Fährt auch elektrisch

Im Fahrbericht: Kia Sorento 1.6 T-GDI Plug-in-Hybrid

Ulla Ellmer

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5.11.2021, 16:39 Uhr
Kia Sorento Plug-in-Hybrid: Mit etwa 45 Kilometern bestätigt sich die elektrische Norm-Reichweite in der Praxis nicht.

Kia Sorento Plug-in-Hybrid: Mit etwa 45 Kilometern bestätigt sich die elektrische Norm-Reichweite in der Praxis nicht. © Hersteller

Wie er aussieht: Groß, wuchtig, selbstbewusst. Mit 4,81 Metern Länge und 2,17 Metern Breite zählt der Sorento zu jenen SUVs, die man nur schwerlich übersehen kann. Kia verweist sonst gerne auf den europäischen Background seiner Modelle, beim kompakten Ceed ist das beispielsweise so. Der im südkoreanischen Hwasung produzierte Sorento hingegen bedient ersichtlich auch US-amerikanisches Geschmacksempfinden, mit einer Front, der ein präsenter Kühlergrill ins Gesicht geschrieben steht und einer Heckpartie, die sich mit einem sportlichen Dachkantenspoiler und dem senkrechten Doppel der Rückleuchten schmückt.

Wie er eingerichtet ist: Was die Verarbeitungsqualität betrifft, hat sich das Kia-Portfolio zurecht einen tadellosen Ruf erworben. Auch der Sorento fährt mit feinen Materialien und angenehmer Haptik dicht am Premium-Standard, zumal in der von uns gefahrenen Topversion „Platinum“. Im Blickfeld von Fahrer respektive Fahrerin richten sich die inzwischen gängigen Digitalanzeigen sowie ein Head-up-Display ein, letzteres bleibt dem Platinum-Level vorbehalten und wird hier serienmäßig installiert. Bereits auf zweithöchstem „Spirit“-Level gehört auch Leder zum Lieferumfang, die einen Kunden mögen das mit Wohlwollen registrieren, in einem zunehmend veganisierten Klima könnten es andere aber als Nachteil empfinden, dass keine Alternative bestellt werden kann.

Viel los im Cockpit: Die Bedienfunktionen im Sorento sind vielfältig.

Viel los im Cockpit: Die Bedienfunktionen im Sorento sind vielfältig. © Hersteller

Wie er mit sich umgehen lässt: In einem Mix aus Touchen und Sliden, was den 26 Zentimeter breiten Infomonitor mit seiner glasklaren Bildumsetzung betrifft, aber auch aus Tasten, Drücken und Rädchen-Drehen. Die Fahrstufen der Sechsgang-Automatik werden über einen Drehregler angewählt. Bedientechnisch ist somit ganz schön was los im Sorento, wir fanden, dass es die Interieurdesigner mit dem wilden Miteinander verschiedener Elemente übertrieben haben. Und nicht alles ist ergonomisch sinnstiftend, die Taste für die Lenkradheizung etwa gehört nicht blickfern auf die Mittelkonsole.

Toll gelöst hat Kia hingegen das Problem mit dem Toten-Winkel: Bei gesetztem Blinker wird das Geschehen im nicht einsehbaren Bereich auf das Fahrerdisplay eingespielt. Das funktioniert bestens, allerdings nur, solange die Fahrbahn trocken ist, sobald Spritzwasser aufgewirbelt wird, trübt sich Bild ein. Von der Sprachassistenz bekamen wir allzu oft zu hören, dass die Hintergrundgeräusche zu laut seien, um unseren Wunsch verstehen zu können.

Das Navi wiederum liefert Echtzeit-Verkehrsdaten und informiert über Tankstellen, Kraftstoffpreise sowie – speziell beim Plug-in-Hybriden - Ladestationen, per Smartphone erfolgt auf den letzten Metern die Fußgänger-Wegführung bis zum Ziel. Und ein wachsamer Assistent weist per Warnton auf stationäre Geschwindigkeitsmessanlagen hin, um nach Passieren derselben mit einer nunmehr fröhlicheren Klangfolge zu signalisieren, dass die Gefahr vorüber ist. Apropos Klang: Auf Wunsch beliefert die Bose-Anlage den Innenraum mit diversen Soundkulissen, die von sanftem Meeresrauschen über – bestimmt beliebt im Winter – einem prasselndes Kaminfeuer bis hin zum munter frequentierten Straßencafé reichen.

Wie viel Platz er hat: Jede Menge. Wie viele der größeren SUVs hat auch der Sorento Anleihen beim Raumkonzept der aus der Mode gekommenen Vans genommen. Die zweite Sitzreihe ist verschiebbar und umklappbar, als Alternative zu dieser Dreier-Rückbank lässt sich das Topmodell „Platinum“ mit zwei einzelnen, wiederum verschieb- und klappbaren Einzelsitzen möblieren (990 Euro), und als weitere Option (ebenfalls 990 Euro) gibt es die Option zweier zusätzlicher und mit separater Klimasteuerung ausgestatteter Sitzplätze in dritter Reihe, was den Sorento zum Sechs- beziehungsweise Siebensitzer macht. Allen Passagieren stehen USB-Anschlüsse zur Verfügung.

Die beiden hinteren Zusatz-Sitze lassen sich wegklappen.

Die beiden hinteren Zusatz-Sitze lassen sich wegklappen. © Hersteller

Das Gepäckabteil des Fünfsitzers bietet opulente 898 bis 2077 Liter Fassungsvermögen. Praktisches Detail: Unter dem Ladeboden wartet ein Staufach auf das Ladekabel.

Was ihn antreibt: Die Antriebs-Arbeit teilt sich der 132 kW/186 PS starke und 265 Newtonmeter produzierende 1,6-l-Vierzylinder-Turbobenziner mit einem Elektromotor, der 67 kW/91 PS sowie 304 Newtonmeter beisteuert. Das Teamwork generiert eine Systemleistung von 195 kW/265 PS und ein Systemdrehmoment von 350 Newtonmetern. Damit setzt sich der Plug-in-Hybrid leistungstechnisch an die Spitze des Sorento-Programms, das außerdem noch einen Vollhybrid-Benziner sowie einen Diesel vorsieht. Zum elektrischen Part des Plug-ins gehört ein 13,8-kWh-Akku. Und: Anders als beim Vollhybriden und beim Diesel, die auch als Fronttriebler erhältlich sind, werden die Antriebskräfte grundsätzlich an alle vier Räder weitergeleitet.

Wie er sich fährt: Über einen Taster auf der Mittelkonsole lässt sich die Entscheidung treffen, ob der Sorento ausschließlich elektrisch fahren soll (EV-Modus, bis 140 km/h) oder – dann im HEV-Betrieb – eher auf den Verbrenner setzt; die Automatik-Schalte wiederum aktiviert situationsbedingt die sinnvollste Art des Antriebs. Das Zusammenspiel zwischen strom- und spritgespeistem Fahren funktioniert sehr gut, vor allem in der Stadt übernimmt häufig der Elektromotor, und solange noch E-Reserven vorhanden sind, kann der PHEV-Sorento auch beim Beschleunigen und überhaupt beim zügigen Vorankommen auf der Autobahn aus dem Vollen seiner 265 PS schöpfen.

Sobald der Akku aber leer ist, vermag der nunmehr allein verantwortliche Benziner eine gewisse Anstrengung nicht zu verhehlen, auch akustisch übrigens nicht. Und die an sich geschmeidig schaltende Sechsgang-Wandlerautomatik leistet sich bei höherer Leistungsanforderung einen winzigen Moment des Nachdenkens, bis sie reagiert.

Die Traktionsstärke des Allradantriebs wirkt sich bereits bei Nässe vorteilhaft aus, die „All-Terrain-Mode“-Funktion des Dreh-Drück-Reglers auf der Mittelkonsole ermöglicht Feintuning für verschneiten, schlammigen oder sandigen Untergrund.

Mit 2015 Kilogramm ist der Plug-in-Hybrid alles andere als ein Leichtgewicht und, wenig überraschend, der Schwerste in der Sorento-Palette. Charakterlich agiert er folglich weniger als agiler Bruder Leichtfuß, sondern als gediegen-gemütlicher Gleiter, dem es zur letzten Perfektion aber vor allem auf ruppigem Untergrund etwas an Fahrkomfort fehlt.

Zweite

Zweite "Tankklappe": Hinten rechts befindet sich der Stromanschluss. © Hersteller

Wie weit er elektrisch kommt: Die WLTP-Norm spricht von 57 Kilometern. Sollten die strengeren Richtlinien für Plug-in-Hybride umgesetzt werden, müsste sich der Sorento PHEV ab kommendem Jahr auf seine CO2-Emissionen (36 g/km) berufen, um noch weiterhin von der Umweltprämie – 5625 Euro netto - profitieren zu können. Fiele das CO2-Kriterium ab Oktober weg, gäbe es keine Bundes-Subventionen mehr.

In der Praxis konnten wir zumeist um die 45 Kilometer rein elektrisch zurücklegen.

Wie er lädt: Gleichstrom-Schnellladen kann der Sorento Plug-in-Hybrid nicht, er „tankt“ nur Wechselstrom, dies dreiphasig und bis 3,3 kW. Das ist keine besonders starke Leistung, liegt aber im Bereich dessen, was Plug-in-Hybride gängigerweise bieten. Rein rechnerisch braucht es etwas über vier Stunden, um die leere Batterie an der Wallbox oder öffentlichen Ladesäule wieder komplett zu laden. An der ganz normalen Steckdose sind rund fünfeinhalb Stunden einzukalkulieren. Serienmäßig liegt dem Sorento PHEV leider nur ein Ladekabel für eben die Haushaltssteckdose bei.

Was er verbraucht: Eine valide Aussage zu treffen ist beim Plug-in-Hybriden nicht ganz einfach, da der elektrische Anteil an der Fahrstrecke variiert. Im Schnitt waren wir mit 7,8 l/100 km dabei, plus Fahrstrom. Eine Langstreckenfahrt im reinen Verbrenner-Betrieb und bei zügigem Autobahntempo wurde mit 9,2 l/100 km quittiert. Wissen sollte man, dass der Kraftstofftank nur bescheidene 47 Liter fasst – ganze 20 Liter weniger als beim Vollhybriden beziehungsweise Diesel.

Der luxuriöse Sorento ist das Topmodell im Kia-Programm.

Der luxuriöse Sorento ist das Topmodell im Kia-Programm. © Hersteller

Was er bietet: Bis auf die Basisausstattung „Edition7“ bietet Kia für den Plug-in-Hybriden alle Sorento-Levels an. Los geht’s bei „Vision“; 19-Zoll-Leichtmetallfelgen, Klimaautomatik, Rückfahrkamera, Sitzheizung, Autobahn-, Spurhalte- und Stauassistent, navigationsbasierter Adaptiv-Tempomat, Navigationssystem und Voll-LED-Scheinwerfer gehören zum generösen Lieferumfang.

Eine sinnvolle Wahl ist „Spirit“, hier addieren sich Bose-Surroundsystem mit zwölf Lautsprechern, Ambientelicht, Ausstiegsassistent (zum Schutz von Radfahrern), elektrische Heckklappe, Querverkehrwarner und Lederausstattung hinzu.

Die Opulenz des Topmodells „Platinum“ braucht vielleicht nicht jeder, wer Head-up-Display, Rundumsichtkamera, den Totwinkel-Assistenten mit Monitoranzeige oder ferngesteuertes Ein- und Ausparken (Remote Parkassistent) auf der Wunschliste hat, kommt um die höchste Ebene aber nicht herum. Die genannten Details gibt es dann ab Werk.

Was er kostet: Als „Vision“ ab 54.940 Euro. „Spirit“ kommt auf mindestens 58.940, „Platinum“ auf 62.940 Euro.

Was wir meinen: Wer das Automobil-Angebot nach einem Plug-in-Hybriden mit umfangreicher bis luxuriöser Ausstattung und viel variablem Platz durchforstet, landet mit dem Kia Sorento 1.6 T-GDI Plug-in-Hybrid sicherlich einen Treffer. In Kauf genommen werden müssen Einschränkungen beim Fahrkomfort – und dass manche erstrebenswerte Ausstattungsdetails nur der höchsten Ausstattungsstufe vorbehalten bleiben. Das elektrische Talent des Teilzeitstromers zahlt sich wie stets nur für den aus, der viel Kurzstrecke fährt und Ladedisziplin an den Tag legt. Langstreckenfahrer sind mit dem rund 8500 Euro günstigeren Sorento Diesel besser bedient.

Die Daten des Kia Sorento 1.6 T-GDI

VERBRENNUNGSMOTOR: Hubraum 1598 ccm, Zylinder 4, Leistung 132 kW/180 PS bei 5500/min, max. Drehmoment 265 Nm bei 1500 - 4500/min. ELEKTROMOTOR: Leistung 66 kW/91 PS bei 2100 – 3300/min, max. Drehmoment 304 Nm bei 0-2100/min. Systemleistung 195kW/265 PS, Systemdrehmoment 350 Nm. Spitze 193 km/h, rein elektrisch 140 km/h, Beschleunigung 0 auf 100 km/h in 8,7 sec, Normverbrauch 1,3 l S, 16,1 kWh/ Strom pro 100 km. Testverbrauch 7,8 l/100 km. CO2-Emission 36 g/km, Schadstoffklasse Euro 6d, Energie-Effizienzklasse A+++, Länge 4,81 m, Breite 1,90 m ohne, 2,17 m mit Außenspiegeln, Höhe 1,70 m (mit Dachreling), Kofferraum 898 bis 2077 l, Kraftstoff-Tank 47 l, Leergewicht 2015 - 2130 kg, zulässiges Gesamtgewicht 2530 kg, Zuladung 515 kg, Anhängelast 1500 kg (gebremst), 750 kg (ungebremst). 6-G-Automatik, Allradantrieb. Versicherungs-Typklassen 19 (KH), 25 (TK), 27 (VK). Preis ab 54.940 Euro.

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