24°

Freitag, 19.07.2019

|

Altdorf: Hunderte demonstrieren gegen Islamfeindlichkeit

Viel Wirbel um den Auftritt von Aiman Mazyek in der Laurentiuskirche - 01.11.2016 07:57 Uhr

In Altdorf stellten sich am Abend Hunderte gegen Pegida. © Michael Matejka


"Was ich mir von Christen wünsche - Christen und Muslime gemeinsam für Barmherzigkeit und Nächstenliebe" - unter diesem Motto stand die Veranstaltung, die bereits im Vorfeld für einigen Wirbel in der gesamten Republik sorgte. Aiman Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, sprach am Montag in der Altdorfer Laurentiuskirche. 

Der Islam, so Mazyek, sei im Kern eine friedliche Religion. Zudem warnte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland die etablierten Parteien, im Kampf um Wählerstimmen keine "gefährlichen rechtspopulistischen Parolen" zu kopieren. Seinen Appell richtete er "insbesondere an die konservativen (Parteien) und hier in Bayern ganz besonders an die CSU". Das Konzept von Sündenbockdiskussionen und Abwertungen von Minderheiten gehe nicht auf - "das sehen wir in Österreich, in Frankreich, in England oder Ungarn."

Bilderstrecke zum Thema

Hoher Besuch in Altdorf: Aiman Mazyek in der Laurentiuskirche

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, hat am Montag bei einer Veranstaltung der evangelischen Kirche zum Reformationstag in der vollbesetzten Laurentiuskirche in Altdorf gesprochen.


Johann-Peter Pöllot, CSU-Mann und dritter Bürgermeister der Stadt im Nürnberger Land, veranlasste der Termin im Vorfeld dazu, von einer "Islamschweinerei" zu sprechen. Ein Ausdruck, für den er sich zwar mittlerweile entschuldigt hat - dennoch hat Pöllot mit seiner Äußerung dafür gesorgt, dass Altdorf am Abend des Reformationstages im Brennpunkt des öffentlichen Interesses stand.

Denn neben der Veranstaltung in der Stadtkirche demonstrierte am Abend auch Pegida in Altdorf, rund 30 Teilnehmer waren nach Angaben der Polizei gegen 18 Uhr vor Ort. Ihnen standen 500 bis 600 Gegendemonstranten gegenüber, die dem Aufruf des Bündnisses für Toleranz und Respekt gefolgt waren. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort, um die Gruppen voneinander fernzuhalten. Zudem machte sich ein Posaunenchor daran, die Pegida-Parolen zu übertönen.

Aiman Mazyek sagte kurz vor Beginn der Veranstaltung, er nehme Pöllots Entschuldigung an. "Was bleibt ist, dass diese Hasssprache weiter salonfähig gemacht wurde. Sie hat viel Gift rein gebracht", sagte Mazyek. Er erwarte von den Parteien, sich von einer solchen Sprache klar zu distanzieren. "Wir müssen aufpassen, dass das Niveau nicht weiter verroht."

Er freue sich, dass eine Mehrheit im Stadtrat und auch die Demonstranten ein klares Zeichen der Abgrenzung setzten. Der erste Bürgermeister Erich Odörfer (CSU) sagte bei der Demo, die Formulierungen seines Stellvertreters seien "falsch und nicht angebracht" gewesen. "Altdorf ist bunt und soll es auch bleiben", sagte Odörfer unter dem lauten Jubel der Demonstranten.

 

psz, woh, dpa

18

18 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Altdorf