Alfmeier-Tochter beschleunigt Corona-PCR-Tests

Patrick Shaw
Patrick Shaw

Redaktion Treuchtlinger Kurier

E-Mail zur Autorenseite

23.12.2020, 06:04 Uhr
Abstrich-Entnahme durch den Treuchtlinger Arzt Dr. Manfred Kreß im Corona-Testzentrum in Gunzenhausen: Daran, dass die Proben künftig sowohl schneller als auch zuverlässiger untersucht werden können, arbeitet die Alfmeier-Tochter RKT.

Abstrich-Entnahme durch den Treuchtlinger Arzt Dr. Manfred Kreß im Corona-Testzentrum in Gunzenhausen: Daran, dass die Proben künftig sowohl schneller als auch zuverlässiger untersucht werden können, arbeitet die Alfmeier-Tochter RKT. © Isabel-Marie Köppel

Schnelltests spielen in der Pandemiebekämpfung eine immer größere Rolle. So werden bei Vor-Ort-Tests neben einfachen Antigentests zunehmend auch Tests auf Basis der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) eingesetzt. Diese sogenannten Point-of-Care-Tests erlauben laut Alfmeier-Pressesprecher Jörg Kleinöder "höherwertige und genauere Aussagen zur Infektiosität, was zur Quarantänebestimmung sehr wichtig ist".


Ein Schnelltest könnte für Klarheit sorgen


Neben Bosch Vivalytic hat Mitte November auch das von der Firma Spindiag entwickelte Testsystem zur Diagnose von bakteriellen und viralen Infektionskrankheiten die Marktzulassung erhalten. "Unternehmen aus Deutschland und Europa – und hier vor allem Start-Ups – sichern damit die Versorgung des nationalen und paneuropäischen Gesundheitssystems ab", schreibt Alfmeier in einer Pressemitteilung. Eine wichtige Rolle beim Aufbau dieser Versorgungsstrategie spiele die RKT GmbH im oberpfälzischen Roding.

Dieses schuhschachtelgroße Gerät könnte die Test-Misere beenden: Die Alfmeier-Tochter RKT würde dazu die Testkartusche, die aussieht wie eine halbierte CD, samt Probenträger produzieren.

Dieses schuhschachtelgroße Gerät könnte die Test-Misere beenden: Die Alfmeier-Tochter RKT würde dazu die Testkartusche, die aussieht wie eine halbierte CD, samt Probenträger produzieren. © Alfmeier Group

"Speziell für hochinnovative Start-Ups sind die Rodinger ein essenzieller Partner, der diese Unternehmen befähigt, ihre Produktion hochzuskalieren und sich dabei weiterhin auf die Produkt- und Marktentwicklung zu fokussieren", erklärt Alfmeier-Sprecher Kleinöder. RKT etabliere sich dabei zunehmend als Fertigungszentrum für molekulare Mikrofluidik (Einsatz von Flüssigkeiten und Gasen auf kleinstem Raum) für medizinische Laboruntersuchungen.

Keimfrei und hochautomatisiert

Für Spindiag produziert die Alfmeier-Tochter Testkartuschen, mit denen Reagenzien (die RKT auch keimfrei abfüllt und versiegelt) in die mobilen Testgeräte eingeführt werden können. Aber auch für andere Kunden aus der Medizin- und Biotechnologie-Branche ist RKT nach eigenen Angaben ein Fertigungspartner mit großem Fachwissen. "Die Anforderungen folgen hohen Standards und erfordern eine hochautomatisierte Produktion im Reinraum der ISO-Klasse 8", betont Kleinöder.


Alfmeier produziert weitere Corona-Schnelltests


Die Medizintechnik und insbesondere den Bereich der Mikro- und Zentrifugalfluidik sieht auch die gesamte Alfmeier-Gruppe ihrem Sprecher zufolge als "wichtigen Baustein in der langfristigen Strategie im Bereich Industrial". Die RKT sei dabei Vorreiter in der Spritzguss-Fertigung von Mikrostrukturen, dem intensiven Einsatz von Robotik und der Verzahnung von industrieller Produktion mit Informations- und Kommunikationstechnik ("Industrie 4.0").

Neben den Virus-Schnelltests sieht die Alfmeier-Gruppe im aktuellen Entwicklungsschub aber auch "breite Fertigungsmöglichkeiten für weitere medizinische und therapeutische Anwendungen aus dem Biotech-Bereich". Dazu gehöre beispielsweise die Herstellung von Komponenten für die Stammzellenanalyse und die Krebstherapie.

Zum Thema:

So funktioniert der PCR-Test

Die 1983 von Kary Mullis entwickelte Polymerase-Kettenreaktion (PCR) ermöglicht es, Erbsubstanz außerhalb des Organismus zu vermehren. Sie dient unter anderem dem Erkennen von Erbkrankheiten und Virusinfektionen. Ähnlich wie bei der Zellteilung im Embryo „kopiert“ die Methode DNA-Abschnitte und vervielfältigt sie exponentiell, sodass sie anschließend sichtbar gemacht werden können. So lässt sich die Menge eines Erregers im Körper feststellen – bei Virusinfektionen die „Viruslast“.


Corona-Tests an den Feiertagen in Altmühlfranken


Das Erbgut des Coronavirus besteht allerdings aus RNA, die ein Enzym zunächst „umschreiben“ muss. Als sogenannte Real-Time-PCR enthält der Corona-Test zudem fluoreszierende Sonden, die schon während der Laufzeit zeigen, ob sich Virus-Gene in der Probe befinden. Der „CT-Wert“ entspricht der Zahl der Testzyklen bis zum Auftreten der Fluoreszenz – je mehr Virus-RNA, desto weniger Zyklen.

Daneben wird die PCR schon lange genutzt, um Blutspenden auf Hepatitis und HIV zu untersuchen. Sie gilt als nahezu hundertprozentig zuverlässig – allerdings nur unter perfekten Laborbedingungen ohne Fehler bei der Entnahme oder beim Transport.

Zum Unternehmen:

Zur Alfmeier-Gruppe mit ihren Standorten in Treuchtlingen, Weißenburg, Gunzenhausen und Roding sowie Pilsen (Tschechien), Troy und Greenville (USA), Monterrey (Mexico), Schanghai (China) und Ansan (Südkorea) gehören die Automotive-Unternehmen Alfmeier Präzision SE, k3 works und KITE Electronics, die RKT GmbH (Medizintechnik), die Actuator Solutions GmbH (Automotive, mobile Geräte), ein Test- und Labordienstleister sowie ein Spezialist für elektronische Flachbaugruppen.

Keine Kommentare