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Absagen wegen Corona? So steht es um Groß-Events in Franken

Spahn empfiehlt, Veranstaltungen mit über 1000 Besuchern auszusetzen - 09.03.2020 10:20 Uhr

Sowohl Fußballspiele als auch größere Konzerte könnten wegen des Coronavirus abgesagt werden. Doch noch halten sich die Veranstalter zurück.


Deutschland kratzt an der Marke von 1000 Corona-Infizierten, täglich kommen neue Fälle hinzu. Das Virus, da sind sich Experten sicher, breitet sich aus - man habe aber Einfluss darauf, wie schnell. Das Robert-Koch-Institut (RKI) sieht besonders Großveranstaltungen problematisch. Sie tragen dazu bei, das Virus schneller zu verbreiten, besonders dann, wenn Besucher aus Risikogebieten erwartet werden. Jetzt empfiehlt der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn drastische Maßnahmen, die bei Veranstaltern für Millionenverluste sorgen könnten. Events, zu denen mehr als 1000 Menschen erwartet werden, sollten vorsorglich abgesagt werden, riet der CDU-Politiker am Sonntag. Zu zaghaft sei das Vorgehen bislang gewesen. "Angesichts der dynamischen Entwicklung der letzten Tage sollte das schnell geändert werden", sagte Spahn der Deutschen Presse-Agentur. "Ich bin mir bewusst, welche Folgen das für Bürgerinnen und Bürger oder Veranstalter hat." Über Maßnahmen werde aber erst in den kommenden Tagen gesprochen - die Gesundheit geht vor.

Auch der Freistaat unterstützt Spahns Mahnung, wie der neu eingerichtete Krisenstab am Sonntag mitteilte. "Deshalb empfehlen wir den Veranstaltern und den zuständigen lokalen Behörden ein solches Vorgehen auch für Bayern."

Auch in Franken stehen zahlreiche Groß-Events an - allen voran das Länderspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Italien, das am 31. März im Max-Morlock-Stadion stattfinden soll. Die Ansetzung wurde zwar noch nicht gekippt, die Verantwortlichen der Stadt Nürnberg sprachen sich jedoch frühzeitig für eine Absage aus. Zu hoch sei die Gefahr von Infektionen, sagte Gesundheitsreferent Peter Pluschke. Tausende Fans werden auch aus den Risikogebieten Italiens erwartet, am Sonntag riegelte das südeuropäische Land ganze Regionen ab - die Bewegungsfreiheit von bis zu 16 Millionen Menschen wurde drastisch eingeschränkt. In den kommenden Tagen, sagen die Verantwortlichen, wolle man über eine mögliche Absage des Spiels in Nürnberg entscheiden.

Absagen beim Club? "An uns ist noch keiner herangetreten"

Auch Frankens Zweitligisten, der 1. FC Nürnberg und die SpVgg Greuther Fürth, haben bereits erste Maßnahmen ergriffen. Der Club etwa trainiert unter Ausschluss der Öffentlichkeit, auch Sponsorentermine sind vorerst abgesagt. Und die Ligaspiele? Man habe von Spahns Empfehlung gehört, sagt Club-Vereinssprecher Christian Bönig auf nordbayern.de-Nachfrage. "An uns ist aber noch keiner herangetreten." Eine Entscheidung, wie und ob Heimspiele des FCN ausgesetzt werden müssen, werde ohnehin im Zusammenspiel mit den anderen Vereinen, Verbänden, der Liga sowie den Behörden getroffen. Der Club würde sein nächstes Heimspiel am 23. März gegen Erzgebirge Aue austragen.

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Die Deutsche Fußball Liga (DFL) stellte nur Minuten nach Spahns Äußerungen klar, dass gespielt werden müsse. Man wolle sich jedoch zeitnah mit den Vereinen treffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen, sagte Geschäftsführer Christian Seifert. "Das Coronavirus bringt die gesamte Gesellschaft und damit auch den Fußball in eine schwierige Situation." Experten hatten zuvor immer wieder Geisterspiele, also Partien ohne Zuschauer, ins Spiel gebracht. Dazu äußerte sich der Ligachef zunächst nicht konkret.

Für Nürnbergs Lokalrivalen, die SpVgg Greuther Fürth, stünde in naher Zukunft eigentlich das Heimspiel gegen den HSV auf dem Programm. Am Freitag, 13. März, wäre wohl mit rund 15.000 Zuschauern im Ronhof zu rechnen, wenn der Tabellenvierte den - Stand Sonntag - Tabellenzweiten aus Hamburg empfängt. Zahltag eigentlich also für die Weiß-Grünen, wenn man sie denn spielen lässt. Man stehe im ständigen Kontakt mit den Behörden, erklärt Pressesprecher Immanuel Kästlen. Spätestens am Montag werde man mit Blick auf das HSV-Spiel den engen Austausch mit den zuständigen Ämtern intensivieren - und dann entscheiden.

Veranstalter aus Nürnberg spricht Klartext

Auch Konzerte sind in den kommenden Wochen bedroht. Allein in Nürnberg gibt es mehrere Hallen, die Platz für mehr als 1000 Zuschauer bieten - darunter der Löwensaal, das Opernhaus, die Arena und der Z-Bau. Im März würden dort Dutzende Konzerte stattfinden - etwa ein Auftritt von Mono Inc., das Beatles-Musical Yesterday und eine Freddy-Mercury-Tribute-Show. "Wir warten erst einmal ab, was jetzt kommt", sagt Beatrice Hörtnagel. Ihre Agentur betreibt die Nürnberger Meisterkonzerte in der Meistersingerhalle mit über 2000 Plätzen. Nächster Termin wäre in dieser Reihe ein Auftritt des Franz-Liszt-Kammerorchesters am 17. März. Das Nürnberger Kino Cinecitta, eines der größten in Deutschland, sieht keinen Anlass für Maßnahmen. Der größte Saal dort habe etwas mehr als 500 Sitze, die anderen sind deutlich kleiner.

"Wie soll das gehen ohne Einnahmen?"

Peter Harasim vom Concertbüro Franken denkt überhaupt nicht daran, Konzerte abzusagen: "Jens Spahn hat leicht reden. Wenn wir fünf bis zehn Veranstaltungen in dieser Größenordnung absagen müssen, können wir dicht machen." Genau so gehe es Hunderten von anderen privaten Konzertveranstaltern in Deutschland. "Wir vom Concertbüro müssen rund 150 Lohntüten jeden Monat füllen. Wie soll das gehen ohne Einnahmen?"

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Alleine schon die Aufforderung des Bundesgesundheitsministers, große Menschenansammlungen zu meiden, führe schon zu Einbußen. "Das ersetzt uns alles niemand." Noch nie sei die Politik so handlungsunfähig wie momentan gewesen. "Man vergisst es leicht, aber wir hatten auch schon früher Epidemien, etwa die Schweinegrippe. Nur wurde da nicht so viel Panik gemacht."

Im Nürnberger Umland stehen weitere größere Veranstaltungshallen, etwa das E-Werk und die Heinrich-Lades-Halle in Erlangen. Auch dort sorgen die Äußerungen für Unsicherheit, sagt der Betreiber der Heinrich-Lades-Halle, Norbert Hägel. Allein in den nächsten Tagen stehen eigentlich zwei bereits ausverkaufte Veranstaltungen auf dem Programm - der Auftritt des Schauspielers Harry G am Freitag, 13. März, mit rund 2200 verkauften Karten, sowie der Band "Deine Freunde" am Samstag, 14. März, mit rund 1200 verkauften Tickets.

Hägel rechnet mit Absagen - "Das geht nicht zusammen"

Bei Absagen informiere man über die eigene Homepage. Auch wenn es sich derzeit nur um eine Empfehlung des Gesundheitsministers handelt, so kann sich Nägel nicht vorstellen, dass auf der einen Seite Schulen wegen des Coronavirus geschlossen und andererseits weiterhin Großveranstaltungen durchgeführt werden. „Das geht irgendwie nicht zusammen“, so Nägel weiter.

Auch in der Bamberger Brose-Arena und der Kongresshalle gab es bislang noch keine Absagen, vorbereitet sei man trotzdem. "Wir möchten Sie bitten, bei vorliegenden Erkältungssymptomen öffentlichen Veranstaltungen fern zu bleiben", heißt es etwa auf der Homepage der Bamberger Veranstalter. "Sie schützen damit sich selbst und andere vor weiteren Ansteckungen." In Bamberg stehen unter anderem mit "The Australian Pink Floyd Show" sowie "Rock meets Classic" viele größere Konzerte in absehbarer Zeit an. Beide sollen nach seinen Informationen stattfinden, wie Norbert Nägel auf Anfrage sagt. "Wir sind nur der Vermieter und nicht der Veranstalter." Mit diesen sei man aber in intensivem Kontakt.

In Bamberg weiß man sich im Ernstfall zu helfen: Laut Gabi Heyder vom Kartenkiosk Bamberg sind zur Zeit sind keine Absagen geplant. Es gebe eine enge Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt der Stadt. Jeder Besucher solle am Mittwoch für das "Rock-meets-Classic"-Konzert am 11. März freiwillig einen vorbereiteten Zettel mit seinen Kontaktdaten in eine verschlossene Box werfen, die nach 14 Tagen vernichtet wird.

In Roth finden die Bluestage vom 23. bis zum 29. März statt. Die Veranstaltungen bleiben jeweils unter 1000 Besuchern.

In Fürth haben Veranstalter ebenfalls noch nichts abgesagt. Das Klezmer Festival in der Kleeblattstadt startete am Wochenende, über 100 Musiker aus der ganzen Welt werden erwartet. Die Konzerte mit israelischen Bands allerdings wurden abgesagt - sie müssten nach ihrer Rückkehr aus Deutschland in eine 14-tägige Quarantäne.

Auch in der Region gibt es erste Absagen. Die fünfte Pegnitzer Fightnight, die am 28. März in der Christian-Sammet-Halle über die Bühne gehen sollte, findet nicht statt. "Die Ungewissheit, wie sich die Krankheit weiter entwickelt, hat der Veranstaltung das Genick gebrochen", sagt Tobias Potzler von Fightsports Pegnitz, Ausrichter des Events.

In Neumarkt in der Oberpfalz wurde die Hüttengaudi abgesagt. Die Veranstaltung der Brauerei Lammsbräu hatte sich in den vergangenen zehn Jahren etabliert. Sie findet nun 2020 aufgrund der Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus nicht statt.

Finden die DEL-Playoffs statt?

Die Nürnberger Messe hat bereits vor Spahns Empfehlungen reagiert. Drei größere Schauen im März wurden bereits verschoben: Die Waffenmesse IWA Outdoor Classics sollte am ersten März-Wochenende stattfinden - der neue Termin liegt jetzt im September. Die Holz- und Handwerkmesse sowie die Fensterbau Frontale müssen ebenfalls auf einen noch nicht bekannten neuen Termin verlegt werden.

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Als Jens Spahn seine Empfehlungen formulierte, standen die Ice Tigers in der Arena auf dem Eis, vor Tausenden Zuschauern. Die Äußerungen des Gesundheitsministers machten auch dort die Runde. So lange es lediglich bei einer Empfehlung des Ministeriums bleibe, werde man am Mittwoch wie geplant vor Zuschauern gegen die Wolfsburger Grizzlys in die Playoffs starten. Das sei bereits im Vorfeld mit der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) so vereinbart worden, heißt es aus Vereinskreisen.

Der HC Erlangen bleibt derweil gelassen. René Selke, Geschäftsführer des HC Erlangen, der in der Handball-Bundesliga heuer im Schnitt 4870 Zuschauer bei seinen Heimspielen in der Arena in Nürnberg begrüßt, sieht keinen Anlass angesichts des Coronavirus Spiele vor leeren Rängen bestreiten zu lassen: "Wir stehen in engem Austausch mit der Liga und die mit den Dachverbänden anderer Sportarten. Im Alleingang werden wir nichts entscheiden, nur gemeinsam mit den anderen Klubs." Dort sieht es aber, so Selke, derzeit nicht danach aus, als würde es notwendig zu reagieren. "Wir haben ein wachsames Auge und sind, denke ich, gut beraten, wenn wir Ruhe bewahren."

"Wir wollen keinen Coronaschock für Wirtschaft"

Fest steht: Das Coronavirus wird wirtschaftliche Folgen haben, auch für Veranstalter. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fordert von der Bundesregierung konkrete Maßnahmen, es dürfe wegen des Erregers keine zweite Finanzkrise geben. "Wir wollen keinen Coronaschock für die deutsche Wirtschaft", sagte der CSU-Chef der Deutschen Presse-Agentur. Er schlug Bürgschaften, Steuerstundungen oder auch Kurzarbeitergeld an. Konkrete Pakete für Veranstalter, die wegen abgesagter Groß-Events in Not kommen, sind noch nicht geplant.

Tobi Lang, Marina Hochholzner und Susanne Helmer

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