Sind Treuchtlingens Brücken sicher?

22.8.2018, 06:04 Uhr
Die Bahnüberführung in Gstadt wurde 2013 eingeweiht. Sie trägt 60 Tonnen und hat rund 1,6 Millionen Euro gekostet. Fünf Jahre nach Fertigstellung wurde sie nun erstmals eingehend geprüft und ohne Mängel endgültig abgenommen.

Die Bahnüberführung in Gstadt wurde 2013 eingeweiht. Sie trägt 60 Tonnen und hat rund 1,6 Millionen Euro gekostet. Fünf Jahre nach Fertigstellung wurde sie nun erstmals eingehend geprüft und ohne Mängel endgültig abgenommen. © Patrick Shaw

Anlass für das Gespräch mit dem zuständigen Bauamtsmitarbeiter Dieter Jänsch war nicht allein das Unglück vom 14. August in Genua, sondern vor allem eine ganz aktuelle Brückenprüfung vor Ort. Fünf Jahre nach der Fertigstellung der neuen Bahnüberführung im Stadtteil Gstadt stand deren „Gewährleistungsabnahme“ an.

In der Nacht zum vergangenen Samstag rückten die Prüfer an: Mitarbeiter der Ingenieurbüros Wopperer aus Gunzenhausen und Messingschlager & Hasselmeier aus Treuchtlingen, Vertreter des Stadtbauamts, der Brü­ckenbaufirma und des Trägerlieferanten sowie die Firma Wemo-tec mit einem riesigen „Untersichtgerät“.

Ein Streckenkoordinator der Bahn regelte die Arbeitszeiten während der insgesamt rund 20 kurzen Streckensperrungen, das Technische Hilfswerk sorgte für Sicherheit und Licht im Gleis sowie die Erdung der immer wieder kurzzeitig abgeschalteten Oberleitungen. Von 20.30 bis etwa 4.30 Uhr nachts waren die Tester an der Brücke in Gstadt zugange, sichteten Kons­truktion und Fahrbahn und klopften den Beton auf Hohlräume ab.

Alle sechs Jahre schreibt der Gesetzgeber eine solche „große“ Brü­ckenprüfung vor, alle drei Jahre steht eine „einfache“ Prüfung an. Dabei gibt es „Noten“ in drei Kategorien: Standsicherheit (zum Beispiel Betonabplatzungen), Dauerhaftigkeit (nässe- und frostanfällige Risse und Fugen) sowie Verkehrssicherheit (Schlaglöcher, beschädigte Verkehrszeichen). Dazwischen schauen sich Bauamt und Stadtbauhof die Bauwerke ein- bis zweimal im Jahr im Zuge der Unterhaltspflicht oberflächlich an.

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Das "Brückenuntersichtgerät" in Aktion an der Bahnüberführung in Treuchtlingen-Gstadt: Mit dem schweren Arm gelangen die Ingenieure unter das Bauwerk und können Beton und Statik aus nächster Nähe prüfen. © Dieter Jänsch

An der noch fast neuen Bahnquerung in Gstadt hatten die Prüfer nichts zu beanstanden. Insgesamt sieben weitere Bahnbrü­cken zwischen Graben und Gundelsheim wurden in den vergangenen drei Jahren ebenfalls saniert, stehen aber erst in Kürze zur ersten Prüfung an. Demnächst tätig werden muss die Stadt jedoch in drei anderen Fällen.

Da ist zum einen die Altmühlbrücke in der Bürgermeister-Döbler-Allee zwischen Therme und Senefelder-Schule („Promenadenbrücke“). Durch eine fehlerhafte Abdichtung und Entwässerung hat das 53 Jahre alte Bauwerk einen „Wasserschaden“. Regen, Schmutz und Streusalz dringen in Anschlüsse und Widerlager ein. Zwar bekommt die Brücke bei der Verkehrssicherheit gute Noten, doch in Sachen Dauerhaftigkeit sieht es schlecht aus. Salopp gesagt: Niemand muss Angst haben, dass die Brücke einbricht, sie ist aber laut Dieter Jänsch „in die Jahre gekommen“, und die Schäden schreiten schnell voran.

Die nötige Sanierung war bereits vor zwei Jahren Thema im Stadtrat. Rund 150.000 Euro sollte die Reparatur kosten und eigentlich im Sommer dieses Jahres erfolgen. Die Untersuchungsergebnisse für Beton und Statik liegen Dieter Jänsch zufolge auch schon vor, bis es ein beschlussfähiges Sanierungskonzept gibt, werde es aber Spätherbst werden. Die Umsetzung werde dann wohl erst 2019 erfolgen.

„Mittelfristig“ wäre nach Worten des Bauamtsmitarbeiters auch die Straßenbrücke neben der Bahnbrücke über die Altmühl zwischen nördlichem Stadtrand und Graben zu sanieren. Und auch im Kurpark modern so einige der rund 22 Jahre alten Holzstege über Augraben, Kästleinsmühlbach und diverse künstliche Wasserläufe vor sich hin. Über sie hatte der Stadtrat ebenfalls schon vor vier und vor zweieinhalb Jahren beraten.

Fünf der kleinen Brücken seien kaum noch tragfähig und ein „Totalverlust“, hieß es damals. Unklar blieb aber, ob eine Sanierung oder ein Neubau wirtschaftlicher und welches Material geeignet sei: eine reine Holzkonstruktion, eine Stahl-Holz-Kombination oder diverse Verbundstoffe. Dieter Jänsch möchte dem Stadtrat nun in einer der nächs­ten Sitzungen (die am 6. September wieder beginnen) vorschlagen, „den ein oder anderen Steg noch heuer auszutauschen“. Wie viele es werden und in welcher Form, bleibt bis dahin offen.

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