Trinkwasser: Deshalb wird's in Treuchtlingen teurer

8.12.2020, 06:01 Uhr
Das Treuchtlinger Leitungswasser wird teurer. „Schuld“ daran sind hohe Netzsanierungskosten und der Anschluss weiterer Ortsteile. Ob die Beimengung von Wasser aus lokalen Brunnen (hier das Wasserhaus in Schambach) zum Fernwasser des WFW die Preise drücken könnte, ist den Stadtwerken zufolge eher fraglich.

Das Treuchtlinger Leitungswasser wird teurer. „Schuld“ daran sind hohe Netzsanierungskosten und der Anschluss weiterer Ortsteile. Ob die Beimengung von Wasser aus lokalen Brunnen (hier das Wasserhaus in Schambach) zum Fernwasser des WFW die Preise drücken könnte, ist den Stadtwerken zufolge eher fraglich. © Archivfoto: Patrick Shaw

In seiner jüngsten Sitzung hat der Werk- und Bäderausschuss des Treuchtlinger Stadtrats mehrheitlich für eine Erhöhung der Trinkwasserpreise zum 1. Januar 2021 gestimmt. Demnach steigt der Grundpreis für den Wasserzähler von monatlich acht auf zehn Euro, der Verbrauchspreis klettert von 2,29 auf 2,65 Euro pro Kubikmeter.

Die Wasserpreise der Stadtwerke wurden letztmals Anfang 2017 angepasst. Der Bayerische Kommunale Prüfungsverband hat allerdings errechnet, dass die Treuchtlinger Wasserversorgung in den vergangenen vier Jahren sehr verlustreich war. Demnach ergibt sich eine Unterdeckung von circa 200.000 Euro.

Sieben Millionen Euro Investitionen

Zeitgleich besteht für das Stadtgebiet ein fortlaufend hoher Sanierungs- und Investitionsbedarf im Bereich der Wasserleitungen. Diese sind mit einem Durchschnittsalter von 50 bis 60 Jahren vergleichsweise alt und müssen dementsprechend fortlaufend saniert und gewartet werden. Außerdem ist das Wasserleitungsnetz der Treuchtlinger Stadtwerke weit verzweigt, der Verbrauch der Bürger aber zugleich nicht so hoch, dass sich die kostenintensive Instandhaltung rechnet.


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"In den kommenden drei Jahren haben wir Investitionen von bis zu sieben Millionen Euro in das Treuchtlinger Wasserleitungsnetz eingeplant", führte Max Filser, Werkleiter der Stadtwerke, im Ausschuss aus. Nach mehreren Jahren mit stabilen Preisen sei eine Erhöhung ab dem kommenden Jahr unerlässlich, erklärte er: "Wir haben inzwischen eine deutliche Kostenunterdeckung."

Leitungen verlieren viel Wasser

Auf der Kostenseite kommt erschwerend hinzu, dass die Stadtwerke zum 1. Januar 2021 im Zuge der Auflösung des Wasserzweckverbands Hirschberggruppe auch die Trinkwasserversorgung der Ortsteile Haag und Möhren übernehmen. In der Folge müsse man dort "erhebliche Investitionen und Unterhaltsmaßnahmen zur Reduzierung der derzeit noch sehr hohen Wasserverluste tätigen", erläuterte Filser. Pro Jahr seien Ausgaben von 400.000 Euro zu erwarten. Aktuell bewegt sich der Wasserverlust in Möhren und Haag zwischen 30 und 40 Prozent, während er in den übrigen Bereichen des Leitungsnetzes bei unter fünf Prozent liegt.


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Der Werk- und Bäderausschuss beschloss daher eine Anhebung der Trinkwasserpreise, die für die Zeit von Januar 2021 bis Ende 2023 gilt. Für 2024 wird der Wasserpreis dann erneut berechnet. Der Grundpreis für den Wasserzähler steigt ab dem neuen Jahr um zwei auf zehn Euro pro Monat und Zähler sowie der Verbrauchspreis um 36 Cent auf 2,65 Euro pro Kubikmeter (jeweils netto). Die Anpassung des Grundpreises betrifft alle Wasserzählertypen.

Was wird angehoben?

In der Sitzung wurde sich der Ausschuss nach einem Vortrag, in dem ein Mitarbeiter des Bayerischen Kommunalen Prüfungsverbands die Notwendigkeit zur Erhöhung rechnerisch darlegte, schnell darüber einig, dass die Preissteigerung grundsätzlich notwendig ist. Für Diskussionen sorgten allerdings die Ursachen der in Treuchtlingen – etwa im Vergleich zu Weißenburg – vermeintlich teuren Wasserversorgung sowie die Frage, ob eine Erhöhung des Grundpreises tatsächlich angebracht sei.

Wie Matthias Strauß (CSU) anmerkte, könnten es beispielsweise Single-Haushalte als ungerecht empfinden, wenn sie erhöhte Kosten über den Grundpreis mittragen müssen, obwohl sie einen geringen Wasserverbrauch haben. Auch Susanna Hartl (SPD) stellte eine Erhöhung in diesem Bereich in Frage: Über eine bloße Erhöhung des Verbrauchspreises könnte man für die Bürger eine Anregung schaffen, damit diese ihren Wasserverbrauch reduzieren.

Heimische Quellen spielen geringe Rolle

Dritter Bürgermeister Hubert Stanka erkundigte sich, ob ein Ausbau des Trinkwasserbezugs aus heimischen Quellen für die Preisstruktur förderlich wäre. Hierfür käme etwa der wegen seiner (moderaten) Nitratbelastung stillgelegte Brunnen in Schambach in Frage, für den nach jetzigem Stand ein Wasserrecht bis zum Jahr 2024 gilt. Werkleiter Filser vermutet allerdings eher niedrige Auswirkungen auf den Wasserpreis, weil die Beimischung im Verhältnis zur Gesamtwassermenge gering wäre.


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Mit seiner Entscheidung für eine Anhebung der Preise sowohl bei der Grundgebühr als auch beim Verbrauch folgte der Werk- und Bäderausschuss letztlich der Empfehlung des Bayerischen Kommunalen Prüfungsverbands, der von der Werkleitung mit der Kalkulation beauftragt worden war. Die Preise müssen nach dem Kommunalabgabegesetz festgesetzt werden, also kostendeckend sein.

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