Donnerstag, 22.04.2021

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Altdorfer Karatu-Markt feiert Jubiläum

20 Jahre Hilfe für Stadt in Tansania - 01.12.2020 13:22 Uhr

Im afrikanischen Gewand, das sie von Pfarrer Temba überreicht bekam, spricht Helga Strehl zu den Besuchern des Gottesdienstes in der Altdorfer Laurentiuskirche.

30.11.2020 © Daniel Frasch


Rund 6300 Kilometer Luftlinie liegen zwischen der Stadt Altdorf im Nürnberger Land und der Stadt Karatu im Norden Tansanias. Wollte man die Strecke mit dem Fahrzeug bestreiten, müsste man 9700 Kilometer zurücklegen und dabei elf Länder (Österreich, Ungarn, Serbien, Bulgarien, Türkei, Syrien, Jordanien, Ägypten, Sudan, Äthopien und Kenia) durchqueren. Doch trotz der großen Entfernung zwischen beiden Städten herrscht seit über vier Jahrzehnten eine enge Verbundenheit. Wie eng sie ist, wurde gestern in der Altdorfer Laurentiuskirche sichtbar. Da nämlich fand der Gottesdienst unter der Leitung von Pfarrerin Barbara Overmann statt, in dessen Mittelpunkt die jahrelange Partnerschaft zwischen Altdorf und Karatu stand.

Bereits seit 1978 besteht sie zwischen dem evangelischen Dekanat Karatu und dem in Altdorf. Noch nicht ganz so lange, aber immerhin auch schon zwei Jahrzehnte, existiert der Karatu-Markt in der Wallensteinstadt. Auf Anregung von Lydia Albrecht, die als Missionsbeauftragte des Dekanats Altdorf Karatu einst einen Besuch abgestattet hatte, entstand die Idee, der ehemaligen Apotheke von Helga Strehl und ihrem Mann, die 1997 geschlossen wurde, neues Leben einzuhauchen und den Karatu-Markt zu eröffnen. Helga Strehl, die Mitbegründerin von einst, spricht von einem "Spendentopf der Evangelisch-lutherischen Gemeinde Altdorf."

Maximale Transparenz der Spenden

Monatlich wird das eingenommene Geld als Spende verbucht und auf ein Konto des Dekanats Karatu überwiesen. Da der Karatu-Markt in ständigem Kontakt und engem Austausch mit den Verantwortlichen in Tansania steht, können sie in Altdorf auf den Euro genau verfolgen, was mit dem Geld geschieht. Derzeit sind acht Frauen aus Altdorf, Feucht und Winkelhaid ehrenamtlich im Karatu-Markt tätig und arbeiten zwischen vier und acht Stunden pro Woche. Das Prinzip dahinter ist denkbar einfach: Menschen, die sich von Dingen trennen wollen oder müssen, können gut erhaltene Waren als Spende abgeben. Andere wiederum finden im Karatu-Markt Dinge, die sie schon lange suchen und können sie gegen eine Spende mitnehmen. Geschirr, Kinderspielzeug, Modeschmuck, Gesellschaftsspiele: Das Sortiment ist groß und die Waren mannigfach. Das Geschäft lädt jederzeit zum Stöbern und Verweilen ein.

Bis ins Jahr 2012 lag der Fokus der Altdorfer auf dem Karatu-Hospital. Zwölf Jahre, in denen durch die ehrenamtliche Tätigkeit viele wichtige Anschaffungen getätigt werden konnten. Von einer neuen Telefonanlage über einen Kühlraum für Verstorbene bis hin zu Operationsleuchten, neuen Matratzen und einem Sterilisator. Auch ein Doktor- und Schwesternhaus wurde dank Spendengeldern gebaut. Zweifellos wäre das Hospital in der Kilimandscharo-Region ohne die materielle sowie finanzielle Unterstützung aus dem Nürnberger Land nicht das, was es heute ist: Ein funktionierendes Krankenhaus, das die Gemeinde medizinisch gut versorgt. Insgesamt spendete der Karatu-Markt in diesen zwölf Jahren rund 240 000 Euro an das Hospital.

Ab dem Jahr 2012 richteten Strehl und ihre Mitstreiter ihren Fokus auf den Bau von dringend benötigten Kindergärten. In Rhotia, einer Verwaltungsabteilung Karatus, entstand in der Folgezeit eine Einrichtungsstätte für 100 Kinder. Den Bau des Kindergartens verfolgten sie aus der Ferne, nach einzeln dokumentierten Bauabschnitten überwiesen sie jeweils die nächste Rate nach Afrika. Die Besonderheit: Der Kindergarten verfügt über eine feste Küche sowie eine fest installierte Toilette. Insgesamt kostete das Projekt 50 000 Euro und trägt heute den Namen "Helga Strehl Montessori Education Centre Rhodia.

"Auch der neue Kindergarten in Karatu-Stadt wurde in Angriff genommen und wird bald fertiggestellt. Dieser wurde nötig, weil Karatu in den vergangenen Jahren gewachsen und damit auch der Bedarf eines größeren Kindergartens gestiegen ist. Für dieses Projekt stellte der Karatu-Laden Altdorf weitere 20 000 Euro zur Verfügung. Nachdem im vergangenen Jahr Heriel Zacharia, dessen Medizinstudium der Altdorfer Karatu-Markt mit insgesamt 30 000 Euro finanzierte, den Chefarzt-Posten im Karatu-Hospital übernommen hat, fokussierten sich Helga Strehl und Co. wieder auf das Krankenhaus. 10 000 Euro erhielt das Hospital für die Ausstattung seiner beiden Operationssäle, unter anderem wurden von diesem Geld zwei neue OP-Tische angeschafft.

Ihren Segen bekamen die Anschaffungen allesamt von Dekan Penga, den die Altdorfer Ehrenamtlichen ebenfalls mit 5000 Euro jährlich unterstützen. Penga nutzt es, um Prothesen, Blindenstöcke und Rollstühle anzuschaffen.

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Anästhesiegerät für 25 000 Euro

Doch damit nicht genug: Auch in Zukunft will und wird der ehrenamtliche Kreis um Helga Strehl das Karatu-Hospital unterstützen. Unter anderem soll ein rund 25 000 Euro teures, modernes Anästhesiegerät finanziert werden. Denn das alte, das noch von Hand betrieben werden musste, hat engültig ausgedient. An dringlichen Beschaffungen mangelt es dem Krankenhaus nicht, weshalb der Altdorfer Karatu-Markt sein Engagement und sein Geld auch weiterhin gut investiert sieht.

Einziger Wermutstropfen: Helga Strehl hat es bislang noch nicht persönlich nach Tansania geschafft. "Gesundheitlich geht das leider nicht", sagt sie, um sogleich die Vorzüge der Digitalisierung zu nennen: "Ich habe Pfarrer Temba eine Mail geschrieben und ihm von unserem Gottesdienst zu unserem Jubiläum erzählt. Heute Morgen hatte ich Antwort von ihm: Er bedankt sich herzlich und sagt, dass er mit seinen Gedanken bei uns ist." Spätestens jetzt sind die 6300 Kilometer Luftlinie zwischen Altdorf und Karatu wieder vergessen.

Daniel Frasch

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