Superschneller Streifenwagen

Ein Ferrari für die Polizei

27.7.2022, 19:00 Uhr
Diesen Ferrari 458 Italia fährt jetzt die tschechische Polizei.

© Policie CZ Diesen Ferrari 458 Italia fährt jetzt die tschechische Polizei.

Hätten sie Augen und Ohren – die Skodas der tschechischen Polizei würden sich über diesen neuen Kollegen wohl nicht mehr einkriegen vor Staunen: Flunderflach, 570 PS stark, 325 km/h schnell – und ein echter Ferrari!

Wer jetzt mutmaßt, ob bei den Ordnungshütern unseres Nachbarlandes der ungezügelte Wohlstand ausgebrochen ist, sei beruhigt: Der 458 Italia wurde nicht etwa für sündhaft teures Geld eingekauft. Das wäre zumindest als Neuwagen auch gar nicht möglich, denn Ferrari hat den Renner bereits im Jahr 2016 durch den 488 abgelöst. Vielmehr war der Bolide als kriminelles Eigentum konfisziert worden.

Das kommt in Tschechien gar nicht selten vor. Allein im vergangenen Jahr hätte rund 900 Fahrzeuge dieses Schicksal ereilt, wie die Polizei wissen ließ, der Italia sei darunter noch nicht einmal das kostspieligste gewesen.

Abschreckende Wirkung

Nicht Usus ist es freilich, die beschlagnahmten Gefährte in den polizeilichen Fuhrpark aufzunehmen. Einerseits soll der Seitenwechsel des Ferraris wohl abschreckende Wirkung erzielen und aufzeigen, welche Konsequenzen verwerfliches Tun nach sich ziehen kann – aus diesem Grund wurde der extrastarke Polizeibeamte auf Rädern auch in einem Video auf den sozialen Netzwerken präsentiert.

Auch im Netz wurde der neue Streifenwagen präsentiert

Auch im Netz wurde der neue Streifenwagen präsentiert © Screenshot/Youtube/Policie CZ

Gegen illegale Autorennen

Andererseits bekommt der Italia aber durchaus ernsthafte Aufgaben zugeteilt. So soll er beim Vorgehen gegen illegale Autorennen helfen, von denen es in Tschechien jährlich etwa 30 gibt und wie sie auch in Deutschland immer wieder fürchterliche Schlagzeilen machen – zuletzt in Nürnberg, wo ein unbeteiligter Passant mutmaßlich den rasenden Wettstreit anderer mit dem Leben bezahlen musste. Auch flüchtige Autodiebe dürften gegen den Verfolger aus Maranello keine Chance besitzen. Und schließlich soll er bei Tuningtreffen überwachend in Erscheinung treten und auf Augenhöhe Respekt einflößen.

Polizei-Uniform statt Ferrari-Rot

Vor der Aufnahme in den Polizeidienst wurde der Italia freilich einem grundlegenden Umstyling unterzogen. Das Ferrari-Rot wich einer Uniform in Silber mit Streifen in Blau und Gelb, aufs Dach kam Signallicht, hinzu addierten sich ein Kamerasystem, eine Funkstation und Pistolenhalter. Ans Steuer darf freilich nicht jeder Streifenpolizist, nur speziell ausgebildeten Beamten ist die Fahrt mit dem Ferrari erlaubt.

Nicht zu übersehen: Dieser Ferrari leistet Polizeidienst.

Nicht zu übersehen: Dieser Ferrari leistet Polizeidienst. © Policie CZ

Mit den Kosten für die Umrüstung wollten die Behörden gegenüber dem tschechischen Steuerzahler nicht hinterm Berg halten. Die Aktion sei auf 340.000 Kronen gekommen, umgerechnet also auf knapp 14.000 Euro. Im Vergleich zu den 200.000 Euro, die so ein Italia bei seiner Markteinführung anno 2009 gekostet hat, geradezu ein Schnäppchen.