Hochbeete auf dem Dachgarten

Aufstockung: Lebenshilfe Nürnberger Land baut aus

18.5.2021, 12:16 Uhr
So sollen die aufgestockten Wohnwelten einmal aussehen, wenn alles fertig ist.

So sollen die aufgestockten Wohnwelten einmal aussehen, wenn alles fertig ist.

"Unsere Inklusive Wohnwelt, das Zuhause von Menschen mit und ohne Behinderung, wird durch die Aufstockung gewinnen", sagt Lebenshilfe-Vorsitzender Gerhard John. Denn die Tagesplätze für Senioren sollen großzügig, hell und vor allem mit viel Grün – also einem Dachgarten – realisiert werden.

Auf rund 400 Quadratmetern Nutzfläche – das entspricht etwa drei Einfamilienhäusern – entstehen zwei Gruppenräume mit Küchenbereich und weitere Räume für Pflege, Therapie und Verwaltung. Die Baukosten in Höhe von rund 3 Millionen Euro werden insbesondere durch den Freistaat Bayern, den Bezirk Mittelfranken und die Aktion Mensch bezuschusst. Ein Drittel der Bausumme wird die Lebenshilfe selbst aufbringen, erläutert Geschäftsführer Dennis Kummarnitzky.

Hochbeete auf dem Dachgarten

"Wir haben so geplant, dass die Jahreszeiten auch in den Räumen, auf den Fluren, für die betagten Menschen, die hier den Großteil ihres Lebens verbringen, erlebbar werden", erläutert Architekt Hans Peter Haid. Und wie in den Geschossen des Apartmenthauses, soll es auch im Aufbau einen Ring-Flur mit vielen Orientierungspunkten geben. So können betagte Menschen ihren Bewegungsdrang selbstbestimmt ausleben.

Gerhard John überreicht dem Altdorfer Rathaus-Chef Martin Tabor die Bauakte.

Gerhard John überreicht dem Altdorfer Rathaus-Chef Martin Tabor die Bauakte. © Lebenshilfe

Ein großer Süd-Dachgarten soll das grüne i-Tüpfelchen werden. Fachvorständin Martha Fischer ist schon jetzt überzeugt, dass dieses Detail den betagten Frauen und Männern sowie deren Betreuern viel Lebensqualität bieten wird. Auch Haid glaubt, dass der Dachgarten, aufgrund des Ausblicks und der Sonne bei der Hausgemeinschaft sehr gut ankommen wird.

Möglich wird das, weil der Aufbau in der Fläche um rund drei Meter über die Fassade geschoben ist, also als Attika ausgeführt wird. Dieses architektonische Element soll dem Kubus seine Kompaktheit nehmen, ohne dass das Klare und Moderne des Gebäudes verloren geht. Zu erreichen ist das aufgesetzte Geschoss per Treppe, Aufzug oder der Außentreppe. Die Dachflächen sollen exzessiv begrünt werden. John und Fischer sehen in der Gestaltung und Pflege des Dachgartens eine Chance, hier die Senioren einzubeziehen und auch Hochbeete anzulegen.

Die Architekten rechnen mit neun bis zwölf Monaten Bauzeit. Die Bewohner werden von den aktiven Bauphasen wenig mitbekommen, da diese während des Tages in den Moritzberg-Werkstätten tätig sind. John wünscht sich, dass die Bewohner und deren Angehörige in die Bauphasen einbezogen werden. Damit habe man in der Vergangenheit bei anderen Bauprojekten gute Erfahrungen gemacht.

Erst fünf Jahre ist es her, da eröffnete die Lebenshilfe Nürnberger Land das Apartmenthaus. Das Baukonzept dafür entwickelte seinerzeit ebenfalls Architekt Hans-Peter Haid. Für Bürgermeister Tabor steht schon jetzt fest: "Das wird ein Gewinn für Altdorf. Ein Wohlfühlort für Senioren mit Behinderung.

Gescheiterte Versuche

Der Ausbau der Wohnwelten hat eine lange Vorgeschichte. 2017 legte die Lebenshilfe Pläne vor für den Bau eines Wohnheims für behinderte Senioren in der Pfaffentalstraße, ein Vorhaben, das der Hauptausschuss der Stadt noch begrüßte, das der Stadtrat dann aber kurz vor Weihnachten 2018 mit knapper Mehrheit ablehnte.

Die Grünen führten damals Aspekte des Landschaftsschutzes an, die SPD erinnerte daran, dass man sich schon immer einig gewesen sei, auf dem betreffenden Gebiet an der Pfaffentalstraße keine Bebauung zuzulassen. Anschließend sah Gerhard John wenig Chancen für den Bau des Wohnheims an einem anderen Standort in Altdorf.

Doch einige Monate später gab es dann Grund zur Zuversicht. Im Fürstenschlag fand man ein Grundstück im Bereich Hackenricht- und Hessenstraße, das sich aus Sicht der Verantwortlichen im Rathaus und bei der Lebenshilfe ideal anbot als Standort für ein Wohnheim. Der Stadtentwicklungsausschuss gab im Frühjahr 2019 grünes Licht für das Projekt. Nicht auf der Rechnung hatten die Ausschussmitglieder dabei diverse Anlieger im Fürstenschlag, die ebenso wie zuvor Anwohner in der Pfaffentalstraße gegen das geplante Wohnheim mobil machten. Sie konnten Teile des Stadtrats für ihre Position gewinnen, auch Bürgermeister Tabor, damals Fraktionschef der SPD, sah das Vorhaben der Lebenshilfe im Fürstenschlag seinerzeit kritisch. Am Ende kassierte die Lebenshilfe ihre Wohnheim-Pläne ein, weil man das Wohnheim nicht gegen den Widerstand der Nachbarn durchsetzen wollte.

Das Projekt als Aufstockung der inklusiven Wohnwelten fällt nun deutlich kleiner aus als die aufgegebenen Pläne für die Pfaffentalstraße und den Fürstenschlag. Waren dort noch jeweils 25 Heimplätze geplant, sind mit dem Ausbau der Wohnwelten nur 15 Plätze möglich.

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