Nach Twitter-Übernahme von Elon Musk

Echte Alternative zu Twitter? Das hat es mit Mastodon auf sich

Markus Maisel

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29.4.2022, 07:49 Uhr
Auf Mastodon wird nicht "getwittert", sondern "getröttet". Das Symbol des sozialen Mediums ist der Urzeit-Elefant Mastodon.

© Mastodon Auf Mastodon wird nicht "getwittert", sondern "getröttet". Das Symbol des sozialen Mediums ist der Urzeit-Elefant Mastodon.

Nach dem Verkauf des Social-Media-Giganten Twitter an Elon Musk wollen viele User der Plattform den Rücken kehren. Der Grund: Elon Musk plant, nach eigenen Angaben, mehr "Meinungsfreiheit" auf der Plattform zuzulassen: "I hope that even my worst critics remain on Twitter, because that is what free speech means", twitterte Musk vor einigen Tagen. Übersetzt: "Ich hoffe, dass selbst meine schlimmsten Kritiker auf Twitter bleiben, denn das ist es, was Redefreiheit bedeutet."

Mehr Hass durch mehr Meinungsfreiheit?

Doch die Pläne des Tech-Multimilliardärs haben auch seine Schattenseiten. Unter dem Deckmantel der Redefreiheit dürften sich Hassbotschaften, Hetze und Propaganda ungefiltert auf Twitter verbreiten. Patrick Breyer, Digitalexperte der Piratenpartei, hat im Gespräch mit der ARD daher zu einem Plattformwechsel geraten.

Eine Plattform, die bei vielen Twitter-müden Usern derzeit beliebt ist, ist das soziale Medium Mastodon. Vor einigen Tagen trendete die bislang recht Plattform in Twitter-Deutschland. Mastodon gibt es bereits seit 2016, entwickelt wurde es vom deutschen Entwickler Eugen Rochko. Doch was kann die neue Trendplattform?

Mastodon ist eine Twitter-Alternative, wie sie im Buche steht: Funktionen, die Twitter zu einem weltweit bekannten sozialen Medien gemacht haben, gibt es auch bei Mastodon. Tweets heißten "Toots", Retweets werden durch "Boosts" ersetzt und statt auf den Like-Button klicken User auf das "Favorites"-Feld. Einen Vorteil finden User bei Mastodon in der maximalen Zeichenanzahl: Statt 140 Zeichen können die "Toots" der User bis zu 500 Zeichen enthalten.

Was Mastodon enorm von Twitter unterscheidet: Bei der Plattform handelt es sich um eine dezentralisierte Plattform. Hinter Mastodon steckt kein Unternehmen - und somit werden auch keine finanziellen Interesse verfolgt: Werbung sucht man auf Mastodon daher vergeblich.

Tausende kleine Gruppen

Stattdessen gibt es kleinere Instanzen oder Gruppen. Sie bilden mit eigenen Servern selbst eigene kleinere Netzwerke. Laut einer Hilfeseite gibt es derzeit 3.084 Instanzen mit insgesamt 2.598.145 Usern. Wichtig: Die Anmeldung läuft anders ab als bei Twitter: Zunächst muss man die Instanz, in der man "tröten" möchte eingeben; anschließend meldet man sich mit E-Mail-Adresse und Passwort an.

Doch nicht allen Instanzen kann man sofort beitreten. Oft müssen User auf die Zustimmung des Admins warten, bevor sie in eine "geschlossene Gesellschaft" eintreten können. Zudem gibt es in jeder dieser "geschlossenen Gesellschaften" individuelle Regeln, was unerwünschte Inhalte und thematische oder geographische Schwerpunkte angeht. Somit können sich User, die ähnlich gesinnt sind oder an einem bestimmten Ort leben, besser zusammenfinden.

Seit einigen Tagen verzeichnet das Netzwerk regen Zulauf. Startet Mastodon nun als erfolgreiche Twitter-Alternative durch? Gründer Eugen Rochko gibt sich der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gegenüber bescheiden: "Dieser Erfolg ist aufregend und furchteinflößend zugleich. Niemand bereitet dich darauf vor. Immerzu frage ich mich, ob ich alles was ich kann auch tue in der derzeitigen Situation."

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