470 Kilometer Reichweite

Renault Mégane E-Tech Electric: Franzose unter Strom

Ulla Ellmer

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25.11.2021, 19:51 Uhr
Renault lässt den Mégane Electric im nordfranzösischen Douai bauen.

Renault lässt den Mégane Electric im nordfranzösischen Douai bauen. © Hersteller

Man kann Renault keinesfalls vorwerfen, die Elektromobilität verschlafen zu haben. Im Gegenteil: Schon 2012 haben die Franzosen – damals milde belächelt - die rein batterieelektrische Version der Stufenhecklimousine Fluence auf die Straße geschickt. Der Kleinwagen Zoe stromert bereits in zweiter Generation umher, der quad-artige Twizy ist seit 2011 fest etabliert. Und den Twingo gibt es sowieso nur noch als Stromer.

Elektro-Plattform für den Neuen

Im März 2022 bricht nun auch für den kompakten Mégane das elektrische Zeitalter an. Allerdings gilt es hier, Genauigkeit walten zu lassen. Mit dem Mégane, wie man ihn als Benziner, Diesel oder Plug-in-Hybrid kennt, hat der E-Tech Electric nämlich gar nichts zu tun. Er ist ein komplett neues Auto, das aus einer speziellen Elektro-Plattform (CMF-EV) hervorgeht. Allianz-Partner Nissan nutzt sie für sein kommendes Strom-SUV Ariya.

Der Gegner aus dem Hause VW heißt also nicht Golf, sondern ID.3 oder ID.4. Wobei eigentlich eher der Cupra Born als unmittelbarer Opponent einzustufen ist. Denn die Renault-Designer haben den 4,21 Meter langen Mégane Electric in das Outfit eines sportlich-muskulösen Hatchbacks mit leichter Tendenz zum Crossover gesteckt. Heißt auch: Vom SUV-Look, der unter Stromern weit verbreitet hat, haben die Franzosen die Finger gelassen.

Kurze Karosserieüberhänge, muskulöse Formen und auf Wunsch große Räder prägen den optischen Auftritt.

Kurze Karosserieüberhänge, muskulöse Formen und auf Wunsch große Räder prägen den optischen Auftritt. © Hersteller

Der elektrische Mégane fährt in zwei Leistungsstufen vor, die sich auch hinsichtlich Akkugröße und Ladefähigkeit unterscheiden. Das Basismodell leistet 96 kW/130 PS, nutzt einen 40-kWh-Akku und schafft mit einer Batterieladung 300 Kilometer Reichweite. An der 11-kW-Wallbox bedient sich der Einsteiger nur einphasig und mit bis zu 7,4 kW, die Gleichstrom-Schnellladesäule wird mit maximal 85 kW angezapft.

Tanken an der Turbosäule

Die Topvariante bringt es auf 160 kW/218 PS, ihr Akku verfügt über 60 kWh Speicherkapazität, das Laden von Wechselstrom funktioniert dreiphasig. An der Turboladesäule wird mit maximal 130 kW angedockt. Zum Vergleich: VW ID.3 und Cupra Born tun dies mit 125 kW. Der Mègane-Electric soll binnen einer halben Stunde Strom für 200 Kilometer Fahrt tanken können.

Mit elf Zentimetern baut die Batterie verhältnismäßig flach, relativ leicht (395 kg) ist sie außerdem, sodass der Mégane Electric nach E-Auto-Maßstäben als Leichtgewicht durchgehen kann, nur 1642 kg bringt er auf die Waage. Außerdem hat ihn Renault zum bidirektionalen Laden ertüchtigt, was bedeutet, dass er Strom nicht nur konsumieren, sondern auch ins Netz zurückspeisen kann.

Das Infotainment wurde gemeinsam mit Google entwickelt.

Das Infotainment wurde gemeinsam mit Google entwickelt. © Hersteller

Vielleicht auch mit Allradantrieb

Anders als viele andere Stromer setzt der französische Elektriker auf Frontantrieb. Gut denkbar aber, dass zu einem späteren Zeitpunkt ein Allradmodell mit zweitem E-Motor an der Hinterachse folgt.

Blick nach drinnen: Das Interieur erweist sich als wertig eingerichtet und geräumig, etwas eingeschränkt könnten sich nur die Hinterbänkler fühlen. Einen „Frunk“ unter der Fronthaube gibt es nicht, aber große Ablagen im Fahrgastbereich. In den Heck-Kofferraum passen mindestens 440 Liter, ein Extra-Fach nimmt die Ladekabel auf. Allerdings fällt die Ladekante recht hoch aus. Das hat uns nicht ganz so gut gefallen, ebensowenig wie das gefühlt schießschartenschmale Heckfenster, ohne Rückfahrkamera geht es letztlich nicht.

Google fährt mit

Die Instrumentierung kombiniert zwei Displays zu einer Breitbildlandschaft in Form eines liegenden „L“. Hinter dem Android-basierten digitalen Öko-System steckt Meister Google mit seinen erprobten Diensten wie Maps oder Assistant, via Sprachbefehl („Hey Google“) lässt sich beispielsweise die Temperatur einstellen oder das Navi programmieren. Und zu den teilautomatisierten Kompetenzen gehört, dass der Mégane Electric Tempolimits automatisch beachtet, den Abstand zum Vordermann ebenso hält wie die Spur und Kurven oder Kreisverkehre mit vorausschauend angepasster Geschwindigkeit ansteuert.

Den konventionellen Bruder löst der Electric vorerst nicht ab - er darf noch bis 2024 bleiben.

Den konventionellen Bruder löst der Electric vorerst nicht ab - er darf noch bis 2024 bleiben. © Hersteller

Wir lenken den Mégane Electric auf die Straße und erfreuen uns einmal mehr an den Vorzügen des elektrischen Fahrens. Dank des unmittelbar anliegenden Drehmoments (300 Newtonmeter) nimmt der Franzose ansatzlos Fahrt auf, die direkte Lenkung und das sauber abgestimmte Fahrwerk befördern die Agilität ebenso wie die erwähnte Leichtigkeit des Seins, über Schaltwippen lassen sich insgesamt vier Rekuperationsstufen ansteuern. Zu den Fahrleistungen gibt es zu sagen, dass der Sprint von 0 auf 100 km/h in 7,4 Sekunden erfolgt und die Elektronik bei 160 km/h einen Punkt macht.

Der konventionelle Mégane bleibt übrigens noch bis 2024 im Programm. Für den E-Tech Electric öffnen sich die Bestellbücher im Februar, beim Händler steht der neue Stromer ab März. Preisvorstellungen will Renault Mitte Dezember definieren. Spekulationen ranken sich um einen Einstieg im mittleren 30.000er-Bereich.

Renault Mégane E-Tech Electric

Wann er kommt: Bestellbar ab Februar 2022, beim Händler ab März

Wen er ins Visier nimmt: VW ID.3 und ID.4, Cupra Born

Was ihn antreibt: Elektromotor mit 96 kW/130 PS oder 160 kW/218 PS.

Was er kostet: Noch nicht bekannt

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