Digitaler Wandel bei Alfmeier in Treuchtlingen

25.9.2018, 06:05 Uhr
Eine technische Spielerei, die zeigt was möglich ist: Vor den Augen von Alfmeier-Direktor Andreas Gebhardt und der Ansbacher Hochschul-Präsidentin Ute Ambrosius (Bildmitte) schenken zwei Roboterarme ein Weißbier ein. Sogar das Aufschwenken der Hefe in der Flasche beherrscht der „digitale Barkeeper“ perfekt.

Eine technische Spielerei, die zeigt was möglich ist: Vor den Augen von Alfmeier-Direktor Andreas Gebhardt und der Ansbacher Hochschul-Präsidentin Ute Ambrosius (Bildmitte) schenken zwei Roboterarme ein Weißbier ein. Sogar das Aufschwenken der Hefe in der Flasche beherrscht der „digitale Barkeeper“ perfekt. © Patrick Shaw

Vom Smartphone bis zum selbstfahrenden Auto, von der Maschine, die ihre Ersatzteile selbst bestellt, bis zum autonom handelnden Roboter: „Die Digitalisierung wird unser Leben und Arbeiten radikal verändern“, meint Uwe Ritzer, Wirtschaftsjournalist der Süddeutschen Zeitung und ehemaliger Redakteur des Weißenburger Tagblatts, der die Podiumsdiskussion im großen Alfmeier-Festzelt moderierte.

Mit Alfmeier-Automotive-Präsident Dr. Klaus Beetz, Digitalisierungs-Referatsleiterin Silke Huber-Vogt vom bayerischen Wirtschaftsministerium, Professor Jürgen Göhringer von der Hochschule Ansbach, Peter Fürnthaler vom Verband der bayerischen Kunststoffindustrie, Landesbezirksleiter Seppel Kraus von der IG BCE und Siemens-Softwareindustrie-Vizepräsident Ralf Nagel sprach er vor den rund 200 Gästen über das Spannungsfeld zwischen Technologiebegeis­terung und der Angst vor Jobverlust, Überwachung und Entmenschlichung. „In Sachen Digitalisierung sind wir einfach schlecht“ und „wir müssen schneller sein“, sagen die einen, „faire Spielregeln“ fordern die anderen.

Zu letzteren gehört auch Alfmeier-Direktor Andreas Gebhardt. „Weg und Geschwindigkeit des technologischen Wandels werden gleichzeitig unter- und überschätzt“, erklärte er. Manche Science-Fiction-Szenarien seien noch weit entfernte Utopie, andere – wie etwa das selbstfahrende Auto – schon Realität. Um dieser Entwicklung nicht nur hinterherzulaufen, sondern sie mitzugestalten, brauche es „keinen Protektionismus, aber verbindliche und faire Regeln, den Schutz unseres Eigentums und Wissens sowie vernünftige wirtschaftliche Rahmenbedingungen, ausgehandelt mit Politik und Gesellschaft“.

Für bedauerlich hält Gebhardt die derzeit „zu emotionalisierte öffentliche Meinung über Digitalisierung und Automobilindustrie“. So habe letztere zum Beispiel „wie kein anderer Bereich in Deutschland insbesondere mit der Diesel-Technologie alle CO2-Ziele der Bundesregierung erreicht“. Dieser Erfolg werde nun „mit der Ausgrenzung des Diesels gefährdet“. Der Technologie-Tag bei Alfmeier – selbst ein großer Automobilzulieferer – solle zu „Aufklärung und Versachlichung“ beitragen.

Neubau als "Botschafter"

Den neuen Verwaltungstrakt in der Industriestraße mit seiner monolithischen Form und minimalistischen, anthrazitfarbenen Fassade bezeichnete Gebhardt als „Botschafter des Unternehmens“ und dankte allen am Bau Beteiligten. Der Alfmeier-Konzern mit seinen rund 530 Mitarbeitern an den drei Standorten im Landkreis sowie etwa 2200 Angestellten weltweit sei „zukunftsorientiert in Treuchtlingen verwurzelt und in der Welt zuhause“. Sieben Prozent des Jahresumsatztes in Höhe von aktuell gut 270 Millionen Euro reinvestiere die zu den 1000 größten Familienbetrieben Deutschlands zählende Firma, davon rund die Hälfte in der Altmühlstadt. Hauptgeschäftsfelder sind die Bereiche „Sitzkomfort“ (Autositze) und „Fluid Systems“ (Kraftstoff- und Temperaturmanagement, Bremskraftverstärker).

Bürgermeister Werner Baum ging in seinem Grußwort auf die 34 Jahre ein, die er als Stadtratsmitglied und Rathauschef die Entwicklung der Firma Alfmeier in Treuchtlingen begleitet habe. Dabei sei der Bau der neuen Verwaltung schon seit seinem Amtsantritt vor zehn Jahren ein Thema gewesen, wegen der damaligen Finanzkrise aber mehrfach verschoben worden. Er erinnere sich zudem gut an die 1970er und 80er Jahre, als bei Alfmeier noch keine Hochtechnologie, sondern Spritzguss­erzeugnisse wie TV-Gehäuse und Skibindungen hergestellt wurden.

Ein Motor der Region

Für ihren „unternehmerischen Mut“ dankte Landrat Gerhard Wäge­mann der Unternehmensführung. Der Neubau sei „ein Statement für den Standort und den Landkreis“, in dem Alfmeier „vielfältig engagiert“ sei – beispielsweise mit der Beteiligung der Tochterfirma k3works am Weißenburger Kunststoffcampus. Die rasante Entwicklung in der Technologiebranche sorge nicht zuletzt für einen erfreulichen Zuzug von Fachkräften und deren Familien nach Altmühlfranken.

Einen Einblick in die Arbeitsweise im Werk von Alfmeier Präzision und im Labor von k3works in der Indus­triestraße gaben zwischen Festakt und Podiumsdiskussion mehrere Rundgänge durch das Unternehmen. Dabei gab es auch schon einen Vorgeschmack auf die gerade entstehende „Smart Factory“ mit den Schwerpunkten Prozessentwicklung und Produkt-Lebenszyklus-Management in Kooperation mit Siemens. Für einen Schreckmoment sorgte das heftige Gewitter, das am späten Nachmittag kurzzeitig drohte, das Festzelt wegzublasen und unter Wasser zu setzen.

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