Immer elektrifiziert

Neuer Mercedes GLC: Mehr Luxus, mehr Hightech – und ein Preissprung

Ulla Ellmer

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24.9.2022, 09:43 Uhr

© Hersteller

Früher einmal waren es die eleganten Limousinen, die das Bild von Mercedes geprägt haben. Heute ist ein SUV der Bestseller. In den letzten zwei Jahren, sagt Vertriebs-Vorstand Britta Seeger, sei der GLC „das meistverkaufte Mercedes-Modell und eines der wichtigsten Fahrzeuge unseres Produktportfolios“ gewesen.

Entsprechende Bedeutung misst man der Neuauflage des Midsize-SUVs zu. Es ist die zweite Generation, die ab Herbst vorfährt, bezieht man auch den 2008 vorgestellten GLK mit in die Ahnenreihe ein, sogar schon die dritte.

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Bereits besagter GLK war auf der Plattform der Mercedes C-Klasse enstanden, sein Aussehen - kantig und eigenwillig proportioniert - durchaus nicht unumstritten. 2015 erfolgte die Wachablösung durch den GLC, dessen schwungvollerer Auftritt in seinen Grundzügen auch jetzt beibehalten wird, dies aber in modernerer Modellierung, unter anderem mit neuer Front und allerlei Chromzierrat, letzterer ist auf das nunmehr serienmäßige „Avantgarde“-Exterieur zurückzuführen. Breite Spur, Unterfahrschutz („nonfunktional“, wie es heißt, bloßer Schmuck also) und Dachreling unterstreichen den SUV-Charakter, was insofern legitim ist, als auch weiterhin alle Varianten mit Allradantrieb arbeiten. Seinen Vorgänger überflügelt der neue GLC um sechs Längenzentimeter, Höhe und Breite bleiben hingegen unverändert. Der Luftwiderstandsbeiwert (cw) sinkt auf 0,29, nicht schlecht für ein SUV und hinsichtlich des Spritverbrauchs eine vielversprechende Größe.

Das Upgrade des Basismodells auf Avantgarde-Level hat auch zur Folge, dass gleich zwei tabletartige Bildschirme für die digitalen Einblicke zuständig sind, ein Monitor übernimmt die Funktion des Fahrerdisplays, der andere, gut 30 Zentimeter groß und leicht fahrerorientiert, öffnet das Tor zum exzellenten MBUX-Infotainment. Die Screens stehen für den technoiden Teil des Interieurs, der Rest ist luxuriöse Gediegenheit vom Feinsten, vieles muss erwartungsgemäß extra bezahlt werden, die belederte Instrumententafel etwa oder das offenporige Holzfurnier, das von Intarsien aus Aluminium durchzogen wird.

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Drei der sechs Zentimeter des Längenwachstums entfallen auf den hinteren Überhang, davon profitiert wiederum das Gepäckabteil, das 70 Liter mehr aufnimmt als bislang und es so auf ein Volumen von 620 Litern bringt.

Nach Sechs- oder gar Achtzylindern durchsucht der Kunde das Motorenprogramm vergebens. Es sind ausschließlich Zweiliter-Vierzylinder-Benziner und -Diesel, die sich ans Werk begeben, allesamt elektrifiziert, aber in unterschiedlichem Maße.

Da sind zunächst vier Mildhybride mit 48-Volt-Technik und einem 17-kW/23-PS-Elektromotor, der in Gestalt eines integrierten Startergenerators verbaut ist und einerseits den Verbrenner im niedrigen Drehzahlbereich unterstützt, andererseits aber auch Spar-Funktionen wie antriebsloses „Segeln“, Boost oder Rekuperieren (Energierückgewinnung) ermöglicht. Zur Garde der Otto-Mildhybride zählen das Einstiegsmodell GLC 200 (150 kW/204 PS) und der GLC 300 (190 kW/258 PS), die Diesel-Fraktion wird durch GLC 220d (145 kW/197 PS) sowie GLC 300d (198 kW/269 PS) vertreten.

Bis zu 130 Kilometern E-Reichweite

Zum Jahresende folgen drei Plug-in-Hybride, die Vorbehalte gegenüber der Gattung insofern entkräften, als sie ungewöhnlich hohe Reichweiten von – modellabhängig – 112 bis 130 Kilometern bieten. Dahinter steckt eine Batterie mit 31,2 kWh Nennkapazität, sie speist einen 100 kW/136 PS starken E-Motor, der wiederum ein elektrisches Drehmoment von 440 Newtonmetern produziert. In den GLC-PHEVs steckt somit tatsächlich schon fast ein vollwertiges Elektroauto – ein Mazda MX-30 hat mit 35,5 kWh und (in der Praxis anzuzweifelnden) 200 Kilometern gar nicht so sehr viel mehr zu bieten.

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Und noch eine Besonderheit gibt es: Ergänzend zu GLC 300e (Systemleistung 230 kW/313 PS) und GLC 400e (280 kW/381 PS) kann mit dem 245 kW/335 PS starken GLC 300de einer der raren Diesel-Plug-in-Hybride geordert werden, die es nur noch bei Mercedes gibt. Ebenfalls nicht Usus unter Teilzeitstromern ist die optionale DC-Schnellladefähigkeit, konkret mit 60 kW. Wechselstrom aus der Wallbox beziehen die GLC-PHEVs dreiphasig und mithilfe eines 11-kW-Chargers.

Wendig dank Hinterachslenkung

Dass der GLC immer den Allradantrieb 4Matic bekommt, hat bereits Erwähnung gefunden, eine 9-G-Automatik nimmt die Schaltarbeit ab, gegen 3320 Euro Aufpreis (Technik-Paket, auch inklusive Luftfederung und Niveauregulierung) sorgt eine Hinterachslenkung für bessere Manövrierbarkeit, indem sie den Wendekreis um 90 Zentimeter auf 10,9 Meter verkleinert.

Bei Gespannfahrern dürfte das neue Anhänger-Menü Interesse finden, es fragt die Art des Objekts auf dem Haken ab (groß? klein? Wohnwagen? Fahrradträger?) und berücksichtigt diese Information auch bei der Routenplanung – etwa, indem zu geringe Durchfahrtbreiten und -höhen gemieden werden. Und im Gelände hilft die „transparente Motorhaube“ – das Zentraldisplay gewährt einen virtuellen Blick unter das Fahrzeug und macht so Hindernisse wie große Steine oder Schlaglöcher sichtbar. Speziell den Plug-in-Hybriden kommt offroad zudem die E-Kompetenz zugute. Die rein elektrische Geländefahrt empfiehlt sich nicht nur der lokalen Emissionfreiheit wegen, sondern auch, weil das volle Drehmoment typischerweise vom Fleck weg bereitsteht, das macht es möglich, die Kräfte ebenso fein wie präzise und damit kontrolliert zu dosieren.

Premium-Navi serienmäßig

Für Mercedes-Verhältnisse bringt der neue GLC schon ab Werk ungewöhnlich viel mit: Die MBUX-Navigation Premium mit den großen Displays beispielsweise, Smartphone-Integration mit induktiver Ladefunktion, Sitzheizung und elektrische Heckklappe. Das, so heißt es herstellerseitig, gehöre zur neuen Luxusstrategie der Marke. Allerdings geht damit auch ein gehöriger Preissprung einher: Unter 57.632 Euro ist beim GLC nichts mehr zu machen. Beim Vorgänger hat der Einstieg noch rund 9500 Euro weniger gekostet.

Ulla Ellmer

Mercedes GLC in Kürze:

Wann er kommt: Ist bereits bestellbar

Wen er ins Visier nimmt: BMW X3, Audi Q5, Volvo XC60, Jaguar F-Pace

Was ihn antreibt: Zweiliter-Vierzylinder-Benziner mit 150 kW/204 PS und 190 kW/258 PS, Zweiliter-Vierzylinder-Diesel mit 145 kW/197 PS und 198 kW/269 PS. Benzin-Plug-in-Hybride mit 230 kW/313 PS und 280 kW/381 PS, Diesel-Plug-in-Hybrid mit 245 kW/335 PS

Was er kostet: Ab 57.632 Euro

Was noch folgt: AMG-Varianten, ziemlich sicher auch wieder ein GLC Coupé

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