Zwei Treuchtlinger Pioniere für Biogas und Boden

25.8.2017, 06:04 Uhr
Hoch steht der mit Senf, Klee und anderen Kräutern als Zwischenfrüchte angebaute Mais auf dem Versuchsfeld von Stefan Föttinger (vorne links) bei Wettelsheim – genauso hoch wie auf dem konventionell bearbeiteten Acker direkt gegenüber. Vom Nutzen für den Erosions- und Gewässerschutz überzeugten sich Regierungspräsident Thomas Bauer (Mitte) sowie die Behördenleiter Hans Walter und Friedrich Luger von den Landwirtschaftsämtern in Weißenburg und Ansbach (links/rechts daneben).

Hoch steht der mit Senf, Klee und anderen Kräutern als Zwischenfrüchte angebaute Mais auf dem Versuchsfeld von Stefan Föttinger (vorne links) bei Wettelsheim – genauso hoch wie auf dem konventionell bearbeiteten Acker direkt gegenüber. Vom Nutzen für den Erosions- und Gewässerschutz überzeugten sich Regierungspräsident Thomas Bauer (Mitte) sowie die Behördenleiter Hans Walter und Friedrich Luger von den Landwirtschaftsämtern in Weißenburg und Ansbach (links/rechts daneben). © Patrick Shaw

Was passiert, wenn großflächiger Maisanbau auf Klimawandel trifft, war im Juni 2016 in Windischhausen zu beobachten. Nach Starkregen setzten Sturzbäche von der nahen Hochfläche gleich mehrfach den halben Ort unter Wasser. Der nackte Boden der Maisfelder konnte kaum Wasser aufnehmen – die ausgelaugte Erde kam gleich mit ins Dorf.

Das zu verhindern, haben sich die „Aktion Grundwasserschutz“ der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Weißenburg, Ansbach, Roth, Fürth und Uffenheim sowie Wasserberater Tobias Bauernfeind zur Aufgabe gemacht. Der 26-jährige Landwirtschaftsmeister informiert seine Kollegen mit Demonstrationsflächen und persönlicher Beratung über Methoden, das Wasser im Boden, diesen an Ort und Stelle und die Nährstoffe im Acker zu halten.

Neben der Pflugrichtung parallel zum Hang und dem Kalken der Felder, um die Krume zu stabilisieren, sind sogenannte Zwischenfrüchte dabei das Mittel der Wahl. Auf einem Maisacker bei Wettelsheim testen Bauernfeind und Landwirt Stefan Föttinger deren Effekt in einem wörtlichen „Feldversuch“. Mit Erfolg: „Im Frühjahr sahen die Pflanzen noch recht mickrig aus“, blickt Föttinger zurück, aber jetzt sei die Masse augenscheinlich genauso groß wie auf dem konventionell bewirtschafteten Acker gegenüber.

Der Vorteil der Zwischenfrüchte: Sie durchwurzeln den Boden, sodass er nicht so leicht weggeschwemmt wird. Sie binden Stickstoff und bilden Humus, verbessern den Luft- und Wärmehaushalt und locken Regenwürmer an, deren Gänge wie ein Schwamm wirken. Zudem sorgen die „grünen Helfer“ für Vielfalt, sodass es bei Monokulturen typische Krankheiten schwerer haben. Sie drängen Unkraut zurück, das sonst mit Pflanzenschutzmitteln wie dem verpönten Glyphosat bekämpft wird, und bieten Insekten und Vögeln Nahrung.

Warum trotzdem nicht jeder Landwirt auf Zwischenfrüchte zurückgreift? Aufwand und Kosten sind höher, die Auswahl der Saatmischung erfordert einige Erfahrung, damit die Kräuter nicht selbst zum „Unkraut“ werden, und der Effekt auf den Ertrag ist noch wenig erprobt und kaum kalkulierbar. Das birgt ein Risiko. „Viele Landwirte sind da noch vorsichtig“, erklärt Weißenburgs AELF-Chef Hans Walter. Wer aber wolle, dass „sein Boden lebendig und auf dem Acker bleibt“, der müsse sich früher oder später mit dem Thema beschäftigen.

Noch vier Jahre lang kann die Familie Rupp von der Treuchtlinger Kohlmühle ihre Biogasanlage zur Hälfte mit Mais betreiben. Bis 2021 schreibt das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) dann eine Reduzierung auf 44 Prozent vor.

Noch vier Jahre lang kann die Familie Rupp von der Treuchtlinger Kohlmühle ihre Biogasanlage zur Hälfte mit Mais betreiben. Bis 2021 schreibt das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) dann eine Reduzierung auf 44 Prozent vor. © Patrick Shaw

Energie aus Gras statt Mais

Noch unsicherer sind die Erfolgsaussichten beim Modellprojekt der Familie Rupp von der Kohlmühle zwischen Treuchtlingen und Schambach. Um ihre 170-Kilowatt-Biogasanlage weiter zu betreiben und wie geplant noch zu erweitern, ist sie jedoch sogar zum Umdenken gezwungen. Denn das im vergangenen Jahr novellierte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) schreibt vor, den Anteil des für den Gärprozess verwendeten Maises bis zum Jahr 2021 von derzeit 50 auf maximal 44 Prozent zu senken.

Ein Ersatz könnte das sogenannte Riesenweizengras (Handelsname „Szarvasi-1“) sein, das zudem ebenso wie Zwischenfrüchte zum Schutz des Grundwassers vor Nitrat beiträgt. Um diese Alternative nicht nur punktuell, sondern großflächig zu erproben, haben die Rupps auf insgesamt vier Hektar zwei Versuchsfelder angelegt.

Eines davon befindet sich zwischen Schambachried und Burgstall. Zu sehen ist das „Energiegras“, das dem Namen nach riesig sein müsste, dort allerdings so gut wie nicht. Denn die Rupps haben Probleme mit der Erntetechnik und der Saatmischung. Letztere war mit Weidelgras verunreinigt, das das Szarvasigras verdrängt.

Eine Alternative zum Silomais könnte das sogenannte Szarvasi- oder Riesenweizengras sein.

Eine Alternative zum Silomais könnte das sogenannte Szarvasi- oder Riesenweizengras sein. © Patrick Shaw

Maß- und verantwortungsvoll

Trotzdem hält Gerhard Rupp die anspruchslose, mehrjährige Pflanze gerade auf trockenen Böden und in Wasserschutzgebieten für „sehr vielversprechend“ – zumal der Methan­ertrag des Riesenweizengrases laut Untersuchungen der Hochschule Triesdorf rund 20 Prozent über der von Silomais liegt. „Man muss halt einen langen Atem haben“, sagt der 53-Jährige. Und den habe er nun, seit es im Rahmen der „Aktion Grundwasserschutz“ für den Mehraufwand und die Ertragsausfälle im Vergleich zum Mais auch eine Entschädigung gebe.

Ohne diese Zuschüsse sähe auch Maria Stichlmair, Leiterin der Gruppe Landwirtschaft und Forsten der Regierung von Mittelfranken, kaum Chancen für ein Umdenken. „Die Automobilindustrie würde das als Entwicklungskosten sehen“, vergleicht AELF-Chef Hans Walter. „Aller Anfang ist schwer, aber wir brauchen Pioniere.“

Ziel der Förderung des Szarvasigrases ist es laut Stichlmair nicht, den Mais komplett zu ersetzen. Als Futterpflanze werde er auf jeden Fall eine wichtige Feldfrucht bleiben, deren Anbau in Maßen auch gut sei. Es gelte aber, „ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass wir mit unseren Nährstoffen verantwortungsvoll umgehen.“

Dass das bei den Rupps so gut klappt, liegt auch an der glücklichen Kombination von Vater Gerhard mit seiner langjährigen Erfahrung und Tochter Franziska mit ihrem Hochschulabschluss samt Lehrtätigkeit in Triesdorf. Deshalb ist die Kohlmühle einer von drei Demonstrationsbetrieben für „nachhaltige und ressourcenschonende Landwirtschaft“ im Landkreis. „Sie gehören zu den Landwirten, die wir brauchen“, lobte Regierungspräsident Bauer bei seinem Besuch.

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