Neues vom Fränkischen Seenland

Algen, Gänseplage und ein schwimmendes Dorf: Altmühlsee sorgt für Gesprächsstoff

3.8.2021, 06:00 Uhr
Die schwimmende Feriensiedlung des Altmühlsees soll in der Nähe der Liegeplätze für die Segelboot installiert werden. Kein leichtes Unterfangen, denn der Segelsportbetrieb soll durch das neue Projekt möglichst wenig beeinträchtigt werden.

Die schwimmende Feriensiedlung des Altmühlsees soll in der Nähe der Liegeplätze für die Segelboot installiert werden. Kein leichtes Unterfangen, denn der Segelsportbetrieb soll durch das neue Projekt möglichst wenig beeinträchtigt werden. © Isabel-Marie Köppel

Nach dem Vorbild der sogenannten Floating Houses am Brombachsee soll am Altmühlsee ein kleines schwimmendes Feriendorf mit 20 Häusern entstehen. Bis zur Realisierung sind allerdings noch einige Hürden zu überwinden.

Bereits Ende vergangenen Jahres hatte der ZVA grünes Licht für das Projekt am Westufer des Altmühlsees gegeben, doch die Regierung von Mittelfranken erhob Einwände gegen den ursprünglichen Standort, weil dieser zu weit vom Seezentrum Wald entfernt liegt. Und das widerspricht dem sogenannten Anbindegebot im Landesentwicklungsplan, wonach neue Siedlungen nur angebunden an bestehende Siedlungen ausgewiesen werden sollen.

Deshalb soll die schwimmende Feriensiedlung nun weiter nördlich, hinter den Liegeplätzen für Segelboote, realisiert werden. Allerdings müsste auch bei diesem Standort die Anlegestelle des Ausflugsschiffes MS Altmühlsee verlegt werden. Bis September läuft noch die artenschutzrechtliche Prüfung, unter anderem weil im Umfeld biotopkartierte Hecken stecken und auch Biber in diesem Bereich des Altmühlsees vorkommen.

Wind- und Wellengutachten nötig

Des Weiteren wird ein Wind- und Wellengutachten erstellt, um Probleme wie am Brombachsee zu vermeiden. Dort hatten sich vor Kurzem bei Sturm Floating Houses vom Hafen gelöst.


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Die Anordnung der schwimmenden Häuser soll laut dem mit der Planung betrauten Ingenieurbüro möglichst kompakt ausfallen. Das Gleiche gilt für ein Gebäude an Land, in dem die Gäste einchecken und Wäsche und Abfälle zwischenlagern können sollen. Ungeklärt ist noch die Frage, wo die künftigen Gäste parken, und ob es zu Interessenskonflikten mit den Segelsportlern am See kommen könnte.

Laut ZVA-Vorsitzendem Karl-Heinz Fitz wurden schon viele Gespräch mit Vereinen, Fachbehörden und der Wasserpolizei geführt, um eine zufriedenstellende Lösung für alle Seiten zu erreichen. Die Scheitelfläche des schwimmenden Dorfes sei bereits ein wenig nach hinten gerückt worden, um den Segelbetrieb möglichst wenig zu beeinträchtigen.

Wildgänse sorgen für Ärger

Für ganz andere Konflikte am Altmühlsee sorgt die extrem gestiegene Zahl von Grau-, Kanada- und Nilgänsen. Waren es vor wenigen Jahren noch etwa 1000 Tiere, tummeln sich mittlerweile etwa 3500 Wildgänse rund um den See. Und die hinterlassen überall ihren Kot, verleiden damit potenziellen Gästen den Besuch und verärgern Landwirte. Der Zweckverband möchte sie bejagen, erhält von der Höheren Naturschutzbehörde aber keine Erlaubnis dafür.

Vor einiger Zeit wurden für die Vögel deshalb einige beruhigte Zonen im Umfeld ausgewiesen, von denen sich die Besucher möglichst fernhalten sollen. Durch diese sogenannten Ablenkungsflächen sollen die Wildgänse von den Stränden weggehalten werden. Nun wurden entsprechende Hinweisschilder nahe dieser Zonen aufgestellt.

Vor einigen Tagen hatte das Gesundheitsamt des Landratsamtes Weißenburg-Gunzenhausen Badewarnungen für den Kleinen Brombachsee und den Altmühlsee wegen Blaualgen ausgesprochen. Konkret handelt es sich um die Strände in Langlau und in Absberg an der Badehalbinsel im nördlichen Bereich sowie Schlungenhof und Muhr am See. Das Gesundheitsamt behält die Situation im Auge.

Bei Blaualgen handelt es sich - anders als der Name vermuten lässt - um Bakterien (Cyanobakterien). Normalerweise beeinflusst warmes und sonnenreiches Wetter das Wachstum der Blaualgen, doch da das Frühjahr recht kalt war, hatte ZVA-Geschäftsführer Daniel Burmann gehofft, dass der Altmühlsee heuer zumindest länger verschont bleibt.

Hochwasser spülte Sedimente in die Seen

Die aktuelle Badewarnung hängt mit dem Hochwasser zusammen, erklärt Burmann. Das Einzugsgebiet der Seen erstrecke sich weit in den Norden bis Herrieden. Durch den anhaltenden Regen und die Überschwemmungen habe es viele Sedimente und Nährstoffe von den Feldern geschwemmt, die nun in den beiden Seen für eine Ausbreitung der Cyanobakterien sorgten.

Die Badewarnung für den Altmühlsee inklusive des Spielplatzes in Wald wurde nun auf den Zuleiter ausgeweitet. Das heißt, die Ufer in Gern und Mörsach sind auch betroffen. Sauerstoffarmut lässt die Fische sterben und die Gewässer stinken. Deshalb passt die Wasserqualität nicht mehr, die genommenen Proben prüfen die Behörden derzeit noch.


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Grund hysterisch zu werden, gebe es aber nicht, sagt Burmann: „Es besteht eine Badewarnung, kein -verbot.“ Schilder weisen an den betroffenen Ufern auf die Belastung hin. Jeder muss also selbst entscheiden, ob er ins Wasser geht. Denn manche Menschen reagieren allergisch auf die Bakterien. Burmanns Empfehlung: mit gesundem Menschenverstand handeln.

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