Ermittlungen abgeschlossen

217 tote Rinder von Rothenburg: Staatsanwaltschaft ist am Zug

17.6.2021, 15:39 Uhr
217 Rinder haben die Bedingungen in diesem Stall in Neusitz bei Rothenburg ob der Tauber nicht überlebt. 178 fand die Polizei schon tot vor, die restlichen 39 Tiere mussten wenig später getötet werden, weil sie in einem so schlechten Zustand waren.

217 Rinder haben die Bedingungen in diesem Stall in Neusitz bei Rothenburg ob der Tauber nicht überlebt. 178 fand die Polizei schon tot vor, die restlichen 39 Tiere mussten wenig später getötet werden, weil sie in einem so schlechten Zustand waren. © Daniel Karmann/dpa

Ein technischer Defekt in dem Mastbetrieb konnte mittlerweile definitiv ausgeschlossen werden. Dass die Tiere nicht ausreichend versorgt wurden und deshalb qualvoll verhungerten, liegt also daran, dass der Betriebsleiter die Rinder nicht ausreichend mit Nahrung versorgte.

Psychische Notlage des Landwirts?

Warum er sich außer Stande sah, sich um die Tiere zu kümmern oder sich rechtzeitig Hilfe zu suchen, ist dagegen noch unklar. Etwa, ob er sich in einer psychischen Notlage befand und deshalb die Rinder nicht mehr versorgen konnte - oder ob er mit der Versorgung der Rinder überfordert war und deshalb in eine psychische Ausnahmesituation geriet. Schließlich wurden abgesehen von der Erzeugung unermesslichen Tierleids auch gewaltige ökonomische Werte für den Bauern und seine Familie vernichtet.

Die polizeilichen Ermittlungen jedenfalls sind abgeschlossen. Die Ermittlungsakte liegt inzwischen bei der Staatsanwaltschaft in Ansbach. Derzeit hat der Anwalt des Landwirts noch die Möglichkeit, sich zu den Gründen für das Drama im Neusitzer Maststall schriftlich zu äußern.


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Ist die Frist abgelaufen und liegt durch die Stellungnahme des Anwalts kein Grund für Nachermittlungen vor, wird die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz in mehr als 200 tateinheitlichen Fällen erheben.

Rinder zu Tierfutter verarbeitet

Die 178 schon tot aufgefundenen Tiere konnten nur noch in die Tierkörperbeseitigung gegeben werden, die 39 zunächst noch lebenden Tiere wurden wegen ihrer geringen Größe anfangs für Jungtiere gehalten, die erst ein halbes bis ein Jahr alt waren. "Sie waren allerdings überwiegend drei und vier Jahre alt", teilte das Landratsamt in Ansbach mit. Die Tiere waren also völlig unterentwickelt.

Zudem waren sie eigentlich schon viel zu alt. Üblicherweise werden Mastrinder in einem Alter von zwei bis höchstens zweieinhalb Jahren geschlachtet, sonst gibt es wegen sinkender Qualität auch Abzüge von den Schlachthöfen. Eine erneute Mast war so also nicht mehr möglich.

Außerdem agierten die Rinder laut Landratsamt "menschenscheu und beim Umgang mit Menschen lebensgefährlich". So sah das Veterinäramt am Ende keine andere Möglichkeit mehr, als auch diese Tiere töten zu lassen. Dies wurde mit Hilfe eines Viehhandelsunternehmens bewerkstelligt, die Tiere wurden zu Tierfutter verarbeitet.

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