Kosten und Chancen: Das erhofft sich Treuchtlingen vom Wasserstoff

Leiter der Lokalredaktion Schwabacher Tagblatt
Jürgen Karg

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7.5.2021, 06:01 Uhr
Aus dem Rathaus: Bürgermeisterin Kristina Becker und Werkleiter Max Filser von den Stadtwerken beim Livestream zum Thema Wasserstoff-Technik.

Aus dem Rathaus: Bürgermeisterin Kristina Becker und Werkleiter Max Filser von den Stadtwerken beim Livestream zum Thema Wasserstoff-Technik. © Foto: Screenshot

Die Stadt Treuchtlingen hat Großes vor. Sie will kohlenstoffhaltige Energieträger zurückdrängen. Und das nicht erst seit heute. Bei der Informationsveranstaltung zum Thema Wasserstoff-Technologie, die am Mittwochabend per Livestream aus dem Rathaus immerhin 164 Interessierte online erreichte, spielte nicht nur der Energienutzungsplan aus dem Jahr 2017 eine Rolle. Vor allem die Möglichkeiten, die sich aktuell und künftig mit der kürzlich gegründeten Gesellschaft "Neue Energien Treuchtlingen" ergeben, standen im Mittelpunkt der eineinhalbstündigen Veranstaltung.


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Letztlich, so Bürgermeisterin Kristina Becker, gehe es um die "Dekarbonisierung der Energiewirtschaft, also kohlenstoffhaltige Energieträger soweit wie möglich zurückzudrängen, um unseren Kindern und Enkeln eine intakte Umwelt zu hinterlassen, wie es die Rathaus-Chefin formulierte.

Das aktuelle Nahwärmenetz

Becker erinnerte daran, dass Treuchtlingen bereits seit rund zehn Jahren beispielsweise auf Hackschnitzel setze. Das Wärmenetz im Bereich Hahnenkammstraße sowie die Altmühltherme werden so versorgt.

Nun gelte es, den Fokus auf eine nachhaltige Versorgung der Treuchtlinger Kernstadt mit Wärme und ultimativ die beiden bereits bestehenden Wärmenetze zusammenzufügen. Für die Heizanlage Hahnenkammstraße benötige man neue Abnehmer, nachdem das Krankenhaus weggefallen und die Grundschule wärmetechnisch saniert worden sei. Ein weiterer Ausbau im Bereich des Wohngebiets am Patrich sei nun im Fokus.

Zum Thema Krankenhaus als Abnehmer für Nahwärme wusste der Leiter der Treuchtlinger Stadtwerke, Max Filser, zu berichten, dass sein Unternehmen eng eingebunden sei in die Pläne für den Neubau einer psychosomatischen Klinik des Bezirks Mittelfranken, der nach dem Abriss des ehemaligen Stadtkrankenhauses entstehen wird. Auch die neue Klinik mit Nahwärme zu beliefern, sei ein wichtiger Schritt zur Auslastung für die Hackschnitzelanlage in der Hahnenkammstraße. Filser ließ Zuversicht erkennen, dass die neue Klinik ebenfalls auf Nahwärme zurückgreifen wird.

Nicht nur in der Kernstadt selbst, sondern auch in den Ortschaften gebe es Wärmenetze. Becker erinnert in diesem Zusammenhang an Nahwärme Wettelsheim-Bubenheim, Gundelsheim und Auernheim. Letzteres sei in Planung.

Der bereits vor Jahren für Treuchtlingen erstellte Energienutzungsplan stelle auf Hackschnitzel und Photovoltaik (PV) ab; doch die Entwicklung vor allem auf dem Stromsektor habe die damalige Einschätzung mittlerweile überholt. So sei die Zahl der PV-Anlagen in wenigen Jahren deutlich gestiegen. Dies stelle vor allem das Stromnetz der Stadtwerke vor Herausforderungen. Beckers Bilanz: In Treuchtlingen gebe es aktuell knapp 800 PV-Anlagen, 14 Biomasse-Anlagen, neun kleine Wasserkraft-Anlagen sowie elf Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung.

Grüne Energie speichern

Es stelle sich die Frage, was mit einem Stromerzeugungs-Überschuss geschehen könne. Unter anderem könne man speicherbares Gas, nämlich Wasserstoff, erzeugen, sagte die Bürgermeisterin. Auf jeden Fall solle eine regionale Wertschöpfungskette aufgebaut werden, damit die Treuchtlinger auch materiell von ihrem Engagement in Sachen Erneuerbare Energien profitieren.

Mit dem im Tank gespeicherten Wasserstoff könne etwa eine Tankstelle für Fahrzeuge, die mit dieser Energieart betrieben werden, aufgebaut werden. Oder der Wasserstoff könne dem lokalen Erdgasnetz beigegeben werden. Wasserstoff sei auch als "sauberer" Dieselkraftstoff für Lkw nutzbar. Was letztlich alles realistischerweise umsetzbar sei, werde eine Machbarkeitsstudie ergeben, die laut Becker 150 000 bis 200 000 Euro kosten dürfte und für die es eine Förderung zwischen 70 und 90 Prozent gebe.

Die Verbindung der Stadt Treuchtlingen mit der Firma GP Joule, ein deutsches Unternehmen, zielt nach den Worten Beckers darauf ab. Sonne und Wind seien auf jeden Fall Quellen für die Stromerzeugung im Treuchtlinger Bereich. GP Joule und die Stadt Treuchtlingen sind zu gleichen Teilen Gesellschafter von "Neue Energien Treuchtlingen".

Die Rathaus-Chefin kündigte schließlich auch an, dass es detaillierte Bürgerinfo-Veranstaltungen geben werde, zum Beispiel zu Fördermöglichkeiten. Den Juni alternativ spätestens die Sommerzeit hat man dafür vorgesehen.

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