Franken feiert heute erstmals "Tag der fränkischen Bratwurst"

25.7.2020, 08:24 Uhr

© Foto: Ralf Münch

Bratwürste fein, mittel oder grob, Bratwürste mit Meerrettich, Bärlauch oder Paprika, Bratwürste auf Kiefernzapfen oder über Lärchenholz gegrillt – der Fantasie der Metzger und Grillmeister sind keine Grenzen gesetzt. Dass die fränkischen Vertreter der Fleischerzunft für sich reklamieren, die besten Bratwürste der Welt herzustellen, ist kein Geheimnis. Ob es wirklich so ist, lässt sich nicht beweisen. Die Geschmäcker sind halt verschieden.

Definitiv nicht von der Hand zu weisen ist aber, dass die fränkische Bratwurst weit über die Grenzen des Bezirks hinaus beliebt und begehrt ist. Wenn dann auch noch das bekannte Comedyduo Waltraud und Mariechen aus Fürth als Schirmherr des Events fungiert, kann nichts mehr schiefgehen. Insgesamt 30 Metzger aus der ganzen Region wollen am Samstag ihr Talent unter Beweis stellen. Bratwurstliebhaber konnten bereits vorab auf der Website der Fränkischen Bratwurstkultur für ihren persönlichen Favoriten abstimmen. 

Von der Qualität der Wurst als "Identifikationsfigur der fränkischen Esskultur" und der "Mutter aller Würste" sprachen schon vorab auch die Veranstalter des Tags der fränkischen Bratwurst, die Anfang Juli in die Wiesweiherhalle eingeladen hatten, um vor den Medienvertretern die Werbetrommel für diesen besonderen Tag zu rühren.

Verein zur Förderung der fränkischen Bratwurstkultur (VFFB) heißt der Zusammenschluss, der im Oktober 2015 auf eine bereits fünf Jahre zuvor vom Pegnitzer Metzgermeister Klaus Lindner ins Spiel gebrachte Idee gegründet wurde.

"Alternative hat ihren Reiz"

"Dass ausgerechnet der zehnte Bratwurstgipfel heuer ausfallen musste, ist zwar sehr bedauerlich, aber diese alternative Veranstaltung hat ebenfalls einen großen Reiz", sagte Bürgermeister Wolfgang Nierhoff, in seiner Eigenschaft Vorsitzender des Vereins. Dennoch hoffe er, dass man 2021 in Pegnitz das Jubiläum feiern könne.


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Der Präsident der Handwerkskammer für Oberfranken, Thomas Zimmer, zweiter Vorsitzender des VFFB, schilderte die Entstehung des Bratwursttags von der ersten Idee bei einer Videokonferenz im Mai bis zur Realisierung. "Mit dieser Veranstaltung bieten wir jedem Metzger in Franken die Möglichkeit, seine Produkte zu präsentieren."

Neben Metzgern aus Hof, Bayreuth und Kulmbach sowie aus vielen anderen ober-, mittel- und unterfränkischen Orten sind am Samstag auch zwei Brauereien (Kulmbach, Pretzfeld), ein Direktvermarkter und eine Bäckerei dabei.


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Am Start ist mit Jürgen Reck aus Möhrendorf auch ein waschechter Wurst-Europameister und mit der Metzgerei Steffi und Matthias Freund sogar ein Weltrekordler. Das Ehepaar aus Sommerkahl (Unterfranken) wird im Guinnessbuch mit 100 Sorten aus eigener Herstellung geführt.

"Als wir hörten, dass es um die Bratwurst geht, konnten wir gar nicht anders als zuzusagen", begründete Martin Rassau die Übernahme der Schirmherrschaft durch die beiden Comedians. Die Bratwurst sei das älteste Fastfood der Welt und Zeichen der Handwerkskunst der fränkischen Metzger. Als Honorar habe man Bratwurstdosen vereinbart, "die ich aber noch nicht bekommen habe", sagte Rassau schmunzelnd.


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Mitorganisator Jürgen Reck forderte, dem Tag der Bratwurst ein jährlich wiederkehrendes Datum zu reservieren ähnlich dem Tag des Bieres. Eine leidenschaftliche Laudatio hielt Konrad Ammon, Landesinnungsmeister der Metzger. Für ihn wäre es ein Horrorszenario, müsste man ohne Bratwurst auskommen. Die Bratwurst habe sogar einen religiösen Bezug: Grobe gebe es vor allem in evangelischen, mittlere in katholischen Gegenden. "Auf jeden Fall ist sie eine Wurst für alle Fälle."

Allein in Oberfranken rund 2000 Sorten

Michael Breitenfelder vom Wirtschaftsband A 9 lobte die Organisatoren, die in unglaublich viel Kreativität bewiesen hätten. Mit dieser Veranstaltung werde dem Wunsch vieler Menschen genüge getan, "die einfach wieder raus wollen und Sehnsucht nach Geselligkeit haben". Er sei begeistert von der Ideenvielfalt am Tag der Bratwurst. Geplant seien unter anderem eine drei Kilometer lange Bratwurstkette in Hof sowie Auftritte von Bratwurst-Königinnen.

Interessante Fakten hatte Norbert Heimbeck von der Genussregion Oberfranken mitgebracht. So sei die Bratwurst viel älter als angenommen und tauche schon in der Odyssee von Homer auf, wo von Wurst in Därmen" die Rede ist. Allein in Oberfranken gebe es 500 Metzgereien und rund 2000 Sorten Bratwürste. Heimbeck sah im Tag der Bratwurst eine "großartige Idee".

Aus dem Angebot der individuell und höchst kreativ hergestellter Bratwürste stechen zwei Kreationen vielleicht noch heraus: Jürgen Reck will an diesem Tag gemeinsam mit der Food-Bloggerin Felicitas Then eine scharfe Bratwurst thailändischer Art herstellen, und Konrad Ammon aus Burgfarrnbach hat eine Bratwurst mit Biertreber produziert. "P(Rostbratwurst" heißt sie, die er zusammen mit der Fürther Brauerei Grüner kreiert hat. Zur Verköstigung mit den leckeren Kostproben vom Rost hatte Ammon die passende "Spülflüssigkeit" dabei: einen Kasten Kultbier von Grüner.

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