt er (noch) in Nürnberg. © Anestis Aslanidis

Sein Rat an junge Menschen in puncto Berufsfindung: "Wenn du etwas findest, das du mit Leidenschaft machst, dann ist es keine Arbeit mehr." Probleme mit der Work-Life-Balance habe er nicht, sagt er mit Nachdruck. "Mein Leben ist meine Arbeit." Wie es scheint, hat der Moderator aber ein ganz neues Arbeitsfeld dazu bekommen: Lego bauen mit Sohn Fynn zum Beispiel. Im Kinderzimmer der Wohnung führt ganz klar der hellblonde Bub die Regie, während Papa Flo die bunten Plastikklötze aufeinandertürmt. Was der sehr gerne tut: "Es ist auch mein Lieblingsspielzeug", so Kerschner. Er freut sich schon auf die Carrera-Bahn.

"Die erste Zeit als Vater ist hart, denn da hängen sie noch sehr an der Mama und du hockst nur daneben", erinnert sich der Moderator. "Alle sagen ,Deine Zeit kommt noch!’ und das ist auch so." Baby Matts schaut derweil von der Spieldecke zu und kräht vergnügt. "Er ist der Einzige, der hier über meine Witze lacht", sagt Kerschner und grinst.

Er selbst wuchs als Einzelkind auf, war gerne Single, bis er 2018 seine Stefanie kennenlernte. Jetzt schlafen alle zu viert im – von Kerschner selbstgezimmerten – XXL-Bett: "Schon crazy, so viele Leute um einen herum", wundert er sich selbst ein bisschen.

Zwei Haushalte, ein Stil

Bei "Rock im Park" lernte er seine Frau kennen. "Mit ihr möchte ich alt werden" – das war ihm schnell bewusst. 2019 heiratete er. Fotos, die das Paar verliebt umschlungen und dann Stefanie mit Babybauch zeigen, zieren den Flur. Seit zwei Jahren wohnen sie hier zusammen, haben beide Haushalte zusammengeworfen.

Einrichtung und Dekoration – momentan weihnachtlich mit Zweigen und Lichterketten – hat er seiner Frau überlassen. Kein Problem, wenn man ähnliche Geschmacksvorstellungen hat. Apropos: Als überzeugter Veganer stand Kerschner immer gerne selbst am Herd. Inzwischen führt dort eher Stefanie das Zepter. "Ich koche auch sehr gern, weil es mich entspannt, aber meine Frau kocht einfach leckerer", sagt er. Kochbücher lieben beide, wie das Regal in der Küche zeigt. Obwohl auf den Buchrücken hauptsächlich "vegan" steht, wird hier überwiegend vegetarisch gekocht. Auch die Fleischesser in der Schwiegerfamilie konnte der Radiomann mit seinen vegetarischen Kochkünsten überzeugen. "Selbst meine Oma ist begeistert", sagt die 29-Jährige.

In Winkelhaid lebt ihre Familie, dort werden sie, zusammen mit Kerschners Mutter, auch Weihnachten verbringen. Und generell wohl bald mehr Zeit. Denn sie ziehen ganz in die Nähe, ins Fertighaus nach Burgthann. Der Dachstuhl steht bereits, im Mai soll der Einzug sein. "Am liebsten hätte er es ja selbst gebaut, aber dann wäre es wahrscheinlich nie fertig worden", sagt Stefanie lachend.

Tatsächlich werkelt der Moderator gerne. "Mehr als Parkettlegen hat man mir hier aber nicht zugetraut", sagt er und deutet auf den Boden. Für einen ist er handwerklich aber der Allergrößte – für Söhnchen Fynn: Wenn etwas kaputt geht, weiß er, was zu tun ist: Man muss es dringend "paparieren"!

Aber wird dem Moderator die "geilste Stadt der Welt" nicht fehlen? Dank der S-Bahn nicht; sie fährt nur 150 Meter vom Haus entfernt ab. In 15 Minuten ist er damit am Nürnberger Hauptbahnhof, in weiteren fünf Minuten in seiner Lieblingslokalität. "Wenn ein Kumpel anruft und sagt: 'In 30 Minuten bei Giorgio', dann kann ich das schaffen. Sonst hätte ich’s nicht gemacht!", sagt er und lacht." Gute Anbindung, dann klappt’s auch mit dem Landleben, so sein Credo.

Jetzt muss aber erst mal eine andere Anbindung fertiggestellt werden: die Treppe im Lego-Feuerwehrhaus. Um halb acht ist dann oft schon Feierabend für die zwei Baumeister – und die "Flo Kerschner Show" sagt "Gut' Nacht!".


Florian Kerschner, Spitzname "Flo", ist Nürnberger, auch wenn er in Erlangen zur Welt kam. Der 42-Jährige machte eine Ausbildung zum Schlosser, ehe er beim Radio seine wahre Leidenschaft entdeckte. Vor 16 Jahren begann er, die "Morning-Show" bei N1 zu moderieren – so erfolgreich, dass sie seit zehn Jahren "Die Flo-Kerschner-Show" heißt.

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