Hilpoltstein: Vorsitzender der Trocknungsgenossen sauer auf die Stadt

4.5.2016, 15:56 Uhr
Das Ende einer Ära: Im hinteren Teil der Trocknungsanlage laufen schon Demontage-Arbeiten. Der neue Besitzer will die Trocknungsanlage in der Industriestraße in Hilpoltstein nicht wieder aktivieren.

Das Ende einer Ära: Im hinteren Teil der Trocknungsanlage laufen schon Demontage-Arbeiten. Der neue Besitzer will die Trocknungsanlage in der Industriestraße in Hilpoltstein nicht wieder aktivieren. © Foto: Harry Rödel

Die Trocknungsanlage war in der jüngsten Bürgerversammlung für den Kernort Hilpoltstein eher eine Randnotiz denn die große Schlagzeile. So wollte Ludwig Heß von Bürgermeister Markus Mahl wissen, wie es denn um die Trocknung bestellt sei. Heß gehört der Interessengemeinschaft Trocknung ohne Braunkohlestaub (TOB) an, die jahrelang gegen die Trocknungsanlage zu Felde zog. „Die Anlage ist verkauft“, erwiderte Mahl. Was daraus wird, wisse er nicht. Unabhängig davon: Einen erneuten Betrieb mit Braunkohlestaub werde es nicht geben. Punkt, aus! Das war’s erstmal.

Der neue Besitzer, der seinen Namen nicht nennen will, meinte, dass er die Anlage erst weiterführen wollte, dann aber nach einer Wirtschaftlichkeitsberechnung die Finger davon gelassen habe. Die derzeitigen Energiepreise würden einen wirtschaftlichen Betrieb nicht zulassen. Das Thema Trocknungsanlage sei für ihn erledigt. Und: „Ob Sie es glauben oder nicht: Ich weiß noch nicht, was ich damit mache.“

Er selbst habe den Auflösungsprozess der Anlage als Mitglied der Trocknungsgenossenschaft erlebt. Der Betrieb in der Industriestraße habe einfach die „entscheidende Kurve“ nicht gekriegt und so sei klar geworden, dass die Anlage nicht zu halten sei, weil importierte Futtermittel einfach billiger seien als heimische. So habe er schließlich im Zuge der Auflösung des Betriebs ein Angebot für das „Gesamtpaket“ gemacht.

Dass der neue Eigentümer Grundstück und Halle gekauft habe, um bei einer erneuten Debatte wegen der Ortsumgehung, deren Trasse in kurzer Entfernung vorbeiführt, ein Faustpfand in der Hand zu haben, weist der Umfahrungsgegner vehement zurück. Aber: „Mit Verhindern allein kommt man im Leben nicht weiter.“

Einer der Bieter für die Trocknungsanlage war die Stadt Hilpoltstein. „Wir haben uns im Stadtrat überlegt, ob wir einsteigen.“ Nachdem man aber an diesem Standort weder in puncto Wohnbebauung, noch in puncto Gewerbe etwas machen kann, habe der Stadtrat dankend abgelehnt. Schlussendlich habe die Stadt noch Interesse an einem 600 Quadratmeter großen Grundstück einschließlich der Brunnenfassung in der Nähe des Gewerbegebietes „Am Kränzleinsberg“ gezeigt. Allerdings hätte die Stadt dafür nach Ansicht des Vorsitzenden der Trocknungsgenossenschaft, Manfred Kühnlein, 100 000 Euro hinblättern sollen, war aber nur bereit, 6000 Euro zu zahlen. Das wäre laut Mahl ein Quadratmeterpreis von zehn Euro gewesen und damit deutlich zu viel.

Kühnlein hingegen sprach von einem riesigen Interesse der Stadt an der Trocknungsanlage, das am Ende der Verhandlungen gegen Null gegangen sei. „Die Stadt hat gedacht, sie kann uns aushungern“, schimpfte Kühnlein., „denn den Betrag, den sie geboten hat, war schlichtweg beschämend“. Die sechswöchige Verhandlungsphase hätte er sich sparen können, wenn die Stadt gleich gesagt hätte, was sie eigentlich will. „So habe ich rund 20 000 Euro verloren, weil ich einige Mitarbeiter bezahlen musste, die ich vorher hätte entlassen können“, beklagte sich Kühnlein im Gespräch mit der Hilpoltsteiner Zeitung. „Die Stadt hatte nach 50 Jahren öffentlicher Kritik die Chance gehabt, die Trocknungsanlage selber in die Hand zu nehmen“, bedauert er, sicherte aber einem potenziellen künftigen Betreiber seine Unterstützung zu.

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