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Ärzte im Nürnberger Land wollen endlich impfen

Mediziner üben Kritik am Landratsamt und am Ausbau der Impfzentren - 17.03.2021 10:29 Uhr

Die Ärzte wollen in die dezentrale Impfstrategie so schnell wie möglich eingebunden werden. Sie fragen auch, warum in Bayern die Verwendung der siebten Dosis aus dem Biontech-Impffläschchen nicht gestattet ist. NRW erlaubt die Praxis.

16.03.2021 © Melinda Nagy - stock.adobe.com


Stellvertretend für 91 Mediziner aus dem Nürnberger Land appelliert Dr. Bastian Jedlitschka aus Neunkirchen an die Landkreisverwaltung, so schnell wie möglich Corona-Impfungen in Praxen durchführen zu lassen."Eine weitere Verzögerung des Impfstarts in der Arztpraxis ist für uns nicht hinnehmbar", heißt es in einem Schreiben an die Redaktionen der Tageszeitungen im Landkreis, das von 91 Ärzten unterzeichnet wurde.

Ein weiteres Abwarten bedeute für die Patienten eine unnötige Hürde und verzögere die Etablierung von Abläufen in der täglichen Praxis. "Gerade wenn sehr viele Impfdosen verfügbar sind, müssen diese Abläufe gefestigt sein", betonen die Mediziner in ihrem Schreiben und weisen auch auf das besondere Vertrauensverhältnis hin, das zwischen Arzt und Patient besteht: "Gerne wollen wir unseren Patienten dieses Vertrauensverhältnis während des Impfvorgangs bieten."


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Bislang haben die Mediziner im Nürnberger Land 80 Prozent aller Corona-Patienten ambulant versorgt, haben bei der Kontaktnachverfolgung die Gesundheitsämter unterstützt, Abstriche durchgeführt und zuletzt Schnelltests etabliert. "Lassen Sie unsere Arbeitskraft nun dem wichtigen Schritt, den Covid-Impfungen, zukommen", lautet der Appell der Ärzteschaft.

Unnötige Kosten für die Impfzentren

Die Erweiterung der Impfzentren ist aus deren Sicht der falsche Weg, das betont Dr. Bastian Jedlitschka. Hier würden unnötig Kosten erzeugt, nämlich 120 bis 150 Euro pro Patient, wobei die Impfung beim niedergelassenen Arzt lediglich 20 bis 30 Euro kostet, je nachdem, ob eine Vorab-Beratung notwendig war oder nicht.

Für die Arztpraxen sei das Impfzentrum auch eine Belastung, so Jedlitschka weiter. "Weil wir sowohl das Impfzentrum als auch die Grundversorgung bedienen müssen." Im Röthenbacher Zentrum impfen eben mehrheitlich niedergelassene Ärzte.

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Während im Landkreis Hof die Hausärzte bereits impfen dürfen, werde im Nürnberger Land wieder verzögert, "wie einst bei den Impfungen niedergelassener Ärzte", ärgert sich der Neunkirchener Mediziner. Vom Gesundheitsamt in Lauf kommen zwar Nachrichten, dass man mit dem Impftempo im Nürnberger Land besser ist, als der Bundesdurchschnitt. Im bayerischen Vergleich, darauf weisen die Ärzte im Nürnberger Land hin, liegt der Landkreis aber zehn Prozent unter dem Mittelwert. Und es wären auch mehr Impfungen mit dem vorhandenen Impfstoff möglich, versichert der Neunkirchener Mediziner.


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Aus einem Biontech-Impffläschchen dürfen in Bayern sechs Impfdosen entnommen werden. Bei etwa 70 Prozent der Fläschchen ist aber die Entnahme einer siebten Impfdosis möglich. Während das in Nordrhein-Westfalen zugelassen ist, verbietet Bayern diese Praxis. "Ethisch nicht nachvollziehbar", stellt Jedlitschka fest. Insider wüssten, dass man sich in anderen Landkreisen darüber hinweg setzt und mit der verbotenen siebten Dosis häufig medizinisches Personal impft. Im Nürnberger Land werde dieses Vorgehen jedoch strikt abgelehnt und sei mehrfach im Impfzentrum untersagt worden.

Alex Blinten

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