100. Blindgänger in Giebelstadt entschärft

7.9.2011, 19:12 Uhr
Joseph Beier, Mitarbeiter des Sprengkommandos Ingolstadt, begutachtet bei Giebelstadt eine Bombe. Seit Mitte 2007 hat ein Team zur Kampfmittelbeseitigung rund um das Gelände eines früheren Reichswehr-Flugplatzes 100 Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg aufgespürt.

Joseph Beier, Mitarbeiter des Sprengkommandos Ingolstadt, begutachtet bei Giebelstadt eine Bombe. Seit Mitte 2007 hat ein Team zur Kampfmittelbeseitigung rund um das Gelände eines früheren Reichswehr-Flugplatzes 100 Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg aufgespürt. © dapd

Für Kampfmittelexperte Daniel Raabe ist das in der Nähe des früheren Reichswehr-Flugplatzes beinahe Alltag. „Ich habe noch nie gehört, dass in einem so kleinen Bereich so viele Blindgänger liegen“, kommentiert er.

Diesmal sind es vier Bomben amerikanischer Bauart, aufgespürt durch Metalldetektoren. Eine davon ist der 100. Blindgänger, den die Kampfmittelräumer in der Marktgemeinde aus dem Boden holen. Diese runde Zahl wollte Bürgermeister Helmut Krämer (Bürgerbündnis Giebelstadt) nach eigenen Angaben eigentlich feiern. „Aber das war etwas zu viel Aufwand. Jetzt gibt es Brotzeit und Kaffee“, sagt er und versorgt die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst.

U-Boot-Bomben in Franken

Inzwischen machen sich Josef Beier vom Kampfmittelräumkommando Ingolstadt, Raabe sowie ein weiterer Kollege in der Grube an die Identifizierung des Sprengsatzes. Die Experten sehen sofort, dass es eine 225-Kilogramm-Bombe mit Kopf- und Heckzünder ist. Allerdings ist der Typ selbst für Raabe eine Überraschung: „Das sind Aufschlagzünder, die eigentlich für die Marine und zur U-Boot-Bekämpfung gedacht waren.“ Dieser Typ sei deutschlandweit sehr selten und in Bayern erst einmal geborgen worden – in Giebelstadt.

Für den erfahrenen Beier ist aber auch diese Aufgabe kein Problem: „Die kriegen wir in den Griff. Wir legen sie ganz frei, damit man den Zünder rausschrauben kann.“ Wenn der Sprengsatz dann „entzündert“ ist, wird er entsprechend abtransportiert. Zur Entschärfung selber sperrte die Polizei um kurz vor 13.00 Uhr die Umgebung in einem Radius von 400 Metern. Gegen 16.30 Uhr gab es dann Entwarnung, da alle Bomben entschärft waren.

Freistaat beteiligt sich an Kosten

So sieht auch Landwirt Edgar Raps nicht mehr, was auf seinem Feld geschieht. Dort suchen die Kampfmittelexperten seit Oktober 2010 ein Areal von 15 Hektar ab. Wer die Kosten dafür übernimmt, ist ihm zufolge noch nicht klar. Sicher ist seit Mitte vergangenen Jahres, dass der Freistaat Bayern zwei Drittel trägt. Sofern es sich um Reichswehrmunition handelt, will sich auch der Bund beteiligen. „Die große Mehrheit ist damit zufrieden“, gibt Bürgermeister Krämer die Stimmung unter den Betroffenen Landwirten wieder.

Für Daniel Raabe ist ein Kapitel seiner Bombensuche mit den jüngsten Funden geschlossen: „Hier auf dem Feld sind das die letzten. Aber in Giebelstadt haben wir noch genug zu tun.“ Bürgermeister Krämer hofft, dass bis November die restlichen 60 Hektar abgesucht sein werden, auf denen laut Luftbildaufnahmen möglicherweise noch Blindgänger liegen könnten. „Dann haben wir seit 2007 auf und rund um den Flugplatz etwa 450 Hektar abgesucht“, fasst er zusammen.

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