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Mittwoch, 22.01.2020

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Aufnahmestopp: Fränkische Klinik kämpft gegen Norovirus

Sieben Patienten der geriatrischen Station sind isoliert - 12.01.2020 13:09 Uhr

Besuchern im Rummelsberger Krankenhaus ist aufgefallen, dass Patientenzimmer gesperrt wurden. Anlass sind Vorsichtsmaßnahmen, mit denen das Krankenhaus die Verbreitung von Keimen verhindern will. Besorgte Klinikbesucher sprechen nun schon von einer Epidemie im Krankenhaus. "Es gibt keine mysteriöse Infektion, das ist eine Ente", hält Dominik Kranzer, der Pressesprecher der Klinik, dem entgegen und erklärt die Hintergründe der Maßnahmen.

Auf der geriatrischen Station des Laurentiushauses im Krankenhaus Rummelsberg sei bei sieben Patienten das Norovirus nachgewiesen worden, erläutert Kranzer. Ärzte hätten die Betroffenen anschließend isoliert. Über die Norovirus-Fälle hat das Krankenhaus zwischenzeitlich auch das Gesundheitsamt Nürnberger Land informiert.

"Saisonal bedingte Erkrankung"

"Da das Norovirus eine typische saisonal bedingte Durchfallerkrankung ist, die üblicherweise im Winter auftritt, ist das Hygiene-Team des Krankenhauses auf ein solches Szenario eingestellt gewesen und hat Sofortmaßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung zu stoppen – beispielsweise werden die erforderlichen und viruswirksamen Hände- und Flächendesinfektionen durchgeführt", erklärt Kranzer die Schritte, die das medizinische Personal jetzt geht. Um weitere Ansteckungen zu vermeiden, haben die Verantwortlichen zudem einen Aufnahmestopp für neue Patienten der geriatrischen Station angeordnet. "Dieser gilt bis 48 Stunden nach den letzten Symptomen."

Die Übertragung der Noroviren erfolgt bevorzugt über den Stuhl. Kleinste Viruspartikel reichen aus, um bei empfänglichen Patienten eine Ansteckung auszulösen. Das hoch ansteckende Virus kann über direkten Kontakt übertragen werden, vor allem über kontaminierte Hände und Oberflächen, Türklinken und so weiter sowie über nicht ausreichend erhitzte Lebensmittel oder verunreinigtes Trinkwasser.

Typische Symptome einer Norovirus-Infektion sind akuter Durchfall und schwallartiges Erbrechen. Häufig treten dabei auch Übelkeit, Unwohlsein und Bauchschmerzen sowie gelegentlich Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen und Fieber auf. Die Zeit zwischen Erregeraufnahme und Erkrankungsbeginn beträgt durchschnittlich 24 Stunden. Die Infektion kann unterschiedlich schwer verlaufen. Bis heute gibt es auch keine vorbeugende Impfung.

Weitere multiresistene Keime

Multiresistente Staphylokokken, Stäbchenbakterien und Enterokokken sind weitere Problemkeime, die bei Krankenhauspatienten zu Lungenentzündungen, Harnwegsinfekten, Wundinfektionen nach Operationen und zu Blutvergiftungen führen können. 2016 ermittelte ein Wissenschaftler-Team die Zahl der durch multiresistente Keime verursachten Todesfälle. Europaweit starben 91.000 Menschen, in Deutschland laut nationalem Zentrum zur Überwachung von Krankenhausinfektionen 15.000 Patienten.

Für die Krankenhäuser also ein enormes Problem, dem man nur mit straffen Hygienemaßnahmen entgegen treten kann. Erkranken Patienten am ersten oder zweiten Tag in der Klinik, dann gilt die Erkrankung als mitgebracht. Das sagt Petra Gastmeier, die Direktorin des Referenzzentrums zur Überwachung von Krankenhausinfektionen. Ab Tag drei gelte die Krankheit als Krankenhausinfektion. Das bedeute aber nicht, dass immer Klinikmitarbeiter dafür verantwortlich seien. Vielmehr lebten zahllose Keime auf der Haut der Patienten, die über verschiedene Eingriffe dann in den Körper gelangen können.

Experten schätzen, dass ein Drittel der Krankenhausinfektionen vermeidbar wären, etwa durch gründliche Desinfektion der Hände. Weiterbildung des Personals und ein Test der Patienten auf multiresistente Keime vor dem Krankenhausauftenthalt zählen ebenso zu wichtigen Vorsichtsmaßnahmen.

Die haben die Verantwortlichen am Altdorfer Krankenhaus in jüngerer Vergangenheit offenbar erfolgreich ergriffen. Nach Auskunft von Dr. Johannes Werner, dem hygienebeauftragten Oberarzt, und dem leitenden Oberarzt Dr. Adrian Vizireanu hat es in den vergangenen Monaten keine Vorfälle mit Problemkeimen gegeben.

Alex Blinten

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