Mittel gegen die Quälgeister

Alkohol lockt an: Das müssen Sie über Mücken wissen

15.9.2021, 06:00 Uhr
 Mehrere Mücken der Art Aedes vexans sind auf dem Arm einer Frau zu sehen. Doch warum saugen sie bei manchen Menschen lieber als bei anderen?

 Mehrere Mücken der Art Aedes vexans sind auf dem Arm einer Frau zu sehen. Doch warum saugen sie bei manchen Menschen lieber als bei anderen? © Patrick Pleul, dpa

Ein unangenehmes Surren hier, ein juckender Stich dort. Mücken gelten sicher nicht als die beliebtesten Lebewesen. Dennoch erfüllen sie einen wichtigen Zweck im Ökosystem Erde. Der Naturschutzbund (Nabu) hat dazu eine ganz einfache Erklärung: Sie und ihre Larven sind eine wichtige Nahrungsquelle für andere Lebewesen.

Doch wenn man im Sommer im Bett liegt und eine Mücke direkt neben seinem Ohr hört, dann fällt der Gedanke an den Nutzen der Insekten vermutlich etwas schwer. Stattdessen wünscht man sich ein Mittel, das gegen die Quälgeister hilft.

Experten setzen auf konventionelle Mittel: Lange, dichte Kleidung sowie Insektenspray und -netze sind effektive Mittel gegen die lästigen Plagegeister. Sogenannte "Repellents" mit den Wirkstoffen Diethyltoluamid, DEET, und Icaridin sind die stärksten Waffen gegen die Stech-Insekten. Diese können allerdings Schleimhäute und Augen reizen.

Für Kinder gibt es extra abgeschwächte Varianten dieser Mittel. Eine Mückenabwehr mit pflanzlichen Inhaltsstoffen wie Eukalyptus, Teebaum oder Zitronengras sind ebenfalls im Handel erhältlich.

Nur Weibchen stechen

Doch warum werden wir überhaupt gestochen? Der Mückenatlas hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Forschung rund um Mücken voranzutreiben und sammelt deswegen Exemplare der Insekten, die ihnen freiwillige "Mückenjäger" zusenden. Damit erstellen sie eine Landkarte, die zeigt, wo welche Mückenart vorkommt.

Dort heißt es, dass sich zwar beide Geschlechter grundsätzlich von zuckerhaltigen Pflanzensäften ernähren, zur Eireifung des Weibchens allerdings eine proteinreiche Nahrung benötigt werden würde. Und die holt es sich, indem es Blut saugt.

Doch nicht alle Mücken stechen bevorzugt den Menschen – viele saugen sogar lieber an anderen Wirbeltieren, wie Vögeln oder sogar Reptilien und Amphibien. Stechmücken-Männchen dagegen saugen niemals Blut.

Übrigens: Die Insekten werden nicht, wie viele Menschen glauben, vom Licht angezogen. Vielmehr ist es der Geruch und der CO2- Ausstoß des Lebewesens. Daran orientieren sich die Mücken im Wesentlichen.

Das Fenster oder die Terrassen- und Balkontür kann also auch abends offen bleiben, wenn man innen Licht an hat - vielmehr müsste man dann eher seinen eigenen Geruch "ausknipsen".

Lockmittel Alkohol

Und warum werden manche Menschen häufiger gestochen? Es ist nicht das "süße Blut", das den Mücken schmeckt. Sie müssen den Menschen einfach gut riechen können. Wer viel schwitzt, den lieben die Mücken umso mehr. Die Kombination mit Deodorants kann die Gier nach dem Blut bei den Insekten mitunter verstärken. Auch wer Alkohol trinkt, könnte attraktiver wirken. Denn durch Alkoholgenuss weiten sich die Blutgefäße und die Schweißproduktion wird ebenfalls angeregt.

Mit ihrem Stechrüssel sticht die Mücke dann in feine Blutgefäße in der Haut – vorzugsweise in der Dämmerung oder nachts. Sie saugt aber nicht nur Blut, sondern gibt gleichzeitig Speichel ab. Und Substanzen darin erweitern die Blutgefäße, hemmen die Blutgerinnung und betäuben.

Erst nach dem Stich erkennt das Immunsystem den Speichel und löst eine Gegenreaktion aus: Es entstehen Quaddeln und Juckreiz. Noch unangenehmer wird es, wenn mit dem Speichel Krankheitserreger übertragen werden - falls die Mücke infiziert war.

Hat keine Abwehrfalle gegen die Insekten geholfen und die Mücken haben zugestochen, gibt es mehrere Hausmittel, die gegen den Juckreiz helfen können. Der Mückenatlas rät, unbedingt nicht zu kratzen - sonst könnten Bakterien in die Wunde geraten und so eine Entzündung entstehen. Stattdessen helfe kühlen oder auch punktuelle Hitze, um den Juckreiz zu lindern.

Manche Mückenstiche rufen heftige Reaktionen hervor. So schwellen die Stiche von Überschwemmungsmücken beispielsweise häufig stärker an als bei anderen Mücken. Der diesjährige Sommer war deutlich feuchter als die vergangenen, dementsprechend gut waren die Bedingungen für Arten, wie Auwaldmücke oder Wiesenmücke.

Durch die zuvor sehr trockenen Sommer ist unser Immunsystem nicht an den Proteincocktail dieser Arten gewöhnt und die Reaktion fällt heftiger aus als bei Hausmücken. Letztere kamen in den vergangenen Jahren etwas häufiger vor und so konnte der Körper eher lernen, mit dem Stich umzugehen.

Einen kleinen Trost gibt es also: Wen es besonders häufig trifft, der hat die Chance, dass sich das Immunsystem zumindest etwas daran gewöhnt.

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