Alternativen, die jeder besitzt

Nicht nur der Umwelt zuliebe: Darum sollten Sie auf Küchenrollen verzichten

26.3.2022, 21:04 Uhr
Küchenrollen sind ja praktisch, aber nicht immer die beste nachhaltige Alternative.

© imago stock&people Küchenrollen sind ja praktisch, aber nicht immer die beste nachhaltige Alternative.

Abreißen, Tropfen abwischen und wegschmeißen. Die Küchenrolle ist ohne Zweifel sehr praktisch und vielseitig einsetzbar, ihre Lebensdauer jedoch nur kurz. Doch für die Herstellung des Papiers werden Bäume abgeholzt und Chemikalien eingesetzt. Außerdem benötigt die Produktion von Papier jede Menge Energie und Wasser. Was nach dem Gebrauch im Müll landet sind schlussendlich verarbeitete Holzfasern, die nicht mehr recycelt werden können.

So viel Hygienepapier verbrauchen Deutsche

Der weltweite Bedarf an Papier wächst stetig. Das teilt der World Wide Fund For Nature (kurz WWF) mit. Der Großteil davon ist Hygienepapier: Toilettenpapier, Servietten, Taschentücher und eben die Küchenrolle. Das Umweltbundesamt schätzt, dass jeder deutsche Einwohner pro Jahr etwa 19 Kilogramm Hygienepapier verbraucht (Stand 2020).

Papier aus dem Regenwald

Ein Anteil der Holzfasern für den deutschen Hygienepapiermarkt stammt aus Wäldern der ganzen Welt. Jeder fünfte gefällte Baum wird zu Papier, so das Umweltbundesamt. In Brasilien zum Beispiel werden für die Herstellung von Papierfasern Tausende Hektar Regenwald gerodet und durch Plantagen ersetzt.

Bedeckte der "Atlantische Regenwald" ursprünglich einen großen Teil von Espírito Santo, einem Bundesstaat im Südosten Brasiliens mit einer Fläche von etwa 46.000 Quadratkilometern, bleiben heute nur noch 7,5 Prozent des ursprünglichen Bestandes bestehen. Das entspricht einer Fläche von 3450 Quadratkilometern. Bedroht wird somit die Erhaltung der Artenvielfalt, die im Regenwald am größten ist. Pflanzen- und Tierarten haben hier ihre Heimat und machen die verschiedenen Ökosysteme aus, die das Klima der ganzen Erde beeinflussen.

Papier im Test

Ökotest hat 2021 Küchenrollen nach Zweckdienlichkeit, Umweltfreundlichkeit und Gesundheitsverträglichkeit untersucht. Sie stellten fest, dass zu wenige Produkte aus Recyclingpapier hergestellt waren. Außerdem wurden in 10 von 18 getesteten Küchenrollen schädliche Chemikalien gefunden. Nur ein Produkt wurde insgesamt mit der Auszeichnung "sehr gut" bewertet, 13 bekamen immerhin den Urteil "gut". Ökotest rät dazu, Recycling-Küchenpapier zu benutzen. Für dessen Herstellung wird im Vergleich zur Aufbereitung von frischem Holz zu Zellstoff nur die Hälfte der Energie und weniger als ein Drittel der Wassermenge verbraucht. Darüber hinaus stammt das Altpapier in der Regel aus regionalen Kreisläufen.

Alternativen zur Küchenrolle

Statt weiße Küchenrolle zu kaufen, können Sie auch zur "bräunliche"-Recyclingvariante greifen. Sie ist genau so gut zum Abwischen und Trocknen geeignet. Beim Kauf von Recycling-Hygieneprodukten sollten Sie aber auf das "Blauer Engel"-Siegel achten. Dieses garantiert, dass die Papierfasern zu 100 Prozent aus Altpapier bestehen und keine schädlichen Chemikalien verwendet wurden.

Wiederverwendbares Küchenpapier gibt es auch. Dieses kann zum Beispiel aus Bambus bestehen. Bambus wächst schneller nach als Holz und stellt deshalb eine nachhaltigere Alternative dar, die Transportwege von China nach Europa sind jedoch recht weit. Ob Bambus-Küchenpapier letztendlich besser oder schlechter für die Umwelt ist als Holz, kann nicht pauschal beantwortet werden.

Das Siegel "Blauer Engel" für Hygiene-Papiere

Das Siegel "Blauer Engel" für Hygiene-Papiere © Blauer Engel

Muss es aber Papier sein? Es gibt mittlerweile waschbare Stofftaschentücher, Stoffhandtücher und Stoffservietten oder Wischtücher, die eine viel nachhaltigere papierfreie Alternative darstellen. Verwenden Sie zum Beispiel einfach Stofftücher aus Baumwolle. Sie können sie in der Waschmaschine bei 60 Grad waschen und mehrmals verwenden. Und eine noch günstigere Variante sind ausrangierte Küchentücher aus alten T-Shirts.

Verwandte Themen