Verbrechen stiegen mit dem Camping-Boom rasant

Auch Diebe lieben Wohnmobile: So sichern Sie Ihren Camper gegen Einbruch und Diebstahl

Reiseredakteur Matthias Niese
Matthias Niese

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24.1.2023, 08:00 Uhr
Horror für jeden Camper: Diebe brechen in ein Wohnmobil ein und versuchen, es auszuräumen oder zu stehlen. Das lässt sich verhindern.

© Matthias Niese erstellt mit KI Dall-E-2, NN Horror für jeden Camper: Diebe brechen in ein Wohnmobil ein und versuchen, es auszuräumen oder zu stehlen. Das lässt sich verhindern.

Früher geisterte diese Horrorgeschichte durch die Camper-Gemeinde: Ganoven leiten nachts auf Autobahnrastplätzen durch Schlitze im Fahrzeug Gas ins Innere, um die Insassen zu betäuben und dann Wohnmobil oder Wohnwagen in Ruhe auszurauben. Viele verweisen Erzählungen wie diese gern ins Reich der Legende, doch Wohnmobile und Wohnwagen sind inzwischen immer öfter leichte Beute für Gangster.

Diese Karte zeigt, wo 2022 am meisten Wohnmobile in Deutschland gestohlen wurden.

Diese Karte zeigt, wo 2022 am meisten Wohnmobile in Deutschland gestohlen wurden. © moving intelligence

Die haben nämlich erkannt, dass die Nachfrage riesig ist, die Fahrzeuge und ihr Inhalt hohen Wert haben. Und es mit den steigenden Zulassungszahlen überall in Ferienzielen und in Deutschland genug Objekte gibt, die sie knacken können. Alleine zwischen 2017 und 2020 wurden laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft rund 18 Prozent mehr Campingfahrzeuge geklaut.

Die Karte von Moving Intelligence verrät, wo in Deutschland besonders viele Fahrzeuge geklaut wurden - Bayern scheint recht sicher zu sein, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Norddeutschland stechen negativ hervor. Hier verraten wir Ihnen Ihnen alles Wissenswerte zu Wohnmobildiebstählen - und was Sie dagegen tun können.

Was passiert mit gestohlenen Wohnmobilen?

Die entwendeten Fahrzeuge werden in der Regel als ganze oder teilzerlegte Fahrzeuge weiterverkauft. Dafür werden häufig Zulassungsdokumente und Kaufverträge gefälscht, um die potentiellen Käufer zu täuschen. Kommt Ihnen im Verkaufsgespräch oder bei der Besichtigung etwas komisch vor, sollten Sie nachhaken oder die Finger davon lassen. In seltensten Fällen werden die Fahrzeuge entwendet um damit selbst zu verreisen.

Wie können Sie Ihr Wohnmobil sichern?

Schon ein paar einfache Maßnahmen reichen, um Ihr Wohnmobil, Ihren Wohnwagen und die Gegenstände darin gegen Diebstahl schützen. Der Hersteller LMC Caravan etwa rät:

  • Stellen Sie das Wohnmobil bzw. den Wohnwagen an einem überwachten Campingplatz oder Stellplatz ab.
  • Stellen Sie das Wohnmobil bzw. den Wohnwagen in Garagen oder auf eingefriedeten Grundstücken ab oder parken Sie, sofern Ihnen diese Möglichkeiten nicht zur Verfügung stehen, möglichst an gut beleuchteten, belebten und nicht abseits gelegenen Straßen.
  • Lassen Sie keine Wertgegenstände im Wohnmobil bzw. Wohnwagen.
  • Schließen Sie das Wohnmobil bzw. den Wohnwagen immer ab, auch wenn Sie nur kurz weg sind.

    Wo abstellen, wenn Sie nicht damit verreisen?

    • Schließen Sie Wohnmobile und Wohnwagen außerhalb ihrer Nutzung in einer Halle bzw. Garage ein oder stellen Sie sie auf einem robust eingefriedeten Grundstück ab.
    • Die Halle bzw. Garage oder auch das Grundstück kann mittels Meldetechnik und Videotechnik überwacht werden.
    • Achten Sie darauf, dass das Gelände und die Zufahrten bei Dunkelheit ausreichend beleuchtet sind.

      Diese mechanischen Sicherungen schützen Wohnwagen

      • Statten Sie Ihr Wohnmobil oder Ihren Wohnwagen mit einer Radkralle aus, wenn Sie das Fahrzeug etwa an einer öffentlichen Straße oder einem schwer einsehbaren Ort parken. Sie eignet sich auch für Dauercamper, die es über längeren Zeitraum an einem Ort abstellen.
      • Nutzen Sie zur Sicherung der Anhängerkupplung Kastenschlösser, Stülpschlösser oder andere Lösungen, die das unbefugte Anhängen des Wohnwagens an ein Zugfahrzeug verhindern.
      • Ziehen Sie die Demontage der Räder in Erwägung, wenn Ihr Wohnwagen für längere Zeit nicht genutzt werden soll.
      • Ein Bügelschloss eignet sich für alle gängigen Kupplungen mit einem Durchmesser bis 50 mm. In diesem Fall wird eine massive Eisenkugel mit einem Bügel gesichert und verschlossen und blockiert so das Kupplungsmaul des Anhängers.
      • Steckschlösser sind besonders schnell montiert und auch wegen ihrer Größe leicht zu verstauen. Hier ist es aber wichtig, dass man den Hersteller der Kupplung kennt, denn diese Sicherungen sind oft spezifisch und nicht universell einsetzbar.
      • Eine so genannte Sicherheitsklammer verhindert das Entriegeln des Kupplungshebels und somit auch das an- und abkuppeln. Dieses System ist sehr praktisch, weil es auch funktioniert, wenn der Caravan an ein Zugfahrzeug angehängt ist.
      • Die letzte Variante ist das Kupplungs-Ei, auch Sicherheitskugel oder Safety Ball genannt. Das Maul der Deichselkupplung wird von der Kugel komplett ausgefüllt, was einen Abtransport unmöglich macht. Achte beim Kauf darauf, dass das Material rostfrei ist.

        Elektronische und mechanische Sicherungen für Wohnmobil und Wohnwagen

        • Diebstahlwarnanlagen können mit akustischen und optischen Alarmgebern den Eigentümer alarmieren und abschreckend wirken. Dabei reicht oft eine einfache Alarmanlage mit Bewegungsmelder, die nach ca. zehn Sekunden schrill piepst, wenn sie merkt, dass jemand eingetreten ist. Sie kostet im Handel nur rund 15 Euro und wird vom Eigentümer nach Eintritt per Infrarot-Fernbedienung am Schlüsselbund ausgeschaltet.
        • Will der Dieb den Anhänger ungeöffnet abtransportieren oder das Wohnmobil wegfahren, dann helfen nur Sensoren, die aktiviert werden, sobald sich das Fahrzeug bewegt. Hochwertige Alarmanlagen haben zudem eine GSM-Einheit, die etwa auf einem Smartphone genau anzeigt, wo sich das gestohlene Fahrzeug gerade befindet. Die GSM-Alarmanlage sendet auch einen Notruf auf Ihr Handy, falls das Fahrzeug bewegt wird.
        Die Alarmanlage geht an und vertreibt die Einbrecher - der Schaden ist dennoch groß.

        Die Alarmanlage geht an und vertreibt die Einbrecher - der Schaden ist dennoch groß. © Matthias Niese erstellt mit KI Dall-E-2, NN

        • Zusätzlichen Schutz bieten Schutzsysteme mit Überwachungskamera. Sogenannte WLAN-Kameras oder IP-Webcams sind bereits unter 50 Euro erhältlich und senden in Echtzeit Live-Bilder aufs Smartphone. Voraussetzung ist, dass die Kamera am jeweiligen Standort mit einem WLAN-Netzwerk verbunden ist.
        • Fahrzeugortungssysteme ermöglichen die Lokalisierung des Fahrzeuges. Ist das Gerät aktiviert, so gibt es bei Bewegung/Inbetriebnahme die Position des Fahrzeugs über ein GSM-Modul an einen zuvor festgelegten Adressatenkreis und/oder eine Alarmzentrale. Allerdings verwenden die Täter nicht selten einen Scanner, um festzustellen, ob die entsprechende Technik im Fahrzeug verbaut ist. Sie können diese dann oft deaktivieren, etwa durch Entfernen, Zerstören oder Überlagerung des Signals mittels eines sogenannten Jammers, also einem Störsender, der den einwandfreien Empfang eines Funksignals erschwert oder unmöglich macht.
          Oft kommen die Diebe durchs Fenster ins Wohnmobil.

          Oft kommen die Diebe durchs Fenster ins Wohnmobil. © iStock.com/reisegraf, NNZ

          Grundsätzlich müssen Sie aber nicht unentwegt Angst um sich und Ihren Camper haben - in Deutschland wurden 2022 laut Moving Intelligence "nur" um die 500 Fahrzeuge geklaut, was angesichts der hohen Zahl relativ wenig ist. Einbrüche finden vor allem während Reisen etwa in sehr touristischen Regionen statt - mit unseren Tipps sollte Ihnen dort aber auch nicht viel passieren.

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