Wird Treuchtlingen Mitglied im Fränkischen Seenland?

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30.3.2021, 06:01 Uhr
Dieses Luftbild stammt vom ersten Augustwochenende im vergangenen Corona-Sommer. Das Fränkische Seenland ist zuletzt immer beliebter geworden – dadurch haben aber auch Probleme wie Lärm, Parkplatzmangel und Müll zugenommen.

Dieses Luftbild stammt vom ersten Augustwochenende im vergangenen Corona-Sommer. Das Fränkische Seenland ist zuletzt immer beliebter geworden – dadurch haben aber auch Probleme wie Lärm, Parkplatzmangel und Müll zugenommen. © Foto: Dietmar Denger/Naturpark Altmühltal

Ein Teil des Fränkischen Seenlands zu sein, das klingt freilich erst einmal verlockend. Denn eine Mitgliedschaft im gleichnamigen Tourismusverband könnte die Sichtbarkeit Treuchtlingens bei potenziellen Gästen von außerhalb erhöhen. Dann wäre die Altmühlstadt regelmäßig bei Messen, in Broschüren und anderen Publikationen vertreten. In der Folge fände der ein oder andere Seenland-Besucher bei schlechtem Wetter vielleicht den Weg in die Altmühltherme, und vielleicht würde sich Treuchtlingen auch für manchen Übernachtungsgast als Oase der Ruhe positiv abheben.

Darüber hinaus vertritt der Verband die Interessen seiner Mitglieder gegenüber Politik, Wirtschaft, Medien sowie bei anderen Tourismusorganisationen. Es gibt gemeinsame Stellungnahmen, Unterstützung bei der Werbung für Veranstaltungen, und Treuchtlingen könnte von der Reichweite profitieren – unter anderem in den sozialen Netzwerken.


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All das sind Vorteile, die die Stadt bei einem Beitritt genießen würde. Es gibt aber auch einige Belange, bei denen sich die Stadt aktiv einbringen müsste: etwa beim Verfassen von Texten für Newsletter, bei der Entwicklung von gemeinsamen touristischen Angeboten und Netzwerken sowie bei der Umsetzung von gemeinsamen Projekten. Oder auch dann, wenn eine Pressereise stattfindet, deren Route zu Attraktionen in und um Treuchtlingen führt.

Die Kehrseite der Medaille

Dass die Stadt von einer Mitgliedschaft im Fränkischen Seenland vielseitig profitieren könnte, ist außerdem nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen stehen hohe Kosten, die mit der Mitgliedschaft einhergehen würden: Pro Jahr müssen Kommunen, die Mitglied sind, einen Beitrag von 10 000 Euro bezahlen. Sie werden in gemeinsame Projekte und die Finanzierung der jährlichen Marketing-Maßnahmen investiert. Ein stolzer Preis – darin waren sich Mitglieder des Kur-, Kultur-, Tourismus- und Stadtmarketingausschusses bei der vergangenen Sitzung einig.

Wie groß ist die Schnittmenge?

SPD-Fraktionsvorsitzende Kerstin Zischler stellte schließlich zur Diskussion, ob die Schnittmenge der Seenland-Touristen und derjenigen, für die Treuchtlingen nun zur Traum-Destination werden will, tatsächlich groß genug sei, um derart hohe Kosten zu rechtfertigen. Denn das Fränkische Seenland sei vor allem ein Ziel für Familien, die Spaß und Action, und nicht unbedingt Ruhe und Erholung suchen.

Treuchtlingen wirbt mit einem Aufenthalt „ab vom Schuss“, inmitten der Natur. Ob das zum Konzept des Tourismusverbands passt, ist noch offen.

Treuchtlingen wirbt mit einem Aufenthalt „ab vom Schuss“, inmitten der Natur. Ob das zum Konzept des Tourismusverbands passt, ist noch offen. © Foto: Dietmar Denger/Naturpark Altmühltal

Tourismus-Chefin Stefanie Grucza erklärte, dass man die Schnittmenge vermutlich erst dann besser beurteilen könne, wenn die Zielgruppen für das Reiseziel Treuchtlingen endgültig ausgearbeitet sind. Deren exakte Definition ist einer der nächsten Schritte im Rahmen des Markenbildungsprozesses der Altmühlstadt und soll im April erfolgen.

Die beiden Marken sind im Fluss

Hinzu kommt, dass sich die Marke des Tourismusverbands derzeit ebenfalls im Wandel befindet. Laut Grucza soll diese noch in diesem Jahr überarbeitet werden. In der Diskussion kamen Ausschussmitglieder und Stadtverwaltung darin überein, dass eine Abstimmung über die Mitgliedschaft erst stattfinden sollte, wenn dieser Prozess auf beiden Seiten abgeschlossen ist.

Bürgermeisterin Kristina Becker unterstrich indessen, dass die Debatte rund um das geplante Center-Parcs-Projekt auf dem ehemaligen Muna-Areal bei Langlau ebenfalls eine Variable sei, die der Stadtrat bei der Entscheidung über eine Mitgliedschaft im Blick behalten sollte. Man müsse aufpassen, dass die Tendenz zum "Overtourismus" im Seenland keine direkten Auswirkungen auf Treuchtlingen hat.

Die Entwicklungen im Seenland sollten jedenfalls nicht den touristischen Bestrebungen der Altmühlstadt zuwiderlaufen, die ja zum Ort der Ruhe und Erholung werden möchte. Die Rathauschefin wies aber auch darauf hin, dass es im Seenland nicht nur überlaufene Badeseen und voraussichtlich bald eine Center-Parcs-Anlage gibt: Stattdessen seien dort in den vergangenen Jahren auch viele Angebote abseits des Massentourismus gefördert worden, beispielsweise wurden zahlreiche Streuobstwiesen angelegt und Wanderrouten abseits des Trubels gezielt beworben.


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Eine Entscheidung über den Beitritt will Treuchtlingen dieses Jahr auf jeden Fall nicht mehr treffen, sie wird wohl frühestens im Frühjahr 2022 anstehen. Sollte man sich dann zu einer Mitgliedschaft bekennen, stünde dem sofortigen Beitritt im Grunde nichts im Weg, erklärte Stefanie Grucza. Empfehlenswert wäre es dann allerdings, spätestens im Juni 2022 in den Tourismusverband Fränkisches Seenland einzutreten, damit Treuchtlingen in den Vermarktungskampagnen für 2023 überall vertreten sein kann.

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