Freilufthalle: Weiter Ärger am Treuchtlinger Brühl

Patrick Shaw
Patrick Shaw

Redaktion Treuchtlinger Kurier

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21.6.2020, 06:04 Uhr
Die Freilufthalle am Treuchtlinger Brühl bleibt ein Streitobjekt zwischen Anwohnern, Stadt und Campus. Derzeit ist sie auf gerichtliche Anordnung hin gesperrt, weil die Nutzerzahl nicht ausreichend begrenzt und kontrolliert werde. Links sind die beiden Umkleide- und Lagercontainer zu sehen, deren nachträgliche Genehmigung die Hochschule dazu genutzt hat, auch eine Lautsprecheranlage einzubauen.

Die Freilufthalle am Treuchtlinger Brühl bleibt ein Streitobjekt zwischen Anwohnern, Stadt und Campus. Derzeit ist sie auf gerichtliche Anordnung hin gesperrt, weil die Nutzerzahl nicht ausreichend begrenzt und kontrolliert werde. Links sind die beiden Umkleide- und Lagercontainer zu sehen, deren nachträgliche Genehmigung die Hochschule dazu genutzt hat, auch eine Lautsprecheranlage einzubauen. © Patrick Shaw

In der jüngsten Stadtratssitzung informierte die Verwaltung über den Stand des Verfahrens – allerdings so undiplomatisch, dass der Widerstand der zahlreich anwesenden Anlieger trotz denkbarer Kompromisse wohl vorprogrammiert ist. Von "wenig erfolgreichen Einigungsversuchen" und einer "Blockade der Gegner" war da die Rede, sodass sich viele Bürger vom Brühl öffentlich als "Buhmänner" angeprangert fühlten. In ihren Augen fast noch schlimmer: Die Nutzerzahlen der Halle – statt sieben bis zehn Spielern und einer Handvoll Zuschauern zeitweise mehr als das Doppelte und damit Hauptgrund für die gerichtliche Stilllegung – sowie die "durch die Hintertür nachgerüstete" Lautsprecheranlage als zentrale Kritikpunkte kamen so gut wie überhaupt nicht zur Sprache.

Dabei gab es seit Beginn der Auseinandersetzung im Herbst 2017 ein halbes Dutzend Gesprächstermine, einen "Runden Tisch" sowie Ortsbegehungen mit Stadtrat, Gutachtern und Verwaltungsgericht. Man habe ihnen viel versprochen, umgesetzt worden sei davon aber bisher nichts, so der Tenor unter den Anwohnern. Im Gegenteil: Die Hochschule habe die Nutzung der Anlage immer weiter intensiviert.

Ein erneut abgeänderter Bauantrag sollte die Fehler der Vergangenheit nun heilen. Denn solche haben die Stadt als Bauherr und die Hochschule als Betreiber nach Ansicht des Verwaltungsgerichts zweifellos gemacht. Zu ungenau seien die Angaben des ursprünglichen Antrags hinsichtlich Nutzerzahl und Zugangskontrollen, sodass auch die errechneten Lärmwerte nicht verlässlich seien. In ihrer aktuellen Form ist die Halle demzufolge auch nach Worten der Stadtverwaltung "ein Schwarzbau".

Viele, aber machbare Änderungen nötig

Bei den Kritikern stieß der neue Bauantrag im Mai freilich erneut auf Widerstand. 30 Minuten länger Mittagsruhe, eine "Anpassung des Betriebskonzepts", eine neue Hausordnung und eine bessere Zugangskontrolle mittels eines neuen Zauns – das reicht den Anliegern nicht. Sie halten mehrheitlich zumindest eine erheblich stärkere Beschränkung der Öffnungszeiten, eine verlässliche Zugangskontrolle (etwa via Schloss und Smartphone-App), die Reduzierung der Nutzerzahlen auf das ursprünglich versprochene Niveau, die (schon vor anderthalb Jahren zugesagte) Drosselung der Lautsprecheranlage sowie Schallschutzmatten rund um die Spielfeld-Banden für notwendig – wenn nicht sogar eine gläserne Lärmschutzwand.

Genehmigung, Bau und nachträgliche Ergänzungen der Freilufthalle seien "nicht in allen Bereichen optimal gelaufen", bestätigte im Stadtrat auch Bürgermeisterin Kristina Becker recht euphemistisch. Sie habe deshalb entschieden, den neuen Bauantrag nochmals zurückzuziehen und "erst erneut mit den Anwohnern zu reden, um die Kuh vom Eis zu bekommen". Auf der einen Seite verstehe sie den Ärger der Bürger, auf der anderen Seite werde die Halle von Jugend und Vereinen sehr gut angenommen und sei Teil des Unterrichtskonzepts der Hochschule.

Interessen von Anwohnern und Jugend kollidieren

"Wir sind dran, eine Lösung zu erarbeiten", so Becker. Schließlich sei die Anlage "nicht die einzige Freiluftsporthalle in der Nähe eines Wohngebiets". So seien die erwähnten Schutzmatten für die Banden andernorts wohl recht erfolgreich.

CSU-Fraktionschef Uwe Linss schloss sich dem an. Er hoffe auf "ein Entgegenkommen aller Beteiligten". Anders Max Böhm (SPD), der bekannte, selbst oft mit anderen jungen Leuten in der Halle Fußball zu spielen. Er wünsche sich "eine schnelle Öffnung und nicht allzu viele Beschränkungen, damit zum Beispiel auch am Wochenende gespielt werden darf und nicht nur während der Woche".

Ob sich ein Kompromiss finden lässt und die Anwohner dabei nach dem langen Hin und Her überhaupt noch mitziehen, wird sich bei erneutem Treffen aller Beteiligten (samt Lärmschutzgutachter) zeigen, das für den 2. Juli anberaumt ist.

KOMMENTAR:

Der Klügere tritt nicht nach

Die Anwohner am Brühl fühlen sich übergangen, hingehalten und nun als Querulanten vorgeführt. Ihr Ärger ist verständlich. Vor fast zwei Jahren hatten Bürgermeister, Stadtverwaltung und Hochschule versprochen, beim Lärmschutz für die dortige Freiluftsporthalle nachzubessern. Geschehen ist nichts. Dabei gäbe es Kompromisslösungen, die die Geräuschkulisse auf ein erträgliches Maß reduzieren würden, ohne die Anlage gleich stillzulegen. Für so etwas gibt es Profis, und wenn Stadt und Hochschule sowohl ihr Gemeinschaftsprojekt als auch das gute Verhältnis zu den Nachbarn am Herzen liegen, müssen sie eben solche Profis engagieren.

Sport- und Freizeitmöglichkeiten für die junge Generation sind wichtig, wenn unsere Städte nicht "vergreisen" sollen. Und ganz lautlos geht es eben nicht, wenn man die Jugend nicht ins Gewerbegebiet abschieben will. Für die Bürger am Brühl kommt aber auch einiges zusammen: reger Verkehr, die Sport- und Tennisplätze, eine gut besuchte Gaststätte – und jetzt eben noch die Freilufthalle. Da gilt Rücksichtnahme in beide Richtungen, und das bedeutet nicht nur beschwichtigende Worte, sondern nötigenfalls klare Regeln und Grenzen.

Für die Anlieger ist der neueste Eklat aber auch eine Chance, trotz des verständlichen Ärgers Größe zu zeigen. Wenn Stadt und Hochschule jetzt unter dem Eindruck der gerichtlichen Stilllegung mit substanziellen Nachbesserungen in die Gänge kommen, sollten sie dem keine Steine in den Weg legen oder als Retourkutsche auf die buchstabengetreue Einhaltung von Paragrafen pochen. Der Klügere muss zwar nicht immer nachgeben, sollte aber auch nicht nachtreten, wenn er im Großen und Ganzen bekommt, was er will.

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