Mit Mildhybridsystem

Fahrbericht: Subaru Forester e-Boxer 2.0ie

Ulla Ellmer

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5.7.2022, 20:19 Uhr
Früher war der Diesel die Standard-Motorisierung für Fahrzeuge wie den Forester. Jetzt muss es zumindest ein Mildhybridsystem sein.

© Hersteller Früher war der Diesel die Standard-Motorisierung für Fahrzeuge wie den Forester. Jetzt muss es zumindest ein Mildhybridsystem sein.

Wie er aussieht: Seit über einem Vierteljahrhundert gehört der Forester zum Subaru-Aufgebot auf dem deutschen Markt. Forester – das ist mit „Förster“ zu übersetzen und gibt auch designtechnisch die Wegrichtung vor: Optisch zeigt sich der 4,64 Meter lange Japaner eher als Geländewagen denn als SUV oder gar als weichgespülter Crossover; die klaren Formen, kombiniert mit erkennbar hoher Bodenfreiheit sowie mit robusten Details wie den ausgestellten Radkästen und dem – allerdings aus Kunststoff bestehenden – Unterfahrschutz strahlen einen Pragmatismus aus, den der „AWD“-Schriftzug am Heck vielversprechend untermalt. Eine unlängst erfolgte Modellpflege hat dem Gesamtbild Feinschliff verliehen.

Aufgeräumt sieht vielleicht anders aus. Doch in Sachen Bedienbarkeit stellt der Forester nicht vor Probleme.

Aufgeräumt sieht vielleicht anders aus. Doch in Sachen Bedienbarkeit stellt der Forester nicht vor Probleme. © Hersteller

Wie er eingerichtet ist: Wer die zweckmäßige Schlichtheit eines automobilen Arbeiters erwartet, sieht sich angenehm enttäuscht. Denn eigentlich hat man es mit einem Fahrzeug zu tun, das zwar als Waldmeister, vor allem aber als Reisebegleiter auf der Langstrecke überzeugen will. Und so umgibt der Forester seine Passagiere mit einem ansprechenden, wohlverarbeiteten Materialmix, platziert sie auf überaus bequemen Sitzen (im Topmodell „Platinum“ mit Leder bezogen), bindet ihre Smartphones über Android Auto bzw. Apple CarPlay ein (wozu es, wie auch beim Laden, ein Kabel braucht) und teilt sich über gleich drei Displays mit: Eines – das kleinste – sitzt hinter dem Lenkrad und wird von zwei klassischen Analog-Rundinstrumenten flankiert, beim zweiten handelt es sich um einen Acht-Zoll-Touchscreen fürs Infotainment, über dem dann das dritte thront – ein schmaler Monitor, der beispielsweise die Energieflüsse des Hybrid- und den Status des Allradsystems kommuniziert.

Wo was wie angezeigt wird, erfordert allerdings eine gewisse Eingewöhnungsphase. Und das Lenkrad haben wir ziemlich überfrachtet gefunden. Einfach macht der Forester hingegen die Bedienung von Klimatisierung und Audiosystem – hier bietet er die simple, aber bewährt-beste Lösung in Gestalt von Drehknöpfen an.

Mittig an der Windschutzscheibe befestigt hat Subaru die beiden Kameras des Eyesight-Systems. Das ist neu, denn vor der Modellpflege saßen sie noch rechts und links auf der Rückseite des Innenspiegels. Die Umpositionierung sollte einen vergrößerten Sichtwinkel erbringen und so den Arbeitsbereich der verschiedenen Assistenzsysteme - Spurzentrierung, Straßenranderkennung, aktiver Spurhalteassistent – erweitern. Die Helfer erkennen Gefahren, warnen akustisch sowie optisch und greifen – Stichwort Notbremssystem – gegebenenfalls ein.

Speziell den Fahrer/die Fahrerin im Auge behält eine weitere Kamera: Wandert der Blick ab oder werden gar verdächtige Anzeichen von Müdigkeit detektiert, erfolgt eine entsprechende Mahnung.

Das Gepäckabteil ist gut ausgeformt und lässt sich gut beladen.

Das Gepäckabteil ist gut ausgeformt und lässt sich gut beladen. © Hersteller

Wie viel Platz er hat: Genug, um dem erwähnten Anspruch als Reisebegleiter gerecht zu werden. Die hohe Sitzposition gewährt gute Aussichten, vorne wie hinten mangelt es weder an Schulter- und Kopffreiheit noch an Bewegungsspielraum für die Beine.

Die Rücksitzlehnen lassen sich praktischerweise vom Kofferraum aus umlegen, dergestalt flachgelegt, vergrößern sie das Gepäckabteil von 509 auf 1779 Liter und sorgen für eine 1,98 Meter lange, flache Ladefläche. Darunter gibt es indes nur bescheiden Platz, denn hier wohnt das Hybridsystem. Schön: Verzurrösen geben dem Frachtgut den nötigen Halt, und ein 12-Volt-Anschluss spendet Strom.

Ausgekleidet ist der Kofferraum übrigens mit abwaschbaren Materialien, hier hat Subaru an seine klassische Klientel gedacht, zu der auch Jäger sowie forst- und landwirtschaftlich Tätige gehören. Der hochgewachsene Beifahrer hat moniert, dass die Heckklappe nicht allzu weit öffnet und man sich so leicht den Kopf stößt.

Was ihn antreibt: Da gibt es nur eine Option, und die umreißt ihre Charakteristik bereits hinlänglich durch die Modellbezeichnung „e-Boxer“. Ausführlich stellt sich das so dar, dass ein 110 kW/150 PS starker Zweiliter-Vierzylinder-Boxer-Saugbenziner mit 194 Newtonmetern Drehmoment Unterstützung von einem Elektromotor erfährt, der 12,3 kW/16,7 PS und 66 Newtonmeter bereitstellt, verbaut wurde er im Gehäuse des stufenlosen Lineartronic-Getriebes. Dabei handelt es sich um ein Mildhybridsystem. Die Lithium-Ionen-Batterie (13,5 kWh) wird also nicht extern an der Steckdose aufgeladen, sondern durch Rekuperation während der Fahrt und, bei höherem Tempo, auch vom Motor.

Wie er sich fährt: Fangen wir mit dem elektrischen Fahren an. Das, sagt Subaru, ist bei maximal 40 km/h bis zu 1,6 Kilometer weit möglich. Unser Testwagen mochte da nicht recht mitmachen und schaltete stets ziemlich unmittelbar den Verbrenner hinzu. Darüber wollen wir dem Forester aber nicht böse sein, denn – erstens – verhält sich das bei anderen Mildhybriden ganz genauso und – zweitens - liegt die Aufgabe des E-Motors ja darin, Sherpa für den Boxer zu spielen, sprich, ihn zu unterstützen.

Dank seines serienmäßigen Allradantriebs kapituliert der Forester auch vor widrigem Terrain nicht.

Dank seines serienmäßigen Allradantriebs kapituliert der Forester auch vor widrigem Terrain nicht. © Hersteller

Das klappt dann auch ziemlich gut. Der Benziner, dessen bescheidenes Drehmoment-Maximum erst verhältnismäßig spät – bei 4000 Touren anliegt – profitiert vom elektrischen Doping, recht flugs kommt der Forester vom Fleck, zumindest beim Anfahren, denn unterm Strich sind 11,8 Sekunden für den 0-auf-100-Standardsprint und eine Spitze von 188 km/h jetzt nichts, mit dem sich viel Staat machen ließe.

Sportliche Ambitionen hegt der Japaner freilich sowieso nicht, seine Berufung ist das komfortable Reisen und nicht das Rasen. Kurven werden eher bedächtig genommen, gleichzeitig gelingt es dem Forester aber, Frostaufbrüche und ähnliches Ungemach friedfertig auszubügeln. Die stufenlose Lineartronic-Automatik mit ihren programmierten Schaltstufen lässt den Motor zwar nicht ganz so missmutig aufheulen, wie man es von anderen Inhabern dieser Getriebegattung her kennt. Trotzdem führt der Umstand, dass die Drehzahl nicht der Geschwindigkeit folgt dazu, dass es bei hoher Leistungsabforderung laut wird im Cockpit.

Der serienmäßige, permanente Allradantrieb „X-Mode“ mit seinen Fahrprogrammen macht den Forester zwar nicht zum Extremkletterer, mit verschlammtem oder maßvoll steinigem Terrain wird er aber deutlich lässiger fertig als es das Gros der Crossover und SUVs schafft. Die Bergabfahrhilfe, die beim Downhill das Tempo festzurrt, aktiviert sich übrigens automatisch.

Was er verbraucht: Mehr, als wir uns von der Hybridtechnologie erhofft haben. Schon die Norm spricht von 8,1 l/100 km. Das ist ziemlich ehrlich. Im Schnitt haben wir 8,3 l verbraucht, bei forcierter Autobahnfahrt kann das schon mal in die Zweistelligkeit abdriften. Weil der Tank nur 48 Liter aufnimmt, muss man verhältnismäßig häufig eine Zapfstation aufsuchen.

Was er bietet: Bei der Ausstattung zeigt sich Subaru spendabel. Schon das Basismodell „Trend“ führt im Prinzip alles mit, was man so braucht, von der Zweizonen-Klimaautomatik über elektrisch einstell-, anklapp- und beheizbare Außenspiegel bis hin zu Rückfahrkamera, Audiosystem, Eyesight-Sicherheitssystem und Spurwechsel-, Totwinkel- sowie Querverkehrassistent.

Noch mehr bieten die Levels „Active“ und „Comfort“, das Topmodell heißt „Platinum“ und verlässt das Werk in Vollausstattung, elektrisches Panorama-Glasschiebedach, Ledersitze und Harman/Kardon-Audiosystem inklusive. Bleibt nicht allzu viel, was da noch draufzupacken wäre, eine andere als die Basisfarbe höchstens (640 oder, in Perleffect, 740 Euro), die Exklusiv-Lederausstattung (2850 Euro) oder eine Anhängerkupplung (abnehmbar 607 Euro).

Da es sich beim e-Boxer nicht um einen extern aufladbaren Plug-in-Hybriden handelt, gibt es keinen Umweltbonus.

Da es sich beim e-Boxer nicht um einen extern aufladbaren Plug-in-Hybriden handelt, gibt es keinen Umweltbonus. © Hersteller

Was er kostet: Ab 34.990 Euro. Das „Platinum“-Topmodell kommt auf 43.990 Euro.

Was wir meinen: Der Subaru Forester ist ein solides, hochwertig verarbeitetes und geräumiges SUV, das einerseits viel Reisekomfort bietet, andererseits aber auch diejenigen bedient, deren Alltag sie mitunter über unwegsameres Geläuf führt. Verbrauchstechnisch lässt das Hybridsystem noch Luft nach oben. Mehr als fair ist aber der Preis.

Die Daten des Subaru Forester 2.0ie

Antrieb: Permanenter Allradantrieb, stufenlose Lineartronic

VERBRENNUNGSMOTOR:

Boxer

Hubraum: 1995 ccm

Zylinder: 4

Leistung: 110 kW/150 PS bei 5600 - 6000/min

max. Drehmoment: 194 Nm bei 4000/min

ELEKTROMOTOR:

Permanentmagnet AC-Synchronmotor

Leistung: 12,3 kW/16,7 PS

Drehmoment: 66 Nm


Batterie: Lithium-Ionen

Kapazität: 13,5 kWh


Höchstgeschwindigkeit: 188 km/h

Beschleunigung 0 - 100 km/h: 11,8 sec

Normverbrauch WLTP: 8,1 l S/100

Testverbrauch: 8,3 l/100 km

CO2-Emission: 185 g/km

Schadstoffnorm: Euro 6d-ISC-FCM

Energie-Effizienzklasse: B


Länge: 4,64 m

Breite: 1,82 m ohne, 2,07 mit Außenspiegeln

Höhe: 1,73 m

Sitzplätze: 5

Kofferraum: 509 bis 1779 l

Kraftstoff-Tank: 48 l

Leergewicht: 1658 kg

zulässiges Gesamtgewicht: 2185 kg

Anhängelast: 1870 kg (gebremst), 750 kg (ungebremst)


Versicherungs-Typklassen: 16 (HP), 23 (TK), 25 (VK)

Preis: ab 34.990 Euro

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